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Trauernde am Kai

Traum:
Eine Altstadt an einem großen See. Der Kellner brachte mir gerade die Speisekarte, als das alte Segelschiff am Kai anlegt. Ich springe auf, lasse alles liegen und laufe hin. In wenigen Stunden werde ich abreisen, spüre leisen Abschiedsschmerz. Es wäre so schön, ich könnte noch (einmal?) das Segelschiff sehen!

Als ich ankomme, hat es bereits wieder abgelegt, ist nicht mal mehr zu sehen. Eine eigenartiges Schweigen liegt über diesem Ort. Eine alte Eiche spendet Schatten wie an einem Grab. Das leise Glucksen des Wassers. Rechts von mir eine Stadtmauer aus sandgelben Steinen. Offenbar hat der Wind mit der Kraft seiner nachhaltigen Sanftheit das Schiff gegen die Kaimauer gedrückt, denn diese weist eine bogenförmige Ausbuchtung auf, die es früher an dieser Stelle nicht gab. Drei Säulen, die direkt an der Stadtmauer stehen und nach oben hin einen Halbbogen zum Gewässer bilden, sind ebenfalls betroffen. Das Mauerwerk hat sich verrückt und wirkt wackelig. Ich will ein Stück an der Kaimauer entlanggehen – Abschied nehmen. Es war immer so, dass man über einen winzigen Kanal springen musste, um dorthin zu gelangen. Doch auch dieser Bereich ist betroffen, wurde ausgeweitet. Ich versuche mit meinen Füßen ausreichend Halt für den nötigen Sprung zu finden – vergeblich. Voller Bedauern erkenne ich, dass dieser Weg im Moment nicht möglich ist. Anfangs dachte ich noch, es sei kein wirklicher Schaden entstanden. Vermutlich wird man es doch reparieren müssen, um einen Zusammenbruch zu vermeiden.

Drei Menschen in Trauerkleidung, ich sehe sie nur schemenartig, kommen mir dann von dort entgegen, finden offensichtlich sogar einen Weg über diese Wasserspalte hinweg. Sie zeigen wortlos mit dem Finger auf mich. Ich verstehe das nicht, spüre nur einen sich langsam ausdehnenden Schmerz in meinem traurigen Innern.

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