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Angriffslust und Liebe

- Die Leuchterglocke von Rom -

Traum:
Ankunft in Rom. Wir verlassen den Bahnsteig durch eine Unterführung. Unter uns befindet sich ein breitschultriger großer Mann mit schwarzen Haaren (Typ Gorilla/Arnold Schwarzenegger; herbe Gesichtszüge, feines Hautbild, gewelltes Haar, markantes Kinn). Er fühlt sich von einer Reisenden angegriffen. Seine Nasenflügel beben vor unterdrückter Wut, als er sie mühsam beherrscht fragt: „Welches Problem haben Sie mit mir? Oder warum schauen Sie mich so böse an?“
Wir versuchen ihn zu beruhigen, ehe er handgreiflich wird. Niemand wollte etwas von ihm, niemand hat etwas gegen ihn. Er wäre uns ja noch nicht einmal aufgefallen.

Auf dem Weg treffen ich Claus. Seine Frau hat ein Kostümjäckchen – ein abgelegtes mütterliches Kleidungsstück – für mich gekürzt. Es ist ein edles Teil aus weichem Wollgewebe mit einem weichen Pelzrand an den Säumen. Es passt mir nun wunderbar! Claus erklärt mir detailliert, auf welche Weise sie es kürzte. Vor meinem Auge sehe ich den Vorgang. Es wird nicht einfach unten etwas abgeschnitten, sondern der Schnitt wird im mittleren Bereich zusammengerafft; und so fort. Früher habe ich sehr viel genäht und ich kenne mich damit aus. Dennoch unterbreche ich Claus nicht. Sage nichts davon, dass ich den Vorgang kenne. Claus freut sich so darüber, es mir erklären zu können.

Mike und ich nehmen in einer Bahnhofs- oder Abflugshalle Platz. Mit diesem Raum geht die Reise weiter. Wenige Meter entfernt bemerke ich den Gorilla-Mann. Mit einem Male springt er auf und kommt mit geballten Fäusten und schnaubender Nase auf uns zu. Aufgebracht fragt er, was Mike gegen seinen blauen Regenschirm habe! Der Regenschirm liegt halb auseinander gefaltet auf der Sitzbank im Fahrgastabteil. Mike hatte weder diesen Mann noch den Schirm bemerkt – er war gedanklich mit ganz anderen Dingen beschäftigt gewesen. Ehe der Gorilla-Mann handgreiflich wird, trete ich ihm entgegen und erkläre ihm, dass niemand etwas gegen ihn hat! Er antwortet darauf ziemlich aufgebracht, wobei sich seine Zähne und seine kräftigen Kiefer entblößen. Der Kieferbereich ist rundum mit grünen Kunststoffplättchen verstärkt. Jeder seiner kräftigen Zähne bekommt somit noch zusätzlichen Halt im Kiefer. Grimmig mahlen seine Backenzähne. Mit einem Male spüre ich den starken Drang, ihn in die Arme zu nehmen. Ein liebevolles Gefühl durchflutet mein Herz. Sanft umarme ich ihn, woraufhin er sich spürbar entspannt und ganz weich wird. Als Mike dies bemerkt, kommt auch er mit offenen Armen auf ihn zu und umarmt ihn mit tränenfeuchten Augen, so als habe er nach langer Zeit einen Freund (wieder-)gefunden. Während der Umarmung wittert der Gorilla-Mann den weiblich-mütterlichen Duft, der dem gekürzten Kostümjäckchen anhaftete. Da Mike das Kleidungsstück kurz in die Hände nahm, umgibt auch ihn noch ein Hauch dieses Geruchs, ohne dass er es gemerkt hätte. Für den Gorilla-Mann scheint aber dieser Duft ein Auslöser zu sein, denn nun erwidert er die Umarmung voller Freude und Herzlichkeit und sagt mit kehligem Auflachen zu Mike: „Dabei könnte ich jetzt glatt schwul werden.“ Freude und Erleichterung in uns allen.

Wir verlassen das Gebäude und gehen zu einem großen alten Turm mit einer Glocke. Genau betrachtet ist es keine Glocke, sondern eher ein riesiger Decken-Kerzenleuchter von etwa 7 m Durchmesser. Ein Eisenkranz mit einer Halterung in der Mitte. Bereits vorhin waren Moina und ich damit gefahren. Es ist eine Attraktion der Stadt. Die Fahrgäste setzen sich auf den Außenrand und versuchen mit den Füßen ein wenig Halt im Mittelteil zu finden. Das Gestell wird dann in Drehung und Schwingung versetzt, so dass es wild kreiselt. Gleichzeitig wird es langsam im Turm hinaufgezogen. Jetzt sitze ich wieder drin und die Fahrt geht langsam los. Eigentlich möchte ich doch gar nicht mitfahren – für mich ist das kein Vergnügen! Mit den Füßen konnten ich keinen echten Halt finden. Denn das Mittelteil enthielt einige Angelhaken, an denen man sich nur verletzten würde, wenn man ausreichend Halt suchte. Ich versuche den Ausstieg.

Bald darauf stehen Mike, Moina und ich auf der Plattform der alten Burg. Nur wenig entfernt die Spitze des Glockenturmes. Die Leuchtergondel erreichte inzwischen fast den höchsten Punkt. Unter dem Turmdach befinden sich rundum schmale Fenster und gewähren Einblick. Es sind alte, doppelglasige Fenster. Eines der Fenster ist einseitig eingeschlagen. Der Blick in den Turm zeigt absolute Dunkelheit. Mike sagt: „Schau, die Glocke verschluckt das Dunkel!“
Der Satz irritiert mich etwas, denn müsste es nicht anders heißen? Nämlich: „Das Dunkel verschluckt die Glocke?“

Hinter mir Bewegung und ich schaue mich um. Am Rande der Plattform eine steinerne Treppe. Die Rosi-Mutter kommt dort hinauf. Sie trägt das pelzumsäumte Kostümjäckchen. Ihre blonde Tochter hat sie dabei. Kaum oben angekommen, schauen sie zu dem Ereignis hinüber. Ob das Ereignis der Gorilla-Mann oder die Glocke im Turm ist, das kann ich nicht sagen. Die behinderte Tochter zeigt sich jedenfalls total begeistert, was die Rosi-Mutter zu Tränen vor Glück rührt. Auch mich berührt das Geschehen zutiefst.

Notiz:
Die eingeschlagene Fensterscheibe erinnert an ein Fenster, dass ich von einem Parkplatz aus gesehen hatte. Das war auf einem Gelände in Capo d’Enfola, in der Ruine einer Thunfischfangstelle.

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