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Männliche Leiche am Hexenwald

Traum:
Thommy (5) und Larissa (5) spielten zusammen. Er ist bei der Familie zum Übernachten eingeladen, und am Abend darf er sich am Waschbecken der Familie waschen. Ich halte mich in den etwas abgelegenen Nebenräumen auf, um einen unerwünschten Kontakt mit Larissas Eltern zu vermeiden.

Zu den Nebenräumen gehört ein kleines Bad, das ich nutzen darf. Thommy (17) eilt mit feuchten Lappen und Tuch herbei und reinigt es für mich. Eigentlich wäre es mein Job, das zu tun, aber Thommy grinst breit dazu. Ist doch okay, meint er, wenn er es schnell erledige – alles kein Problem. Thommy teilt mir mit, ich dürfe durchaus auch das Familienbecken nutzen. Dieses Angebot überrascht mich etwas. Zwar würde ich es gerne annehmen, da das Familienbad komfortabler ist, aber mein Bademantel ist sehr kurz, und ich trage nichts drunter. Eine Überlegung wäre, mir ein Saunalaken um die Hüfte zu knoten. So könnte ich mich dort blicken lassen. Aber… ach nee.

Wir – Carl, sein Vorgesetzter und ich – warten in mondhellem Dunkel. Vor dm Versicherungsbüro mit großer Schaufensterscheibe befinden sich einige Sitzplätze. Bisher konnte man nicht in das Büro hineinsehen, denn die Scheibe ist flächendeckend mit einem Plakat beklebt. Ein weißes Plakat mit schwarzer Schrift. Mit einem Male wird es wie von Geisterhand in heruntergefegt. Diese Energie mutet etwas gespenstisch an. Nur hartnäckige Überbleibsel bleiben auf dem Glas kleben. 100% und Cool ist auf den verbliebenen Papierfetzen zu lesen. Das Versicherungsunternehmen ließ an diesem Ort übrigens auch Flyer mit gleichem Inhalt verteilen.
Die Scheiben gewähren nun einen Blick in den fast völlig geräumten Büroraum. Carl ist als Vertreter der Versicherung beschäftigt und arbeitet täglich darin. Das Plakat klebte gegen sein Wünschen und Wollen an der großen Fensterscheibe. So ist er erschrocken und zufrieden zugleich, als die Scheibe mit einem Male Einblick gewährt. Während dieser Szene sitzt der Vorgesetzte auf einer der Bänke. Er ist gekommen, um etwas mit Carl zu besprechen.
Ich sollte jetzt eigentlich nicht mehr hier sein, sondern einige Vorbereitungen zur bevorstehenden Leichensuche treffen.

Es war reiner Zufall, dass wir auf die geheim gehaltene Leiche aufmerksam wurden, die vermutlich nahe beim Hexenwald vergraben liegt. Thommy (5) und Larissa (5) entdeckten während eines Spiels einige Zeichen und Hinweise, die diese Vermutung fast sicher machen. Ich muss, ehe wir uns auf den Weg dorthin machen, noch andere Schuhe anziehen. Derzeit trage ich hellblaue Riemchensandalen mit hohem Absatz, die für diese Aktion kaum geeignet sind. Vor Augen habe ich meine hellbraunen Walkingschuhe. Wegen ihrer Optik trage ich sie nicht gern, aber für diesen Zweck sind sie bestens geeignet.

In einem Wohnraum. Larissa (12) und ich bauen kleine Anlagen zum Fangen der Wühlmäuse. Es sind wellenartig gebogene Kunststoffgitter (wenige Zentimeter hoch), die sich aneinander stecken lassen. Ich sehe, dass Larissa diese an der schmalen Kante aneinander steckt, wodurch sie viel schneller voran kommt. steckte bisher die Teile hochkant zusammen. Das dauert länger, aber am Ende ergibt das einen höheren Fangbereich. Mir ist allerdings klar, dass Larissa es richtig macht. Trotzdem wäre es denkbar, dass auch meine Variante gut zu gebrauchen ist. Inmitten der gebauten Gitter, neben Larissa, steht eine flache Schale aus Jenaer Glas. Ich habe einen Glasdeckel, probiere ihn aus… Zwar ist es ein runder Deckel zu der eher viereckigen Schale, aber ganz überraschend passt es zusammen. So stehen uns nun einige gute Fanggeräte zur Verfügung. Die Wühlmäuse stehen übrigens in engem Zusammenhang mit der Männerleiche. Fangen wir die Mäuse ein, so fangen wir dadurch auch den toten Männerkörper. Die Wühlmäuse muten schattenartig an. Wie geisterhafte Schemen huschen sie unberechenbar vorüber. Das ist beunruhigend und ein wenig bedrohlich.

Noch während ich meine Walkingschuhe anziehe, überqueren wir in mondheller Nacht die Wiese in Richtung Hexenwald. Wir gehen unauffällig und leise, um nicht auf uns aufmerksam zu machen. Unter dem Grasboden liegen wahrscheinlich noch mehr Leichen, die wir nicht wecken sollten. Würden sie uns bemerken, könnten sie uns so manche Falle stellen oder uns umzingeln. Wir würden ihre unwirklichen Fratzen sehen und sie würden mit langen Fingern, die wie irrlichte Bänder flattern, nach uns greifen. Eine sehr ungemütliche Vorstellung. Zum gleichen Zeitpunkt haben wir die Stelle erreicht, wo die Männerleiche unter der Erde liegt. Kurz habe ich ein vages Bild der Leiche vor Augen: Ein Mann in meinem Alter, in dunklem Anzug mit hellem Oberhemd liegt dort in der Erde wie in einem Sarg. Seine Hände liegen gefaltet.

Die dunkle Walderde ist hier staubig und trocken. Sonderbar, es sieht so aus, als seien mit einem Aststück Zeichen und Symbole in die staubige und lockere Erde gedrückt worden. Drei runde Vertiefungen fallen besonders auf. Sie erinnern an ein Blindenabzeichen. Vermutlich liegt der tote Mann darunter. Der Boden ist so locker, dass wir mit den Händen graben können. In dieser Szene bleibt der Traum hängen und wiederholt sich wie eine gesprungene Schallplatte.

An diesem Punkt gelange ich unweigerlich zurück in das Haus vom Traumanfang. Dort finde ich mich in einer alten Toilette wieder, die lange Zeit nicht genutzt wurde. Durch ein gekipptes Fenster unter der Zimmerdecke schaut das Dunkel der Nacht. Der Fußboden ist ein Mosaik aus winzigen braungelben Fliesen. Mit einem Male, völlig geräuschlos, weht ein geisterhafter Wind herein, und bläst die Staubflusen und dunklen Sandkörner zu einem spiralförmigen Strudel, fegt sie quer durch den kleinen Raum. Ein Raum von dreieckigem Grundriss mit gerundeten Zimmerecken. Dieser abgelegene Ort gehört zu meinem Zuständigkeitsbereich. Ist es ein Wunder, dass ich davon nichts wusste oder ahnte? Es ist offenkundig, dass dies lange Zeit vernachlässigt wurde. Thommy (22) meint, es sei nicht schlimm – niemand habe es bisher bemerkt (wer weiß auch schon von diesem Raum??) – und es sei ganz schnell bereinigt. Es sei alles lockerer Staub, nichts davon sei hartnäckig oder anhaftend. Thommys lockere und verschmitzte Art tut mir in dieser Situation besonders so gut.

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