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Sonnenaufgangsstuhl

Traum I:
Die Financial Times ist aufgeschlagen – füllt mein Blickfeld aus. Das Papier hat eine Tönung, die an sonnengetrockneten Getreidekaffee denken lässt. Die untere Hälfte der rechten Zeitungsseite zeigt eine große Anzeige. Linksseitig ist ein sogenannter Sonnenaufgangsstuhl abgebildet. Ein solcher Stuhl wird auch Ottomane genannt – ist also vom Namen des Designers Otto Modersohn abgeleitet. Die Sitzfläche zeigt sich nahezu halbmondförmig nach unten gewölbt. Ebenso die Form der Rückenlehne. Im Bereich der rechten Armlehne befindet sich eine dicke Holzrolle. Dort kann man seinen Nacken abstützen, während man den Sonnenaufgang betrachtet. Das linke Seitenteil besteht aus einigen zierlichen Holzstreben. Sie haben ja auch keine sonderlich tragende Funktion, so überlege ich.

Im oberen Bereich der Anzeige ist eine Reihe von runden Gartentischchen – vielleicht vier an der Zahl – abgebildet, zu denen jeweils vier Stühle gehören. Stuhl- und Tischgestelle sind aus Bambusrohr, die Tisch- und Sitzflächen sind aus einem strohfarbenem Bastgeflecht gefertigt. Vermutlich trägt diese Möbelserie den Namen „Panama“. Diese Assoziation lässt vage die nostalgische Gestalt eines Amerikaners mit Zigarre auftauchen.

Ganz unten rechts ist ein getreidefarbener Sarg abgebildet, der an Dracula denken lässt. Auf dem Sargdeckel ist ein Kreuz eingearbeitet. Ebenso möglich wäre aber auch, dass es sich bei dem Zeichen lediglich um ein stilisiertes Getreidebündel handelt, das von der Form her einem Kreuz ähnelt. Wie auch immer… Dieser Sarg ist das Signum des Bestattungsunternehmens ‚Franzke und Hostie’. Muss ich noch erwähnen, dass Designer und Bestattungsunternehmen ein und dasselbe sind? Nein, ich glaube nicht.

Notiz:
Interessant, und gerade erst (wieder-)entdeckt, finde ich das Monogramm auf dem Buchdeckel der deutschen Erstausgabe von Gitanjali. Es ähnelt von der Form her dem Signum auf dem Traumsarg.

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