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Regenbogenleuchten im Hier und Jetzt

Traum:
„Lass mich bitte erst meinen Traum aufschreiben!“, sage ich zu Mike, der seit einigen Minuten auf mich einspricht. Worauf er verwundert meint: „Aber Du schreibst doch gar nicht?!“ Ouuuuuups??! Ja, das stimmt! Tsss, ich habe noch nicht einmal Schreibzeug in den Händen – nanu?
Wo bin ich eigentlich? Es ist eine ofenwarme gemütliche Küche. Frauen sind hier. Ich erzähle meinen letzten Traum. „Es gibt einen Widersacher: listig.de. Das ist ein dunkelhaariger Mann mit einer dunkelroten Clownsnase. Die Bahnfahrt ist lang. Und am Ende darf ich mir Klamotten aussuchen, die von einer Frau verschenkt werden. Sie sind mir aber zu groß. Ja, und dann probiere ich zwei Hüte aus, die mir sehr gefallen. Diese sehen […]“

Zwei Tische stehen in der Küche – ein runder und ein rechteckiger. An einer Wand ist eine Sitzbank angebracht. Stühle. Am eckigen Tisch sitzen Moina und eine unbenennbare weibliche Verwandte. Und meine verstorbene Großmutter, die ich erst später registrieren werde. Ich sitze am runden Tisch. Rechts neben mir meine Mutter – eine Frau meines Alters, sehr schlank und ernst; sie strahlt Spiritualität aus. Vor ihr auf dem Tisch liegt eine Zeitschrift zum Thema ganzheitliche Ernährung. Momentan macht sie einen Ernährungs-Test, in dem es hauptsächlich um die Omega-3-Fettsäuren geht. Voller Ruhe und Gelassenheit kreuzt sie die richtigen Antworten an. Dann steht sie auf. Vor ihr auf dem Tisch liegt ein großer Haufen Salat den sie mit den Händen wendet. Es sieht lecker aus: Knackiger Eisbergsalat mit saftigen Lachsstücken; ummantelt von Joghurtdressing mit Dill.

Moina bekundet Hunger und erinnert mich an meine Suppe – Buttermilchbrotsuppe oder eine Cremesuppe – die leise auf dem alten Herd köchelt. Ich stehe auf, um mit Moina den Tisch zu decken. Meine Großmuter hat sich schon längst eine Suppentasse aus dem Schrank genommen und wischt diese mit ihrem Schürzenzipfel aus. „Sie sind etwas staubig“, murmelt sie. Die einzigen Worte, die sie spricht. Es ist ja auch die alte Suppentasse von dem geerbten Geschirr. „Ich nehme diese Suppentassen nur sehr selten. Es kann gut sein, dass sie staubig sind“, antworte ich. Wortlos bringt sie die alte Suppentasse zurück in den Schrank, um eine neue Tasse zu nehmen. „Aber das ist doch nicht nötig, Du kannst gerne daraus essen!“ reagiere ich. Aber vergeblich, sie hat es sich anders überlegt. Moina sitzt mit baumelnden Beinen auf der Sitzbank und löffelt eine helle Cremesuppe mit Porreestückchen.

Später gehen wir Frauen vor die Tür und schauen hinaus. Der Abend leuchtet in vergehendem Blau. Ooooh!! Dort am Himmel sind zwei oder drei große Regenbogen! Sie sehen ganz besonders aus. Wie tief leuchtende Paragliding-Schirme, die von einigen Sternenlichtern gesäumt und getragen werden. Das ist wundervoll… ich will ein Foto davon machen und stürze ins Haus um die Kamera zu holen. Als ich jedoch zurück bin, sind die Regenbogen schon weiter gezogen und, ihrer Eigenart entsprechend, verflüchtigen sie sich gerade. Von dem farbenprächtigen Leuchten bleibt kaum mehr als ein matter Glanz zurück. Es macht keinen Sinn, die Zeit zu vertrödeln. Lieber schaue ich das, was jetzt in diesem Augenblick ist und erfreue mich daran.

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Buttermilch

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