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Kohlenstaubige Hand

Traum:
Mike und ich sitzen in einem winzigen Raum. Vermutlich ein ehemaliger Büroraum, der heute keine Funktion mehr hat, außer bei Bedarf ein paar Besucher aufzunehmen. Herr Lauhe, mit dem wir zum Vorstellungsgespräch verabredet sind, sitzt im Büro nebenan. Wir warten darauf, endlich aufgerufen zu werden. Vermutlich warten wir schon länger, denn ich werde langsam ungeduldig und trete mangels Platz auf der Stelle herum.

Da öffnet sich die Tür und eine amerikanische Familie zwängt sich zu uns – ein Ehepaar mit ihrer erwachsenen Tochter. Die Tochter ist eine bemerkenswert blasse Erscheinung; bleiche Haut mit blassen Sommersprossen, farblose Lippen, hellblonde Haare. Sie scheint weder Wimpern noch Augenbrauen zu haben. Irgend etwas in ihrem Gesicht lässt vermuten, dass sie eine leichte Behinderung hat.

Endlich öffnet Herr Lauhe die Bürotür. Und was macht diese Familie? Sie gehen sogleich zu Herrn Lau! Dabei wären wir zuerst dran! Es verschlägt mir die Sprache, während ich überlege, dass wir unbedingt darauf aufmerksam machen müssen, dass erst einmal wir an der Reihe sind! Es wäre ungünstig, wenn Herr Lauhe uns durchsetzungsschwach erlebte. Leider kommen wir nicht dazu, das Gegenteil zu beweisen, denn Herr Lauhe bittet die Amerikaner wieder hinaus und ruft uns zu sich.

In mir ist ein ungutes Gefühl als wir sein Büro betreten. Ich stehe noch in der Tür, da reicht er mir die Hand. Ach was, er reicht sie mir gar nicht; er hält sie mir direkt vor die Nase. Die Hand hängt ganz schlaff am Handgelenk. Mit dem Mittelfinger, der übrigens mit einem weißen Pflaster umklebt ist, berührt er fast meine Nasenspitze! Seine Hand und das Pflaster sind wie von Kohlenstaub geschwärzt. So nah vor der Nase… es ist blöd, ich kann sie gar nicht ergreifen um ihn zu begrüßen! Und warum schwärzte er sie? Was will er damit demonstrieren? Es wird immer gewisser, dass dies ein erster Test ist. Ich erinnere mich, dass das Erstgespräch ganz gut verlaufen war. Und nun dies hier… Es läuft denkbar ungünstig.

Ein Blick geht aus dem Fenster lässt mich aufmerken. Dort eilt, forschen Schrittes, die amerikanische Familie vorbei. Sie tragen eine Fernsehkamera und ein großes Mikrofon, das mit einem bemerkenswert flauschigem Sturmschutz überzogen ist, mit sich. Klar, sie treffen die Vorbereitungen für das Vorstellungsgespräch. Dafür haben sie sich eine Art Rollenspiel ausgedacht: sie wollen ein Fernsehinterview mit Herrn Lauhe simulieren. Nun wird mir etwas bewusst, an das ich die ganze Zeit nicht gedacht hatte. Was sind wir blöd!! Es ist doch eigentlich ganz klar, dass hier Kreativität erwartet wird. Und da kommen wir mit unseren verstaubten konventionellen Vorstellungen von einem Vorstellungsgespräch und disqualifizieren uns schon allein dadurch. Unfassbar, wirklich unfassbar! Ich glaube, hier haben wir unsere Chance längst verspielt. (Ziemlich unwohles Gefühl dabei.)

Verwandter Traum:
Die Hand des Affen

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