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Schädliche Amöben

Traum:
Alles begann mit einem Geschenk, mit einem Film…

In Dänemark oder Skandinavien. Zu Gast bei einer Familie mit Schulkindern. Kürzlich bekamen sie ein Filmsichtgerät geschenkt. Im Halbdunkel eines Arbeitsraumes werfe auch ich einen Blick auf den Monitor. Anfangs ist es nur so vage zu sehen, dass ich an eine optische Täuschung glaube. Dann aber wird es immer deutlicher. Im Film gestalten sich erste Amöben! Es sind Mutanten von schleierartigem Aussehen. Eigentlich nur wegen Teile ihrer Umrisse sichtbar, die an Ritze im Glas erinnern, in denen sich grell schillernd das Licht bricht. Waren sie anfangs nur von schwebender Gestalt, so entwickeln sie sich im Laufe der Zeit immer mehr zu gefräßigen gallertartigen Tieren. An den karpfenmaulartigen Schleierschlünden bilden sich eine Reihe von Saugnäpfchen, aus denen sie zersetzendes Gift absondern. Es ist nur eine Frage der Zeit, dann werden sie den Film verlassen und auf uns überspringen. Ins Gesicht und auf die Füße. Mit seufzendem Schlürfen und Saugen goutieren sie sich dann an dem auflösenden Körpergewebe.
Dies alles muss verhindert werden!! Ich sitze da, denke angestrengt nach, raufe mir die Haare. Und in den Gehirnwindungen knackt es immer wieder hörbar.
„Schaltet sofort den Film aus!!! Um Himmels willen, schaltet ihn aus!!!“

Noch am gleichen Tage höre ich, dass sich die mutierten Amöben weiter verbreitet haben. An verschiedenen Orten wurden ahnungslos infizierte Filme abgespielt. Inzwischen muss davon ausgegangen werden, dass die Mutanten bereits unter uns sind. Und wenn ich auch noch nach einer Lösung des Problems suche, so wird mir schnell klar, dass ich keine Kontrolle mehr darüber habe.

Ich treffe im Untergrund ein. Viele Verwandte säumen die geschwungene Straße in der Tiefe. Eine Parade mir unbekannter Verwandte zieht schweigend vorüber. Unter ihnen ein hochgeschossener Mann – helles schütteres Haar, in abgetragenem Anzug mit zu kurzen Hosenbeinen, weiße Socken, Professor-Typ. Ich blicke ihm ins Gesicht und spüre… mir ist so übel, ganz fürchterlich übel!! Der Mann krümmt sich mit nun bleich grünlichem Gesicht und würgt hervor: „Oh, mir ist so schrecklich übel!!“ In den Armen einer Verwandten am Straßenrand bricht er zusammen. Ich stehe mir gegenüber, schaue mir ins Gesicht. Wir nicken uns wissend zu: ‚Er ist infiziert!’ Damit ist es nun gewiss.

Oben auf der Straße, in mondenheller Nacht. Mit lang ausgestrecktem Arm und einem entspannten Regenschirm, mit Handstock aus poliertem goldfarbenem Holz, weise ich in den Himmel. Der Anblick changiert. Mal ist es der Regenschirmhandstock, dann wieder ein hölzerner Zeigefinger… Sein Anblick hat eine ehrfurchteinflössende Wirkung. Wie sie vielleicht von einem machtvollen Symbol ausgehen mag. Wobei sich seine Kraft/Macht beim Aufspannen noch mehr entfalten könnte? Mir wird ganz anders… Die Bedeutung des Schirmes liegt im hölzernen Handstock mit seiner urgewachsenen Kraft. Es scheint wie ein göttlicher Fingerzeig. Jedoch… was macht dies in meiner Hand?? Das Unwetter grollt, der Wind peitscht, Blitze zickzacken in ruhiger unbewegter Nacht.

Am Rande, wo der Wind spürbar über die Haut streicht, macht sich Thommy auf seinen Weg durch die Nacht. Er startet mit einem Flugkörper, dessen Unterteil aus luftgefüllten Schlauch aus klarer Plastikfolie besteht, der in U-Form gelegt wurde. Dieser Flugkörper lässt an ein kleines Luftkissenboot denken. Es ist motorbetrieben und beim Start fliegt Thommy davon wie auf einem fliegenden Teppich. „Gib Acht in dieser Nacht!!“, rufe ich ihm nach. „Gib Acht!!“ Ich winke, bis er in der Ferne und Ungewissheit verschwindet.

Immer wieder werde ich mit Filmen konfrontiert, die ich analysieren soll. Alle sollen auf eine Infektion mit den schädlichen Amöben überprüft werden. Bisher konnte die Ausbreitung nicht aufgehalten werden. Die Zeit drängt! In aller Eile stopfe ich alle meine Haustiere – eine schwarze Katze und andere schwarzfellige Kleintiere (gewiss um die 20 an der Zahl) – in einen durchsichtigen Plastiksack und lasse sie in einen Edelstahlschacht gleiten. Eine warme schwere Fracht, die ich liebgewonnen habe. Dort unten will ich sie geschützt verwahren, bis die Ansteckungsgefahr vorüber ist.

Ich verlasse das Haus, trete in die Nacht, vor eine alte stirnhohe Mauer, die einen Teil meines alten Gartens umgibt. Ein verwilderter Garten mit Heilkräutern und Zauberpflanzen. In der Ferne sehe ich die scharfen Turmspitzen des schwarzen Schlosses. Die Atmosphäre ist unheilgeschwängert, vibrierend – eine zitternde Ruhe vor dem Gebraus. Es ist unangenehm. Vorsichtig löse ich die verblichene lindgrüne Pappe vom Gemäuer, die bis heute Teile der Mauer abdeckte. Die Pappe ist bereits locker, hängt nur noch dürftig an rostigen Holznägeln. Dahinter wimmelt es von fetten schwarzen Kellerasseln! Darum werde ich mich bei nächster Gelegenheit kümmern müssen!! Es ist höchste Zeit!!!

In einem weiten Gebäude angekommen, eile ich Flure entlang und gelange an den Fahrstuhl. Dort wartet bereits ein Schwarzer. Wir geben uns mit einem Lächeln die Hand zur Begrüßung. Der Mann ist mir sympathisch. Er wirkt gepflegt und intelligent; ein lockerer Business-Typ. Der Fahrstuhl hält, die Tür öffnet sich und wir treten hinein. Rundherum stehen bereits Fahrgäste – schweigend. Wir bleiben in der Mitte stehen. Der Fahrstuhl setzt sich unverzüglich in Bewegung. Von Ebene 2100 kommend erreichen wir gleich das Erdgeschoss, wo die Fahrt ohne Unterbrechung weiter hinunter geht. 2000… 1990… 1980… 1970… … … 1900 … … 1800… 1700… 1600… 1500… 1400… Hier enden die Tasten der Fahrstuhlbedienung! Von nun ab haben wir keinen Einfluss mehr auf den Halt des Fahrstuhls! Wir sausen weiter abwärts.
Schlagartig wird mir etwas klar. So ein Mist!!!! Hier komme ich jetzt erst einmal nicht heraus! Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass ich den Einstieg in das vorherige Geschehen wiederfinde. Dabei hätte ich so gerne gewusst, wie der Traum weitergeht und wie es sich mit den Amöben entwickeln wird. Das ist total ärgerlich jetzt. Warum habe ich nur nicht besser aufgepasst, wohin ich gehe?!!?

Vor Schreck wache ich auf.