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Erfolglos

Traum:
Am heutigen Abend lese ich selbst verfasste Lyrik vor einem kleinen Publikum vor. Im Anschluss werden die Anwesenden Gelegenheit haben, das Büchlein zu bestellen, aus dem ich vorlese. Aus Zeitgründen kann ich allerdings nicht mehr dabei sein.

Am nächsten Tag kehre ich zurück. Im Foyer des Seminarhauses – ein Teil der Wände ist in Terracottarot gestrichen und die Wandlampen verbreiten angenehm mildes Licht – spreche ich mit der Frau, die sich am Vorabend um die Buchbestellungen kümmerte. Sie gibt mir das Lyrik-Büchlein. Es stecken mindestens zehn Streifen farbigen Tonpapiers drin. Darauf stehen die Namen und Adressen der Frauen, die sich von der Lesung sehr begeistert zeigten und das Büchlein erwerben möchten. Ich bin total überrascht, meine Erwartungen und Hoffnungen sind mehr als übertroffen. Gleich zehn Frauen interessieren sich dafür! Oh wow, toll! Die Frau, die mir die Adressen überreichte, winkt ab und sagt: „Ach ja, das ist meist so. Direkt danach, in der ersten Begeisterung, wollen sie unbedingt das Buch haben. Aber schon am nächsten Tag ist davon keine Rede mehr. Die Angabe der Adresse ist unverbindlich. Wenn Sie Glück haben, wird vielleicht eine davon das Buch bestellen.“
Ach so ist das… Das ist natürlich eine sehr ernüchternde Information und die Freude erlischt.

Notiz:
Das stört mich wenig.
Aber bitte, wenn das Traum-Ich in diese Richtung geht, dann krame ich mal was aus der Kiste. Nein, keine Lyrik, sondern Traumverdichtung.

NEUJAHRSNACHT
Die Couch ist blau wie die Nacht.
Bleich wie Mondenschein die nackte Haut.
Auf dem Tisch ein Likörglas aus geschliffenem Kristall.
Schillernd bricht das Licht in funkelnde Sterne.

Er füllte es mit Gewürz- und Kakaopulver.
Das Kirschwasser kocht – feuchtwarmer Dampf.
Seine Augen streicheln weiblich geformtes Marzipan.
Zum ersten Mal trinken wir Cappuccino aus einem solchen Glas.

© 2006 Marianne Masters

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