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Alles Käse

Traum:
Inzwischen habe ich ein ewig langes Bad genommen. Ein Schaumbad mit Roßkastanienextrakt. Mein Körper fühlt sich durch und durch sauber und glatt an. Ich mag das Gefühl, wie der frische Leinenstoff des weiten Nachtgewandes nur hier und da leise meine Haut umstreift.
Der Schlafraum ist hell, weit und in mehrere Kabinen unterteilt, die mittels hellen Tüchern voneinander abgetrennt sind. Ich lege mich auf eine der Pritschen. Helle und Stille. Mit geschlossenen Augen – die Helligkeit dringt durch die Augenlider – liege ich da und rekapituliere noch einmal das Tagesgeschehen. Dabei habe ich ganz klar vor Augen, wie ich nach dem Bad auf einem Stuhl gesessen habe. Mein Blick ging immer wieder gedankenverloren aus dem Fenster, wobei ich wieder und wieder mit der flachen Hand meinen rechten Fuß abstreifte, den ich auf dem linken Knie gelagert hatte. Ich muss wirklich lange gebadet haben, denn die Haut an der Fußsohle ist ganz weiß und durchweicht. Völlig gedankenverloren streife ich meine Handfläche jedes Mal, nachdem ich die glatte Fußsohle entlang gestrichen habe, auf meinen Haaren ab, so als trüge ich ein pflegendes Mittel auf.

Mike kommt und legt sich zu mir auf die Pritsche. Rutscht von hinten an mich heran und ist im Begriff die Arme um mich zu legen. Mit einem Satz springt er wieder aus dem Bett, angewidert wendet er sich ab und geht mit den Worten. „Du (Deine Haare) stinkst ganz furchtbar nach Käse(füße).“ Seine ablehnenden Worte treffen mich wie harte Ohrfeigen. Ich entnehme seinen Worten, dass er vermutet, meine Haare haben diesen ekeligen Geruch angenommen, als ein anderer Mann bei mir im Bett gelegen hat. Ich bin erschrocken, erschüttert, betroffen!! Zwar ist mir unverständlich, wie er glauben kann, ich läge mich mit einem derart stinkenden Mann ins Bett, der einen so nachhaltigen Geruch bei mir hinterlassen könnte. Nur ist das eigentlich unwesentlich, denn… Oh, wie konnte mir so etwas passieren! Das Weiße an den Fußsohlen… es gibt nur eine Erklärung für alles: es wird Käseschmiere (Vernix caseosa) gewesen sein, die ich mir völlig unbeabsichtigt ins Haar gerieben haben. Es ist ganz schrecklich! Mike ist fort und der Schmerz der Trennung trifft mich mit messerscharfer Wucht.

Eine alte Zeitung erscheint vor meinen Augen. Die Seiten sind aus gelblichem Papier; ganz dünn und durchscheinend, so dass der Druck auf der Rückseite nach vorne durchscheint. Der Zeitungsname steht in einem roten Balken an der Oberkante. Als Mike geht, schwinden die Artikel auf der Titelseite bis auf wenige Sätze zurück. Die erste Seite ist nun – bis auf den ersten Absatz – unbedruckt. Dadurch wird der Druck auf der Rückseite noch sichtbarer. Das Titelblatt wirkt also keineswegs unbeschrieben.

Verzweifelt wache ich auf.

Deutungsidee von Mike:
Projektion eigener Trennungswünsche, die hier als starker Drang nach Autonomie und Emanzipation zu verstehen sind. Bekräftigt wird diese Deutungsmöglichkeit durch den Traum Verlust an der Konstablerwache, der wenige Tage zuvor kam, in dem es um Identitätsverlust und die daraus resultierende Aufforderung ging, endlich meinen eigenen Weg zu gehen.

'Barfuss' von Traumzeit Vom Vortag:
Der Anblick einer Packung Bacon mit dem Siegel „Barfuss“ weckte gleichzeitig die Erinnerung an den Bauernhandkäse einer Käserei namens Birkenstock. Wer bei Birkenstock nicht an Sandalen denkt… – bleibt vielleicht von Träumen dieser Art verschont. Oder?

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