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Altern und Selbstverletzung

Traum:
Auf dem Weg zum Haupteingang des Frankfurter Bahnhofs. Ich nehme den Weg direkt am Gebäude und komme dabei an zwei mädchenhaft wirkenden Frauen vorbei. Sie sitzen auf Schaukeln, die an langen Seilen am Bahnhofsdach hängen und dabei an Himmelsschaukeln denken lassen. Eine der Frauen streckt ihr Bein aus und tritt mich beim Vorwärtsschwung mit ihren spitzhakigen Pumps. AUA!!
Sie lacht, lehnt sich zurück, hängt sich lässig hinein und schaukelt mit vergnügtem Glucksen weiter. Diese Frau ist etwa so alt wie ich, ihre braunschwarzen Kräuselhaare sind schulterlang, etwas struppig und von erstem Grau durchzogen, das fast etwas aufgepudert wirkt. Die Waden grazil und doch muskulös. Ihr sichtlich straffer und elastischer Körper ist für das mädchenhafte Kleid, das sie trägt, wie geschaffen. Der helle Stoff mit den großen grauen Blumen bildet einen hübschen Kontrast zu ihre milchkaffeebraunen Haut. In ihren schwarzen Augen blitzt es vor Vergnügen. Aber ihr Gesicht… dort hat sich das Alter eingezeichnet. Eine alternde Frau, deren Lebensfreude vermuten lässt, es sei ihr völlig egal, dass das Altern sie gnadenlos ihrer jungen Schönheit beraubte.

Eigentlich sieht sie, ihrem Alter entsprechend – welch Hohn in einer solchen Aussage liegt! -, noch ganz gut aus, aber inzwischen hat sie mir nochmals einen schmerzhaften Tritt mit dem spitzen Absatz verpasst. Durch den heftigen Schmerz, den sie mir böswillig zufügt, stößt mich ihr altes Gesicht immer mehr ab. Sie lacht ungerührt! Ihrem Gesicht ist abzulesen, dass es ihr Freude macht, mich gleich nochmals zu treten. Zornig und autoritär brülle ich: „Lass es sein!!!“ und gehe weiter. Da, wieder ein Tritt in den Hintern. Es ist ein brutaler Schmerz, der tief geht. Dabei war ich fast an den Schaukeln vorbei! Ich drehe mich um, mit angespannten Schultern und geballten Fäusten und schreie: „Verdammt, Du lässt das jetzt sein!!!“ Ihre ganze Haltung, an der sich nichts ändert, weist darauf hin, dass sie so wie bisher weitermachen wird. Ich gerate langsam in Rage und kann nur mit Not einen kreischenden Unterton verhindern, als ich sie nochmals auffordere, mich nicht mehr zu treten. Als auch diese nochmalige Aufforderung nichts bewirkt, steigt ein Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit auf. Ein Gefühl, als wäre ich kurz vor dem Zusammenbruch.

Endlich erreiche ich die Bahnhofsvorhalle und suche die Toilettenräume auf. Ich stehe noch vor den Toiletten und richte meine Klamotten als Carl eintritt. Wir haben uns seit zwei oder drei Jahren nicht mehr gesehen. Wie schön, ihn wiederzusehen! Er umfasst meine Schultern, begrüßt mich und nach einem kurzen Blick in mein Gesicht meint er: „Damals, als Du noch richtig hübsch warst, … … …“ Inzwischen habe ich nach rechts zu den alten Toilettentischchen gegriffen und mir den dort abgelegten alten Nassrasierer genommen. Er liegt schwer in meiner Hand. Mit einem gemurmelten „Du entschuldigst…“ greife ich direkt vor Carl vorbei zur Tür und schiebe sie so weit ran, dass niemand der draußen Vorübergehenden hineinschauen kann. Dann hebe ich meinen kurzen Rock und schiebe den Rasierer in den Slip, um ihn schließlich – mit dem Rasierkopf voran – wie einen Tampon einzuführen. Carl wird es sicher nichts ausmachen, dass ich das in seiner Gegenwart mache. In seinem Alter hat man genug mit Frauen zu tun gehabt, so dass er sich daran nicht stören wird. Der Rasierer ist hart, kalt und sehr lang. Ich bekomme ihn nicht tief genug hinein und der letzte Zentimeter drückt nun am Scheideneingang. Zurück bleibt das anhaltende Gefühl eines kalten medizinischen Eingriffs. Ach ja, nun spricht er so! Er, der anfangs so viel Wert darauf legte mich wissen zu lassen, es gehe ihm nur um meine inneren Werte! Es tut weh…

Nun war ich abgelenkt und habe Carls letzten Worte gar nicht mitbekommen. Inzwischen habe ich mich halb abgewendet, um meine Sachen zu nehmen, die noch auf der Ablage stehen. Carl nimmt mich wieder bei den Schultern, zieht mich etwas näher zu sich. Sein Griff ist sanft und warm – angenehm. Er beteuert: „Du weiß schon, wie ich das meine! Meine Liebe, Du hast so viel gearbeitet, Du hast so viel getan!!“ Damit möchte er jetzt seine Aussage mildern, um mir nicht weh zu tun und um Verständnis zu bekunden. Tief in mir ein Schmerz, der meine Worte in ungeweinten Tränen erstickt und mich sprachlos macht. Ich nicke und bringe ein kleines Lächeln hervor, weiß ich doch zu schätzen, dass er von Herzen gut zu mir ist.

Aus dem Off der Toilettenräume höre ich die Stimme des Traum-online-Administrators: „Ich habe da noch eine Menge Fotos auf Lager. Daraus ließe sich sicher ein animierter Film erstellen.“ Ein Angebot für Carl. Aber Carl lehnt dankend ab. Er selbst habe noch viele Fotos, die er erst einmal verwenden könne.

Notizen:
Da bin ich sicher, hier sind noch viel mehr Momentaufnahmen, die sich aneinanderfügen lassen und hintereinander abgespielt gut erkennen lassen, welcher Film in mir abgeht, sobald kritische Punkte berührt werden.
Dieser Traum macht mir bewusst, dass ein selbstverletzender Film abspult. Zudem brachte mich dieser Traum in Kontakt mit dem schneidenden Schmerz, der dadurch ausgelöst wird, den ich bisher aber erfolgreich aus meiner Wahrnehmung verbannen konnte.

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Den Rock aus diesem Traum trug ich erst kürzlich.
Weiße Mädchen auf Schaukeln

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