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Feuerholz

Am Morgen zog ein riesiger Schwarm Träume durch den Schlaf. Nur wenige Traumfischlein zappeln nun im Netz meiner Erinnerungen und warten darauf, nach eingehender Betrachtung zurück ins Meer zu schwimmen:

In der Küche einer urigen Holzfällerhütte. Mein Mann und ich besuchen hier alte Freunde im Bayrischen Wald. Der Naturverbundene aus dem Odenwald gehört auch zur Familie und hat inzwischen einen Haufen Brennholz ins Haus geholt. Unterdessen schlug er einen Großteil davon in feine handliche Scheite und stapelte es säuberlich. Das ist eine beträchtliche Menge. Er hält inne, schaut mich skeptisch an und fragt, ob mein Mann tatsächlich so viel Brennholz haben wolle!
Ganz genau weiß ich das nicht, aber wenn er es sagte, dann wird er es auch nehmen. Wobei ich überlege, wo er es verfeuern will. Wir haben weder Ofen noch Kamin noch eine andere Feuerstelle. Aber vielleicht hat er etwas in dieser Richtung geplant?
Der Odenwälder zuckt seine hageren, kraftvollen Schultern und setzt die Arbeit fort.

Immer noch auf die Rückkehr meines Mannes wartend, stehe ich mit Hendrik und Anne an einer Reihe von U-Bahnfenstern, die eine Küchenwand säumen. Durch die feucht beschlagenen Fensterscheiben nehme ich das Dunkel der Nacht wahr. Die dicken und feinen Tropfen, klamm und kühl, lassen den Blick vertröpfeln. Diese Feuchte löste inzwischen sämtliche Aufkleber von den Fenstern. Es sind sicher um die fünfzig Stück an den Scheiben verteilt; sehr schmale, transparente Aufkleber mit einem schwarzen Telefonsymbol. Dahinter ausreichend Platz zum Notieren einer Telefonnummer. Allerdings wurden nie diese Notizen gemacht; nicht ein einziger ist beschrieben. Vielleicht war die Aufkleber vor langer Zeit für die Platzreservierungen vorgesehen. Hier und da finden sich auch ähnlich ausschauende Hinweisschildchen dazwischen. Nachdem ich den Anfang machte, beginnen auch Hendrik und Anne die locker aufliegenden Aufkleber von der nassen Scheibe zu nehmen.

Mein Ex-Mann sitzt am Steuer des dunklen Mercedes. Wir fahren durch die Nacht. Die Straße ist kurvenreich. Stellenweise liegt noch fester Schneematsch auf der Fahrbahn. Ebenso ist ein Teil der Windschutzscheibe mit einer eismatschigen Schicht belegt. Der Wagen tänzelt ein wenig. Schnell wische ich mit der Handkante die Windschutzscheibe frei. Ich wundere mich dabei ein wenig, dass ein Teil des Eises von innen zu beseitigen ist. Mein Ex-Mann sagt, die Situation sei nicht so günstig. Er könne nicht mit Sicherheit sagen, ob wir unversehrt ankommen.
Das ist schlecht! Warum habe ich mich dazu verleiten lassen, mich in dieses Auto zu setzen? Es gab doch gar keinen Grund dafür? Das wäre ja ziemlich beschissen, wenn ich ausgerechnet in einer Situation, in die ich mich ganz ohne bewusste Absicht begeben habe, zu Tode käme!! Sollte ich nicht besser aussteigen? Aber hier, mitten im Nichts? Vielleicht geht ja doch alles gut?!

Beunruhigt stehen Hendrik, Anne und ich in der Holzfällerküche beisammen und warten auf die Rückkehr meines Ex-Mannes, der vor einigen Stunden in die Kreisstadt gefahren war. Eigentlich hätte er längst zurück sein müssen. In der Ferne, im Dunkel, schlagen Flammen hoch – kaum erkennbar. Wir sind sehr besorgt, ob es einen Unfall gab; einen Autounfall oder einen Feuerunfall. Hoffentlich wurde er nicht verletzt!

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