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Nosferatu

Traum II:
Mir wird gezeigt, wie in verschiedenen Teilen des Landes – beispielsweise in Sizilien – mit Unterlassungssündern verfahren wird.

Ganz nah vor meinen Augen das Gesicht einer schuldig gewordenen Person. Sie wird ganz langsam in Brand gesetzt. Einzig an wenigen Haaren der linken Augenbraue wurde sie angezündet. Die Flamme flackert ganz friedlich – wie Kerzenlicht in einer Gruft. Diese Flamme brennt nun schon eine beunruhigend lange Weile, ohne dass sie sich nennenswert vergrößert hätte. Dennoch… wie entsetzlich muss der Schmerz an dieser Stelle sein, wo sich die Glut tiefer und tiefer frisst?! Möchte man sich da nicht wünschen, dass sich das Feuer viel schneller ausbreiten und dem Leid ein baldiges Ende setzen möchte?! Die Flamme wird kaum größer, steht fast ruhig über der finsteren Augenhöhle. Die Augen sind längst vergangen… Die Gesichtshaut schmilzt inzwischen; sieht aus wie eine wachsweiße Talgschicht, die langsam zu zerfließen beginnt. Der Kopf ist mit einer Kapuze wie von einer Mönchskutte bedeckt. Unerträglich langsam und quälend brennt die Flamme und nimmt sich Härchen um Härchen der Augenbraue. Diese Qual scheint noch lange kein Ende zu finden. Inzwischen zerfloss die wächserne Gesichtshülle zu einer Miene stummen Entsetzens. Der lippenlose Mund ist zu einem stummen unendlichen Schrei geöffnet, wie auf dem Gemälde von Edvard Munch. Langsam greift das Grauen nach mir… Schauderlich und geisterhaft hallt eine Stimme aus Äonentiefen zu uns her: NOOOSFERAAATUUU…

Notiz:
Am Vorabend hatten Mike und ich kurz von dem Film Nosferatu gesprochen und waren zu der Überlegung gekommen, dass die typisch westliche Angst und der Ekel vor Ratten durch solche Filmszenen nur noch geschürt werden.
Ratten, so überlegten wir, sind ja Wesen aus dem Schattenreich. Von daher sind Angst und Ekel hier eh nicht fern.

Bei dem Licht kommt mir – trotz des grausigen Anblicks – ein Satz, von Rabindranath Tagore, in den Sinn, der mich schon lange und immer wieder begleitet:
Zünde das Licht die Lampe der Liebe mit Deinem Leben.
Der Vers passt erstaunlich gut zu dem Traum. Doch, welche Rolle spielt hier Nosferatu? (fragt die Blinde. (Will sie wirklich eine Antwort darauf??))

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