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Der versteckte Liebesbrief

Traum II:
In einem öffentlichen Aufenthaltsraum. Vielleicht ein Leseraum in der Schulbibliothek. Ich sitze an einem Tisch; mir gegenüber eine Frau, die mir ein bisschen ähnlich sieht. Ganz entspannt sitzt sie da und trällert einen Schlager vor sich hin. Nicht laut, aber auch nicht leise. Das ist ganz gut so, sie stört nicht und fordert keine Aufmerksamkeit, so dass ich meinen Kram weitermachen kann. Dann unterbricht sie ihren Gesang und beginnt so heiter wie zuvor, ein wenig zu erzählen – über Träume und was daraus alles entspringen kann. Dabei bemerke ich, dass ich gerade Notizen auf einer gelben Karteikarte mache. Überall verstreut sind Stichworte zu einem Traum geschrieben – also Traumarbeit. Da brauche ich nichts zu sagen, denn die Frau kann ja sehen, dass ich mich damit beschäftige. Solange sie auf dieser Ebene weitererzählt und sich nicht weiter in das Thema vertieft, werde ich mich zu keinem Gespräch mit ihr aufraffen wollen. In dem Augenblick, da mir dies bewusst wird, ist die Frau mit einem Male verschwunden.

Ich stehe auf und trete an eine Reihe niedriger Kommoden. Dort stehen nämlich zwei helle Blumenübertöpfe, in denen die Briefe gesammelt sind. Es sind längliche Briefumschläge, alle aufgeschnitten und die Karten oder Briefe stecken drin. Es erinnert an eine Feier (Kommunion, Konfirmation, Geburtstag oder ein anderer feierlicher Anlass). Bereits vorhin hatte ich die Briefe sortiert und geordnet. Jetzt will ich eigentlich nur die Gelegenheit nutzen – da ich gerade allein und unbeobachtet bin – und den Brief lesen, der von Petra (eine Ex) abgesendet wurde. Ich habe nämlich mitbekommen, dass es sich um einen Liebesbrief handelt, von dem niemand etwas wissen soll. Da ich vorhin schon einen Blick hinein geworfen hatte, war mir das aufgefallen. Jetzt möchte ich den Inhalt genauer und in aller Ruhe erfassen! In einem der beiden Übertopfe stecken sehr viele Umschläge, alle mit einer ähnlichen Schrift beschrieben: locker aus dem Handgelenk mit bauchigen Buchstabenrundungen. Der Brief von Petra steckt mit wenigen anderen Umschlägen in dem zweiten Übertopf, und der Absender wurde mit einer Handschrift geschrieben, die etwas anders als die anderen Schriftbilder wirkt. Deshalb fällt der Brief doch eher ins Auge. Es war dumm von mir, den Brief extra in den anderen Topf zu tun, denn das ist ziemlich auffällig. Er wäre zwischen all den anderen Briefen besser aufgehoben gewesen und ich hätte ihn trotzdem aufgrund seiner etwas von den anderen Briefen abweichenden Schrift erkennen können. Naja, zu spät. Gerade als ich den Liebesbrief an mich nehmen und lesen will, fällt mir dieser, und mit ihm noch weitere Briefe, aus der Hand. Blöderweise fallen sie genau hinter die Kommoden! Nun ist es nicht mehr so leicht, unauffällig an diesen Brief zu kommen, denn ich muss die Schränke erst einmal vorziehen und alles hervorholen. Da lasse ich erst einmal die Schultern etwas hängen.

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