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Im Rollstuhl

Traum:
Nach einem langen Weg erreiche ich das Haus des Lichtboten. Cäsar öffnet die Tür und bittet mich ohne Umschweife ins Haus. Ich trete ein, fühle mich aber unbehaglich, denn ich sehe den Lichtboten nicht. Es wäre mir unangenehm, während seiner Abwesenheit, also ohne sein Einverständnis, in sein Haus zu treten. Aber Cäsar sagt, ich solle nur eine Etage höher gehen, dort werde ich ihn finden.
So ist es. Er sitzt mit einigen Männern am Tisch und unterhält sich angeregt. Zwischendurch blickt er grüßend zu mir her. Ich erfahre dann, dass am heutigen Abend ein ungewöhnliches Wetterereignis erwartet wird. Anfangs denke ich, es sei ein Gewitter im Anzug. Aber die Stimmung ist licht und leicht, und es findet eine Korrektur statt. Kein Gewitter, sondern ein ungewöhnlich lang andauerndes Wetterleuchten wird erwartet. Ich stehe so rum, fühle mich etwas fehl am Platz. Den Lichtboten kenne ich kaum, die anderen Männer gar nicht. Als ich weiter in den Raum gehe, sehe ich die großen Panoramafenster im Wohnraum. Der Blick von hier oben geht weit über die Stadt, die in orange-violettes Abendlicht getaucht ist. Ich spüre Weite und ein ganz subtiles Glücksgefühl.

In einem etwas abseits gelegenem Zimmer. Ich schaue aus einem großen Fenster hinunter und sehe, dass ein Mann, den ich im Traum kenne, eine Frau im Rollstuhl über den Hof schiebt. Hey, das ist ja Doris! Meine Schulfreundin, die ich lange nicht mehr sah. Sie nun im Rollstuhl zu sehen, löst eine bedrückende Betroffenheit aus. Was ist geschehen?
Ich bleibe am Fenster stehen und nach einer Weile sehe ich Doris über den Hof gehen. Ihre dunklen Haare sind frisch gewaschen und gekämmt. Deutlich sieht man die Spuren des Kammes im nassen Haar. Vertraut die Sommersprossen auf ihren Wangen. Sie schaut zu mir hinauf. In ihren Augen liegt ein tiefer Ernst, der im Schweigen ihres Blickes versinkt. Ich bemerke nicht, dass sie auf eigenen Beinen geht, wähne sie noch im Rollstuhl und überlege, was sie darüber denken mag, und was sie dabei empfindet, wenn ich wortlos auf sie herabschaue? Eigentlich sollte ich etwas sagen… wenigstens ein Hallo. Aber die Worte sind viel zu tief in mir versunken, als dass auch nur eines den Weg über meine Lippen fände. Mit diesem Schweigen fühle ich mich nicht wohl.

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