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Der unheimliche alte Regenmantel

Traum vom 30. November 2009

Völlig unvermittelt in der Ex-Wohnung. Genauer: Schreibtisch unter dem Dachfenster, Sitzplatz mit dem Rücken zum Geländer/Treppenhaus.

Ende November, Adventszeit. Es ist wohltuend, jetzt, zum Feierabend, aus der feuchten Kühle in den Schutz und die Wärme der Wohnung zu kommen. Nur das Licht der alten Schreibtischlampe wirft einen milden und fokussierten Schein auf die Tischoberfläche. Ich lege meinen Mantel ab und werfe gleich einen Blick in den braunen Luftpolsterumschlag, den ich eben aus dem Postkasten mit herein brachte. Es ist Post von ‘Jemand’. Das hatte ich zwar erwartet, aber so rasch dann doch nicht. Im Umschlag steckt eine Karte, teils ausgestanzt. Eine beliebig genommene Karte, die der Informationsübertragung dient. Die Zeilen enthalten ein paar kurze Erklärungen. Daneben noch einige bedruckte Papiere und ein Buch oder vielleicht ist es auch eine CD.

Ich betrachte den Mantel, der ebenfalls mit im Umschlag war. Ich hatte ihn an die Kleiderstange unter dem Dachfenster – dort in die Nische, die einem Kamin ähnelt, auch wenn es dort keinen gibt – aufgehängt, wohl um die Hände frei zu haben. Als ich den Mantel nun näher betrachte, beschleicht mich ein etwas unheimliches Gefühl… Es ist ein sehr alter Mantel – vielleicht um die hundert Jahre. Eine Regenjacke aus fast gummiartigem, schwarzem Kunstleder. Ursprünglich mit Knebelverschlüssen aus schwerem Metall ausgestattet – jedoch wurden die Knebel entfernt; ja sogar die Öffnungen zum Durchschieben der Knebel sind nicht mehr vorhanden. Das Teil lässt sich nicht mehr verschließen. Das ist sehr seltsam, aber gleichzeitig sehe ich darin einen Hinweis auf eine positive Entwicklung des bisherigen Manteleigners. Der Mantel hat eine üppige Kapuze, die man sich tief ins Gesicht ziehen kann. Erschreckend der rückwärtige Kapuzenbereich. Mitten am Hinterkopf ist ein Streifen herausgetrennt und durch verschiedene Stücke Stoff ersetzt worden. Mir wird ganz mulmig bei dem Gedanken, dass diese Jacke offenbar extra für heimliche Beobachtungen präpariert wurde. Man würde sich die Jacke verkehrt herum anziehen, so dass die hochgeschlagene Kapuze das Gesicht verbirgt. Durch absichtlich gelassene Schlitze im Stoff könnte man so unbemerkt einen Menschen vor sich beobachten, der im Glauben wäre, unbeobachtet zu sein, da die Person vor ihm ja mit dem Rücken, so schaut es zumindest aus, zu ihm steht.

Mir wird ganz unheimlich zumute. Vage dringt eine Merkwürdigkeit in mein Bewusstsein, nämlich dass diese Postsendung heute eigentlich noch gar nicht eintreffen konnte, da diese erst gestern, am späten Abend angekündigt wurde und er es vorher gar nicht wissen konnte. Sonderbar, sehr sonderbar.

Szenenwechsel. Im Wohnraum sind einige Gäste. Wilma, Heini Linkshänder und andere. Ich sitze auf der Couch, hebe beide Füße hoch, damit Wilma meine neuen Schuhe betrachten kann. Es sind schwarz-blaue Skisocken mit flauschiger Verstärkung an Ferse und Fußsohle. Mittels zweier Lederriemen sind so eine Art Spikes am Fuß befestigt, die quasi die Laufsohle bilden. Man braucht ja etwas bei diesem feuchten Wetter und kann nicht direkt mit Socken umherlaufen. Es ist ein sehr neuartiger und ungewöhnlicher Schuh, wie auch Wilma bemerkt. „Die habe ich von Heini Links!“ erzähle ich. Okay, sie sind nicht sonderlich praktisch, aber ich habe das Gewöhnliche so satt.

Nicht lang, da gehe ich wieder hinaus zum Schreibtisch. Mike kommt hinter mir aus dem Wohnraum, geht zur Treppe. Er macht sich auf den Weg ins Büro. Als er die Post von ‘Jemand’ bemerkt, hält er stirnrunzelnd inne. Kurz erkläre ich von dem Vorhaben. Dennoch findet Mike es sehr seltsam, dass aus diesem Anlass gleich ein Mantel geschickt wird. Dieser Mantel ist offenkundig etwas sehr Persönliches und sicher von einiger Bedeutung. Ich erkläre, dass ich den Regenmantel von Heini Linkshänder bekommen habe. Ich glaube im Augenblick tatsächlich, dass es sich so darstellt. Bis mir langsam aufgeht, dass dieser Mantel ja im Briefumschlag war. Aber kann das wirklich sein? Er kann ja gar nicht in den Umschlag gepasst haben! Oder doch? Vielleicht doch, ja. Mike hält es für unwahrscheinlich, ja für unmöglich! Vermutlich hat er Recht. Nur gibt es dann keine Erklärung dafür, warum der Mantel hier ist. Mir wird immer mulmiger mit den Sachen… Mike verlässt das Haus. Ich öffne das Dachfenster nur einen Spalt breit, schaue hinüber zum Parkplatz unter der Platanenallee – spärliches Straßenlaternenlicht, nasser Asphalt, viel Dunkel. Das Heck seines Autos ist zu sehen. Es ist türkis wie das Verdunklungsrollo vor dem Dachfenster. Mike wird hoffentlich vorsichtig fahren. Es könnte glatt sein.

Ich wende mich dem Schreibtisch zu. Genauer gesagt, will ich den Drucker einschalten. Dazu schalte ich versehentlich den alten Rechner ein. Sein lautes Getöse nervt mich sogleich. Nun muss ich allerdings abwarten, bis das Ding endlich hochgefahren ist, um ihn gleich wieder zu beenden. Das ist mir so zu laut. Ich greife unter den Schreibtisch, nehme die Bedienleiste eines anderen Druckers, oder ist es ein Kopierer? Ich betätige einige Tasten, bemerke das Blatt Papier auf der Abdeckplatte des Gerätes. Es erinnert an ‘das schwarze Loch’:

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