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Verlorenes Dings und Dreschflegel

Traum:
Ein angenehmer Sommertag in der Stadt. Mit einem Gefühl der Leichtigkeit trete ich aus einem mehrstöckigen Wohnhaus hinaus auf einen breiten Bürgersteig, der in eine Fußgängerzone – ähnlich Sögestraße – mündet. Es sind viele Menschen unterwegs. Nach rechts schauend, bemerke ich rein zufällig, dass jemand einen Gegenstand verliert. Von diesem Jemand nehme ich nur noch das körperlose Energiefeld wahr, das sich sekundenschnell in einer Seitenstraße verliert. Um welchen Gegenstand es sich handelt, ist aufgrund des Menschengewimmels nicht zu erkennen. Ich gehe hin und sehe, dass sich bereits ein Mann – Typ ‚Gaukler Ede’ – danach bückt und es, nachdem er sich verstohlen umschaute, an sich nimmt.
„Hey!“, rufe ich, strecke mich und hebe meinen Arm „das ist meins!!“ Es ist ein Beutel aus sehr robustem durchsichtigen Plastik. Darin ein Stück Tau mit je einem massiven Karabinerhaken an den Enden. Der Mann umschließt das Fundstück fester, will es mir nicht geben und sagt, es sei nicht meines, denn er habe es verloren. Ich antworte: „Sie wissen sehr genau, dass es nicht Ihnen gehört! Denn es kann Ihnen nicht gehören, weil ich es verloren habe!“ Mir geht dabei durch den Kopf, dass dies verblüffend dreist von mir ist. Schließlich habe ich gesehen, dass es jemand anderer verlor. Aber deswegen weiß ich eben auch ganz sicher, dass es diesem Mann nicht gehört. Er gibt nach und überlässt mir das Teil, das nun angenehm schwer in meiner Hand liegt.

Etwas später bin ich zu Fuß mit Mike unterwegs. Inzwischen erreichen wir den Außenbezirk der Stadt und gelangen in einen weiten Innenhof. Er wird von Wirtschaftsgebäuden und Werkstätten gesäumt. Die Sonne brennt und die Temperaturen sind hochsommerlich. Im Flirren der Mittagshitze herrscht eine herrliche Ruhe und ich sehe drei Handwerksburschen ungestört arbeiten. Sie tragen typische Zimmermannshosen. Einer von ihnen arbeitet mit freiem Oberkörper, und ich sehe die kraftvollen Muskeln. Sie stehen in einer Reihe und dreschen Stroh. Zumindest ist das mein erster Eindruck.
Als wir näherkommen, kann ich es genauer erkennen. Für ihr Arbeitsgerät kenne ich keinen Namen, auch wenn ich es erst einmal als „Dreschflegel“ bezeichnen würde. Von der Form her erinnert es an eine Wünschelrute. Zwei Taue, die sich zu einem Tau vereinen – zu einer Ypsilon-Form also – , an dessen Ende ein großer schwerer Haken hängt. Sie schwingen es weit hinter ihren Kopf, holen Schwung und dreschen es ins Stroh; vielleicht ist es auch Heu. Dabei verfängt sich ein Teil der langen Halme im Haken, aber es ist noch nicht genug. So holen sie erneut aus, so oft, bis der Haken eine ordentliche Menge umfasst, und befördern es dann auf einen großen Heuwagen. Aus Platzgründen führt unser Weg direkt hinter diesen Männern vorbei. Ich halte es für nicht ganz ungefährlich. Denn wie leicht könnte uns einer dieser schweren Haken am Kopf treffen, wenn sie schwungvoll ausholen?! Vorsichtig, den Kopf etwas eingezogen, und wenn nötig ausweichend, schlängeln wir uns an ihnen vorbei.
Dort in der Ecke angekommen, kann ich auch andere Räume und Ebenen der Gebäude sehen. Dort hinten, wo wir durch das weite Tor in den Innenhof traten, ist ein offener Heuboden zu sehen. Und ich meine dort auch einen Handwerksburschen zu sehen, dem eben jenes Teil fehlt – ohne dass ihm das bewusst wäre – das vorhin auf der Straße verloren wurde. Ich dränge Mike, so bald als möglich zu ihm zu gehen, um ihm das Werkzeug zurück zu geben. Es ist zwar blöd, denn dann müssen wir schon wieder an den Dreschflegeln vorbei, aber es ist mir so wichtig, dass der Mann das Verlorene zurück erhält. Er wird es vielleicht schon bald brauchen! Mike findet meine Eile übertrieben; zumal er gar nicht sicher sei, dass dieses Ding dem Mann gehört. Ja, es bereitet ihm sogar etwas Unmut, dass ich in dieser Hinsicht so sicher bin. Es sei schließlich noch lange nicht gesagt, dass es wirklich so ist, wie ich es mir denke. Vielleicht gehört es ihm gar nicht.

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