Home » Traumtagebuch » Das Hohe Lied und Anime

Das Hohe Lied und Anime

Traum:
Ankunft in der Straßenbahn. Mit Moina an der Hand gehe ich zu Mike und Bine. Die Bahn hält und wir begeben uns zum Ausstieg. Dort sitzt ein ehemaliges Nachbarpaar, womit ich nicht gerechnet hatte. Noch weniger hatte ich allerdings damit gerechnet, dass sie mich nun freundlich und wohlgesonnen ansprechen! Die Frau sagt mit verhaltender Stimme: „Jetzt habe ich aber doch noch Schwimmen gelernt!“ Sie hört sich etwas verlegen an, so als habe sie sich immer ein wenig vor mir geschämt, weil sie keine gute Schwimmerin war. Sonderbar, als Underdog habe ich sie früher nie empfunden. Ihr Mann lächelt mich vergnügt und erleichtert an – sie haben wieder einen Schritt tun können; es tut so gut. Ich freue mich, nicke ihnen zu und sage „Ja, toll!“ Und kurz bevor ich aussteige: „Es ist einfach herrlich, in kühles Nass zu springen und zu schwimmen?!!“

Der weitere Weg führt mich zum Haus der Älteren. Dort am Seiteneingang arbeiten eine Frau – in meinem Alter, aschblondes Lockenhaar, ernst, konzentriert, diszipliniert – und zwei Männer. Es sind Vermessungstechniker, die hier bereits den ganzen Vormittag beschäftigt sind. Die Frau hat ein Funksprechgerät bei sich, aus dem eine krächzende Anfrage kommt: „Geht die Arbeit gut voran?“ Ja, antwortet die Frau, nur leider tobten inzwischen einige Nachbarskinder hier herum. Anfangs sei es so herrlich ruhig und ungestört gewesen. An der Arbeit hindere sie das allerdings nicht.
Ja, der vierzehnjährige Justin springt gerade aus der Tür, drückt sich an uns vorbei und läuft hinaus. Justin war es, der mich einmal fragte, ob eine Frau einen Orgasmus ähnlich wie ein Mann empfinde. Das Nivelliergerät wird gerade auf einen bestimmten Punkt ausgerichtet: der Weg zwischen Justins Elternhaus und dem Haus der „schwimmenden Nachbarn“.

Dann im Bungalow der Älteren. Ich sitze in einem Ruhe- oder Schlafzimmer auf der Kante eines Polstermöbels. Vor mir auf einem flachen Hocker sitzt Sammy. Er wirkt hager, seine schwarzen Haare sind stumpf. Seine Haut ist gelblich und von schwarzen Straßenstaubwolken gepudert. Vor sich auf den Knien liegt ein Taschenbuch aufgeschlagen, in dem er die ganze Zeit liest. Es ist „Das Hohe Lied” der Liebe.
Irgendwann, in unser gemeinsames Schweigen hinein, gibt er leise zu bedenken: „Schmutz gibt’s überall.“
„Ja… vor der eigenen Haustür, und in der eigenen Wohnung“, überlege ich laut. Sammy selbst könnte mal wieder ein Bad gebrauchen, und diese Wohnung hier ist auch nicht gerade aufgeräumt. Ja, Schmutz ist überall.

Ich stehe auf, stelle mich hinter Sammy, der eben gerade sein Buch zugeschlagen hatte. Nun schlägt er es hastig wieder auf, so als wolle er unbedingt beweisen, dass er tatsächlich darin gelesen hatte! Das verstehe ich nicht, denn daran gibt es keinerlei Zweifel. Im Gegenteil, er war total versunken darin. Ich kann nur einen kurzen Blick auf den Buchdeckel erhaschen, sehe nochmals den Titel „Das Hohe Lied“. Das Buch ist aus der alten Rororo-Reihe „Transformation“. Während er es aufschlägt, wundere ich mich, warum er einen Finger wie ein Lesezeichen zwischen die ersten Seiten legt. Es wirkt ein wenig verstohlen, so wie er es macht. Merkwürdig, denn er hatte das Buch inzwischen weit über die Mitte hinaus studiert! Nun ja, vielleicht hat er das Bedürfnis, irgendwas vor mir zu verheimlichen.

Offenbar machte er sich inzwischen noch weitere Gedanken wegen des Drecks, und er scheint etwas entdeckt zu haben. Er springt auf und zieht an der Bettdecke, die dort unten auf dem Schlafplatz der alten Dame liegt. Dort drinnen ist es feucht. Nein, es ist nass! Oh, hatte sie sich im Schlaf eingenässt? Ich befühle es prüfend mit den Fingern, aber da steigt schon der gallige Geruch von Erbrochenem in die Nase. Oje! Fast zeitgleich sehe ich, dass dies bereits das zweite Lager ist, das sie in dieser Nacht aufgeschlagen hatte. Denn ihr eigentlicher Schlafplatz war unbrauchbar geworden: zwischen den Stofffalten sind trübe Pfützen von Erbrochenem zu sehen. Ein sehr dumpfes Gefühl breitet sich in meiner Magengrube aus, denn ich erinnere mich, dass sie unlängst von Herzbeschwerden erzählte. Sie wird ja wohl keinen Herzinfarkt erlitten haben? Oder irre ich mich, und Erbrechen ist keines der Symptome dafür? Allerdings halte ich es für ein sehr schlechtes Zeichen, dass sie uns dies verheimlicht. Das lässt vermuten, dass ihr Zustand viel schlechter ist, als uns bewusst ist. Ich muss unbedingt mit Mike darüber sprechen.

So eile ich den Hausflur entlang und gelange in den Eingangsbereich. Rechts von mir steht die Tür zum Fernsehzimmer offen. Dort sehe ich einen Film laufen. Es ist ein Anime-Softporno. Folgende Szene ist zu sehen: eine sehr junge, schwarzhaarige Frau mit knackrunden Brüsten und strammem Po vergnügt sich in einer gläsernen Badewanne. Ihre glänzenden Augen blicken vergnügt und entrückt, während sie von einem sehr jungen dunkelhaarigen Typen, der einen genauso freudigen Gesichtsausdruck hat, gevögelt wird. Das klare Wasser schwappt vor Lust und Freude; einige dicke Blubberblasen treiben am Wannenrand hoch. Ob Mike dort im Zimmer sitzt und diesen Film anschaut? Da erklingt das Lied von „Au Schwarte!“ und ich drehe mich um. Mike tritt durch die Küchen- oder Kellertür hindurch und schaut fragend, warum ich ihn gerufen habe.

Link: Hohelied, das Lied von der Liebe

Teils ähnlicher Trauminhalt:
Sevenload
Kloß im Bauch

Tags: