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Fragwürdige Gesichtsplastiken

Traum:
In diesem Augenblick soll ich mir etwas anschauen, was in der Allgemeinheit bereits Fassungslosigkeit und Unglauben ausgelöste. Ein Film wird vorgeführt; eine amerikanische Dokumentation. Es werden Kinder in einem amerikanischen Krankenhaus gezeigt, die durch ein angeborenes Krebsleiden einen Teil ihrer Gesichtsknochen und deren angrenzende Gewebe einbüßten. Stets ist der Augenbereich davon betroffen. Mit Hilfe einer neuartigen Form der plastischen Chirurgie sollen nun die zerstörten und zerklüfteten Gesichtsbereiche ausgeglichen werden. Erst einmal macht das alles einen vernünftigen Eindruck. Mit Hilfe von Abdrücken werden individuelle Maskenteile hergestellt, die dann in das Gesicht verpflanzt werden, auf dass sie später mit dem natürlichen Gewebe zusammenwachsen.

Diese Methode wird nun an einem Mädchen demonstriert. Erste Vorbereitungen wurden bereits getroffen. Das ihr zuvor fehlende Auge wurde eingesetzt und es konnte zwischenzeitlich zum Leben erweckt werden. Allerdings hängt das Auge fast lose inmitten der fleischigen Höhle. Das extra für dieses Mädchen hergestellte Maskenteil wird nun dort eingesetzt. Eine Visagistin/Krankenschwester rückt das Teil ein paar Mal hin und her, bis es richtig sitzt und beginnt dann, es mit dem Haaransatz zu verbinden, indem sie dicke rote Wollfäden durch die Perforation in der Stirnmaske verknüpft. Anschließend schneidet sie die Fäden auf eine Länge – also zu einer Ponyfrisur. Währenddessen sehe ich den Hinterkopf der Krankenschwester. Sie trägt eine auffällige Frisur. In wilden Durcheinander band sie sich ihre recht kurzen Haare zu unzähligen Zöpfchen, die sie mit roten Wollfäden fixierte. Aber dann geht mein Blick zurück zu dem Mädchen. Ist es nicht einfach verwerflich, einem Menschenkind Wollhaare einzuknüpfen, die zweifelsohne nach wolligen Puppenhaaren ausschauen? So gut der Grundgedanke sein mag, so finde ich die Umsetzung völlig daneben; geradezu entsetzlich! Das Gesicht des Mädchens, ja der ganze Kopf schaut inzwischen wie ein großer Puppenkopf aus. Ich spüre Ablehnung; der Anblick ist total unangenehm.

Aber dann merke ich, wie glücklich das Mädchen ist!! Ihre Körperhaltung, ihre Bewegungen… wie sie sich im Spiegel betrachtet und sich – zum ersten Mal in ihrem Leben!! – wirklich schön findet, weil sie nicht mehr schrecklich entstellt ausschaut, lassen mich meine Ablehnung der Methode in Frage stellen. Wenn dieses Mädchen jetzt doch total glücklich ist, wenn es ein so wunderbares Erlebnis ist, endlich ein ganzes Gesicht zu haben… Ja, wenn das alles so ist, sollte man dann diese Form der Behandlung wirklich verhindern? Hat ein Mädchen nach all den Leidensjahren nicht wenigstens dieses Glück verdient? Sollte man diese Methode verhindern? Ich bin voller Zweifel – hin und her gerissen. Dann aber ziehen die Beine des Mädchens den Blick auf sich. Sie verjüngen sich derart nach unten hin, dass von den Zehen ihrer winzigen Füße kaum mehr als ein Strich übrig bleibt. Mir wird unwohl – der Anblick ist wie ein weiterer Schlag in die Magengrube.

Links:
Silikonkopf in menschlicher Größe
Forscher entwickeln neue Methode für Gesichtsprothesen (03.07.2007)

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