Home » Traumtagebuch » Marie Schall

Marie Schall

Traum vom 29. August 2009

In einem Behandlungszimmer. Eine Medizinerin – so hoffe ich – beginnt mit einer ungewöhnlichen Behandlung, die mich von einem wohl grundlegenden Leiden, das mir bisher die Hände band und an der freien Entfaltung hinderte, befreien soll. Allem nun folgenden Geschehen wohnt dabei der Geruch des Neuen inne.

Mit einem Ultraschallgerät, das einem Manikürgerät ähnelt, behandelt sie die Fingernägel meiner rechten Hand. Mit dem schallgebenden Aufsatz – wie ein Polieraufsatz aussehend – übt sie einen gewissen Druck auf jeden einzelnen Nagel aus, bis das Nagelbett ganz hell durchschimmert. Ich meine auch, eine gewisse Wärmeentwicklung wahrzunehmen, bin aber nicht sicher, ob ich da nicht einer Täuschung unterliege. Außerdem beschäftigt mich gerade etwas anderes: Ultraschall!! Besorgt frage ich die Medizinerin: „Ist das nicht schädlich?“

Sie lächelt leise in sich hinein, sucht nach einer Antwort… und bleibt mir diese schuldig. „Sehen sie“ stelle ich sachlich fest „nun wissen sie nicht, was sie sagen sollen. Da habe ich sie wohl ertappt. Es ist also schädlich.“ „Aber nein“ sagt sie sanftmütig „ich selbst mache es bei mir immer wieder! Sie werden sehen, wie wohltuend das ist!“ Ah okay. Vermutlich kommt das inzwischen unangenehme Gefühl unter den Fingernägeln von meiner Anspannung und Sorge und mir brennt gar nicht wirklich etwas unter den Nägeln?

Nächste Maßnahme: Die Medizinerin bettet meine Hände in zerkrümelten goldgelben Kuchen, drückt die Kuchenmasse dann am Puls und über die Finger hinweg fest und sagt, dies müsse nun eine Weile einwirken und hinterher müsse ich den Kuchen essen. Mir fällt die Kinnlade runter… Alles essen?? Die Kuchenmasse entspricht sicherlich der Menge von zehn Scheiben Topfkuchen! „Da werde ich ja total fett“ wende ich ein. Aber sie bleibt dabei. Mir kommen ‘Nachbarn’ – keine bestimmten, sondern Nachbarn als solches – in den Sinn. Aber auch diese Vorstellung scheint in Anbetracht einer solchen Kuchenmenge nicht hilfreich.

Nach einiger Zeit kehre ich zur Medizinerin zurück. Während ich auf sie zugehe, knabbere ich den Kuchenmantel von meinen Händen. Ich achte darauf, dass ich nicht über eine Menge hinauskomme, die ein bis zwei Stücken Kuchen entspricht. Die Medizinerin blickt auf, und sagt lachend: „Na sehen sie, sie können es ja nicht abwarten, den Kuchen zu essen! Das wäre doch jetzt gar nicht nötig!“ Hm?? Sagte sie vorhin nicht etwas anderes? Habe ich da etwas völlig falsch verstanden?

Zwischenzeitlich bin ich wohl weggedöst. Jedenfalls werde ich davon wach, dass mein rechter Arm einschläft. Ich schüttele ihn, reibe die Arminnenseiten. Da höre ich Mike erschrocken ausrufen: „Bist du wahnsinnig! Du reißt ja alles raus!“ Erst jetzt blicke ich auf meinen Arm. In der Armbeuge steckt ein Venenkatheder, verbunden mit einem etwa ein Meter langem Infusionsschlauch, an dessen Ende eine Spritze steckt. Mike zieht am Kolben, Schlauch und Spritze füllen sich mit meinem Blut. Ah, er nimmt das schnell an Stelle der Ärztin in die Hand – er kennt sich damit ja aus – damit ich die Blutentnahme aus lauter Dösigkeit nicht doch noch vereitele. Finde ich gut, dass er hilft.

Ungläubig fragt er: „Hast du es nicht bemerkt?“„Nein, das habe ich nicht“ stelle ich nachdenklich fest. Begreife nun, dass das Gefühl des eingeschlafenen Armes von der Blutentnahme rührte. Ehe ich mich versehe, entfernt die Medizinerin den Schlauch mit einem entschlossenen Ruck am anderen Ende. Ich bin kurz erschrocken, weil die Braunüle offen zurück bleibt. Aber es fließt kein Blut, so wird wohl alles okay sein.

Am Küchentisch in der Schulstraße. Einige Frauen rund um mich her. Kinder vom Krabbelalter bis zu zehn Jahren in all den Räumen. Sie tragen Pappkappen, wie auf einem Kindergeburtstag. In ihren Armen halten sie große selbst gebastelte Spitztüten, die Schultüten ähneln. Ich ahne, dass ich nachher all diese Tüten geschenkt bekommen werde. Ein feierlicher Anlass ist wohl der Grund für diesen Besuch. Die Kinder laufen eine Treppe mit offenen Stufen hinauf. Zum Oberstübchen, das auch als Spielraum dient – davon wusste ich nichts, oder ich habe es einfach vergessen. Ob dort aufgeräumt ist? Ich war ja lange nicht mehr da. Na, das wird okay sein und so wichtig ist das ja auch nicht. Oje, das Krabbelkind versucht gerade die Treppe zu erklimmen. Ich befürchte, es könnte durch die Stufen rutschen und abstürzen. Meine Hände aber stecken in der Kuchenmasse – ich kann nicht eingreifen!

„Bitte, kann sich jemand an meiner Stelle um das kleine Kind kümmern?“ frage ich besorgt in die Runde und hoffe, damit ernst genommen zu werden.

Später gehe ich nach vorn in den Eingangsbereich des Hauses, in dem ich offenbar wohne. In einem Raum, der sich den übrigen Räumen ohne Abgrenzung öffnet, sehe ich eine Frau am Boden sitzen, die ich sofort erkenne: Marie Schall Sie trägt ein schwarzes Etuikleid, ihre naturblonden Haare aus dem Gesicht gestrichen, sie wirkt zurückhaltend und zufrieden, so wie sie da vor ihren großen Bögen Zeichenpapier sitzt und ganz in sich versunken arbeitet. Als sie mich bemerkt, wie ich freudig und mit offenen Armen auf sie zugehe, steht sie auf und kommt mir entgegen. Spontan erkenne ich in ihr meinen ‘kreativen Anteil’ und wundere mich, dass ich diesen so viele Jahre vernachlässigt haben soll. Es ist nämlich viele Jahre her, dass ich sie zum letzten Mal sah – das war wohl in Worpswede. Jedenfalls deute ich diese Situation so, dass der Traum damit ausdrücken will: Kümmere dich um deinen kreativen Anteil, gehe mit ihm in Kontakt! Oder warum träume ich das? Im nächsten Augenblick liegen wir uns in den Armen, wiegen uns ganz still hin und her. Hinter meinem Rücken spüre ich die Ältere und mir dünkt, sie könnte es lächerlich finden, sich so gefühlvoll anzunähern. Muss man darum so ein Theater machen? Hm, was ich nicht so recht verstehe… Ich bin doch kreativ – oder etwa nicht?

Traumpfad:
Gestern Abend Obertongesang probiert.

Tags: