Home » Traumtagebuch » Die Verflüchtigung

Die Verflüchtigung

Traum:
In einem Seminarhaus findet ein Treffen mit etwa zwanzig Leuten statt. Wir sitzen auf Stühlen im „Kreis“. Irgendwann kommt unerwartet der Geweyhte hinzu. Wir haben uns längere Zeit nicht mehr gesehen.
Irgendwann bemerke ich, dass er immerfort zu mir herüber schaut. Ganz ernst, interessiert und wohlwollend ist sein Blick, und ich erfahre ein durchdringendes Gefühl der Wärme. Es ist das erste Mal, dass er mich wirklich zu bemerken scheint. Bisher war mein Eindruck, dass er mich kaum wahrnimmt. Ich stelle fest, dass ich mich unter diesem Blick gar nicht unwohl fühle. Er verunsichert mich nicht, so wie es sonst oft der Fall ist. In Abständen stehe ich immer wieder auf und versorge die Gäste mit Snacks und Getränken, wobei ich nicht aus den Augen gelassen werden. Auch während verschiedener Gespräche mit Einzelnen bleibt das so. Manchmal lächelt er leise über das, was ich gesagt habe.

Nach einiger Zeit ergibt es sich, dass die Leiterin des kreativen Hauses allen mitteilt, sie wolle gerne einige Bücher verkaufen, um Platz zu schaffen. Ja, ich erinnere mich, dass sie bereits vor Wochen oder Monaten – während eines Sternkreises – auf die Bücher hinwies. Schon damals hatte ich sie mir voller Interesse angesehen, aber der damalige Preis – er lag zwischen 20 und 40 Euro pro Buch – war mir zu hoch gewesen. So viel hatte ich nicht übrig, um mir außer der Reihe Bücher zu kaufen. Als die Frau heute erwähnt, sie wolle 50 Cent je Buch haben, gehe ich in die Bücherecke und sehe im Halbdunkel, dass noch alle Bücher da sind, für die ich mich interessiere. Einige Bücher über Ayurveda, und ich entdecke noch einen Schuber mit zehn Bänden über Heilpflanzen und ein Buch mit einem indischen Titel. Ich versuche den Titel zu entziffern, sehe aber nur einen Teil der Buchstaben: „Vasj…“ Ein paar Bücher möchte ich nehmen, bin mir aber nicht mehr sicher, ob sie wirklich 50 Cent sagte. Falls sie nun doch noch 20 bis 40 Euro dafür haben will, wäre es mir sehr peinlich, vom Kauf zurücktreten zu müssen.

Aufbruchstimmung. Alle sind gegangen, nur noch der Geweyhte und seine Begleiterin hantieren an ihren Plätzen, suchen ihre Sachen zusammen. Der Geweyhte schaut nun wie ein ganz anderer Mann aus, was ich ganz selbstverständlich hinnehme, und was mich überhaupt nicht wundert. Es ist so, dass wir uns völlig Fremde sind. Das Gefühl der Wärme und Nähe gibt es nicht. Was aber keinen Verlust bedeutet und somit auch nicht schmerzt, da ich die Wandlung im Traum nicht erkenne. Es ist so unspektakulär wie es sein stilles Lächeln gewesen war. Dadurch, dass er sich völlig gewandelt zeigt, ist alles wieder vergessen – der Zauber der stillen Augenblicke… verflüchtigte sich offenbar mit ihm.

Tags: