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Bilderleben

Traum:
Im Halbdunkel. Mit den Worten „Hier ist die Kleidung von dem großen Jungen“ wird ein großer graublauer Abfallsack geöffnet. Darin steckt ein Toter. Es ist blonder Hüne, sicher 2,20 m groß, mit struppigem strohblonden Haaren. Er ist das Opfer einer Gewalttat. Als seine Jeans aus dem Sack gezogen wird, breitet sich ein beißender Geruch aus. Während der Tod eintrat, entspannte sich seine Blasenmuskulatur; die Hose wurde mit dem Urin getränkt. Sein Strickpullover wird herausgezogen… auch dieser ist nass und riecht nachdrücklich. Alles so abgedichtet im Beutel verpackt, bildete sich diese intensiv riechende Verwesungsflüssigkeit im Sack. Ehrlich gesagt, es ist ein unbeschreiblicher Gestank.

Im nächsten Augenblick ist es so, als öffne ich ganz neu meine Augen. Ich stehe in der Haustür des älteren Hauses, blicke auf den Vorplatz. Zwei angeheiratete Verwandte meiner neuen Familie kommen zu Besuch. Noch auf dem Weg zur Tür öffnet die junge Frau ein graublaues Kaufhof-Plastiktütchen und sagt: „Wir haben was für unseren großen Jungen mitgebracht!“ Der „große Junge“, das ist mein Sohn, der gerade drei Jahre alt wurde. Die Frau zieht einen farbenfroh gestrickten Pulli und eine passende Strickhose aus der Tüte. Ah, ich erkenne diese Kleidung sofort wieder. Es ist sicherlich schon ein halbes Jahr her, dass Rieke ihm dies schenken wollte. Aber sie hatte es wieder und wieder vergessen. Erst jetzt fiel es ihr wieder ein. Gerade noch rechtzeitig! Bald wären die Sachen zu klein. Ich freue mich über diese schöne Kinderkleidung.

Nachdem die beiden Verwandten ihre Sachen im Flur abgelegt haben, möchte ich ihnen die Hand zur Begrüßung reichen. Es ist etwas unangenehm, dass sich diese Möglichkeit nicht nebenbei ergeben will. Mehrmals zuckte meine Hand bereits vor, nur um sich etwas beschämt und unauffällig wieder zurückzuziehen, da mein Gegenüber nichts in dieser Richtung unternimmt. Naja, man muss sich ja auch nicht per Handschlag oder Umarmung begrüßen. Aber es mutet mich langsam merkwürdig an, dass sie mich noch nicht einmal anschauen, so als würden sie mich gar nicht bemerken. Okay, vermutlich ist es in dieser Familie gar nicht üblich, sich zu begrüßen.

Wir sitzen dann im älteren Wohnzimmer an einem Tisch. Rechts neben mir, auf der Couch, der junge Ehemann. Links von mir, auf einer anderen Couch, die junge Ehefrau. Auf dem Tisch liegt eine offene Spieleschachtel. Das Spielmaterial liegt ausgepackt daneben. Ich nehme den Deckel der Schachtel, um sie näher zu betrachten. Jedes Seitenteil zeigt eine wunderschöne Naturaufnahme. Bei diesem lehrreichen Spiel geht es um Emotionen. Dieses Seitenteil beispielsweise: es zeigt eine sanfte geschwungene Bergkette in der Ferne, davor einzelne Bäume, Gräser und Felder. Es ist alles gut zu erkennen, denn ein großer bleicher Vollmond bescheint die Landschaft. Darunter steht als Merksatz gedruckt: ‚wahrgenommene Aggressionen’
Hey, das ist ja toll! Landschaftsaufnahmen stellen die unterschiedlichen Gemütsbewegungen dar! Neugierig betrachte ich die nächste Seitenkante: Wieder die gleiche Landschaft mit der Bergkette, aber dieses Mal ohne Mondlicht! Dadurch lässt sich kaum etwas erkennen. Nur mehr der Himmel jenseits des Berges zeigt sein prächtiges Leuchten von Gelb bis hin zu dunklem Orange. Der Berg liegt im Dunkel und alles, was davor liegt, auch. Der Merksatz dazu: ‚nicht wahrgenommene Aggressionen’.
Das ist ein interessantes Spiel und ich bin jetzt schon gespannt, welche Bilder es noch geben wird! Vermutlich geht es darum, Bilder von bewussten und unbewussten Regungen zu betrachten, und diese in ihren jeweiligen Wahrnehmungen bildhaft kennenzulernen.

Noch während ich den Deckel der Spieleschachtel zurück auf den Tisch lege, lenkt die junge Frau meine Aufmerksamkeit auf sich, als sie angestrengt horchend in ihren Bewegungen innehält und flüsternd fragt: „Ist da was??“
Auch ich lausche angestrengt zum Flur hin, höre aber nichts Nennenswertes.
„Da ist doch jemand?!!“, beharrt die Frau; sie ist sicher, einen Eindringling zu hören.
Klar, es sind Geräusche zu hören, aber sie lassen doch nicht mit Gewissheit darauf schließen, dass sich jemand unrechtmäßig im Haus aufhält. 'Fischpuzzle' von Traumzeit
Ich zucke mit den Schultern; nein ich höre nichts Bedrohliches.

Auf dem Tisch liegen einige „Fische“. Es sind Fischformen, die aus einer kartonierten Landschaftsaufnahme ausgestanzt wurden. So erinnern sie ein wenig an Puzzleteile. Die Fische zeigen einen unterschiedlichen Bildausschnitt wie beispielsweise vom Vollmond, vom Berg, von den Gräsern und so fort. Allen Fischen gemeinsam ist eine wellenartige Prägung. Die Bedeutung der Fische bei diesem Spiel erschließt sich mir bis jetzt noch nicht.

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