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Ins Grüne singen

Traum vom 3. September 2009

Ein Mann – er ist etwa in meinem Alter, hat braune, leicht gewellte Haare, sanftmütiger Typ – und ich üben Obertonsingen im Sinai-Park. Ich halte den U-förmigen Bügel eines Fahrradschlosses in den Händen, singe an dessen einem Ende hinein – der Bügel ist innen hohl. Nach ausdauerndem Ausprobieren stelle ich fest, dass dieser U-Bügel für das Obertonsingen nicht geeignet ist. Am Ende kommt nämlich gar nichts raus. Ich vermute, der Bügel verfügt über eine sehr schwerfällige oder kraftlose Datenübertragung.

Ein Vorschlag wie aus dem Nichts: eine grüne Farbfläche vor Augen; so grün, wie frisch gepresster Grassaft. Ah, eine gute Idee. Ich beginne ins Grüne hinein zu singen… ein Gefühl von mehr Freiheit, mehr Stimmweite… es klingt anders… Noch ist es zu früh, um es wirklich beurteilen zu können, ich habe aber den Eindruck, dass diese Technik einen besseren Effekt bringt.

Später. Der Mann, mit dem ich vorhin sang, sucht meine Nähe. Nein, nicht einfach nur Nähe, sondern Kontakt, oder genauer: Berührung! So liegt er nun auf dem Boden, mit Nacken und Kopf an eine Wand gelehnt. Ich hocke mich zu ihm, setze mich und schließe ihn sehr vorsichtig – so als sei er zerbrechlich – in die Arme. Ein wenig wiegen wir uns nun. Dann hält er mir eine Dose Deospray entgegen. Die zierliche Dose hat eine matte Oberfläche, ist silbrig-rosè – typisch weiblich.
Ich denke: ‘Mein Lieber, das wird dir nur wenig Befriedigung verschaffen.’
Doch da es sein Wunsch ist und bleibt, umfasse ich die kühle Deodose und mache reibende Auf- und Abbewegungen. Es fehlt halt die direkte Verbindung – diese Dose ist eben nur Ersatzobjekt. Dennoch empfängt er auf diese Weise einen Bruchteil meiner Berührungen. Sicherlich ist das tatsächlich besser als nichts. Ich erlebe diese Situation jedoch als unbefriedigend.

In der Landschaft steht ein Mensch. Ich sehe hauptsächlich seinen Leib. Sein Bauchnabel ist besonders sorgfältig und eingehend gestaltet. Er bildet eine richtige, durchgängige Öffnung. Ich kann durch den Bauchnabel wie durch ein Loch hindurchblicken und die Parklandschaft hinter dem Menschen sehen. Nie zuvor sah ich einen solch ausgeprägten Bauchnabel, der wirklich durch und durch geht.

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