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Frau Seltsam mit den scharfen Augen

Traum:
In einem Speiselokal. Der abseits gelegene Raum liegt im Halbdunkel. Am Tisch, mir gegenüber, sitzt eine hübsche, dunkel gekleidete Frau – die ich Frau Seltsam nennen möchte – mit feinen Gesichtszügen. Ihre Augen sind rehbraun. Der Lidstrich auf dem unteren Augenlid ist ganz scharf und klar gezogen. Gespannt hört sie mir zu, als ich davon erzähle, dass ich Zucker traf. Und von ihren zahlreichen Bildern unter den Linden. Von großem Interesse bewegt, beugt sich Frau Seltsam über den Tisch zu mir und fragt: „Sagen Sie mir doch einmal, wo sie zusammentrafen – war es in Berlin, Frankfurt oder Worpswede?“ Ich überlege, dass es in Berlin gewesen sein wird, wenngleich auch Frankfurt ortsempfindlich anklang. Frau Seltsams Blick scheint innerlich zurückzugehen, zu einer Zeit in Berlin… Ihre Stimme klingt sanft und verträumt, als sie sagt: „Hier (in Berlin) habe ich auch einmal gewohnt…“

Notizen:
Das Aussehen der Frau erinnert an „Frau Seltsam“. Gleichzeitig erinnert es mich an den Traum „Leichtathletik“ von Wieland Herzfelde – kürzlich gelesen – , aus dem Buch „Tragigrotesken der Nacht“. Und zwar an folgende Textstellen:

„[…] doch ist es eine Schönheit, welcher Kühle entströmt, neben der die Wangen des Mädchens flammen wie Blumen um eine Marmorurne.
[…]Sie steht mir gegenüber. Ganz in Schwarz gekleidet, doch ich weiß genau, dass dies Schwarz nicht Trauer bedeutet, dass es eigentlich dunkelstes Rot ist. Ihre Augen sind braun. Sie blitzen mich an ‚wie Damaszenerklingen’ (so träumte ich w ö r t l i c h) ‚scharf und schillernd’.

Frau Seltsam weckt auch die Erinnerung an die Oktobus-Frau.

Links:
Zum Traum „Leichtathletik“ – Seite 12, Seite 13 und folgende.
Tragigrotesken der Nacht
Mikes Rezension zu “Tragigrotesken der Nacht”
The International Dada Archive

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