Home » Traumtagebuch » Sprachliche Kompetenz

Sprachliche Kompetenz

Traum:
Erwachsenenbildung. Einige Lernwillige, Mike und ich sitzen in einem quadratischen Raum. Die Stühle stehen ebenso im Quadrat – einige Stühle sind frei. Rechts, am Rande meines rechten Blickfeldes, doziert die Lehrerin. In Abständen werden Fragen in den Raum gestellt. Damit geht das Gefühl einher, an einer entspannten Prüfungssituation teilzunehmen. Vielleicht geht die Stunde auch mit einer Supervision einher.

Mike antwortet stets als Erster auf die Fragen. Aber er weiß ja auch (fast) alles, und ich nehme das als selbstverständlich wahr. So kommen wir anderen aber immer erst im Anschluss dazu, die Frage auf unsere Weise zu beantworten.
Mit einem Male richtet die Lehrerin ein persönliches Wort an Mike: „Ständig antworten Sie unaufgefordert! Und nicht alle ihrer Antworten sind wirklich qualifiziert! Ist Ihnen das schon einmal aufgefallen?“

Ich fühle starke Betroffenheit… wie peinlich… Mir wird nämlich erst jetzt bewusst, dass ich immer wieder – und völlig unreflektiert dazu – seine Aussagen einfach übernommen und mit eigenen Worten wiedergegeben hatte. Es waren nicht wirklich eigene Antworten! Jetzt bin ich wirklich total erschrocken! Naja, und den anderen Teilnehmern war natürlich immer die Gelegenheit genommen, ohne irgendwelche Anstöße von Mike eine Antwort zu finden. Das ist schon etwas unangenehm!

Mike nimmt die Kritik wortlos entgegen, ohne darauf zu reagieren. Das einzige, was ich ihm anzusehen meine ist, dass es ihm irgendwie peinlich ist. Dennoch scheint er nicht in Frage zu stellen, dass es generell richtig ist, seine Antworten unaufgefordert zu geben.

Mit den einleitenden Worten: „So, und nun noch einmal von vorne…“ stellt die Lehrerin eine neue Frage in die Runde und fordert mich auf, die erste Antwort darauf zu geben. Zu meinem Erstaunen finde ich reichlich Antworten, sie strömen selbstverständlich und in ruhigem stetigen Fluss nach oben, formen sich widerstandslos und rund in klare Sätze. Es ist verblüffend, wie es sich anfühlt, ganz ohne Mikes Input zu antworten. Es fühlt sich richtig gut an und zum ersten Mal spüre ich, wie es ist, nur mit meinen Worten, und aus meinem eigenen Wissen schöpfend, zu antworten. Die Sätze sind weicher, weiblicher, runder, fließender. Bisher hatten sie eine gewisse Härte, fanden eher stoßweise und ruckelnd den Weg in die Stimme. Ich fühle mich mittig und gelassen. Gepaart mit einem Gefühl eigenwilliger geistiger Kompetenz, die sich nicht nach den Maßstäben anderer richtet und mir selbst genügt. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich beim Sprechen jemals derart unverkrampft und wohl fühlte wie jetzt. Bei einem Blick zu Mike durchströmt mich dennoch heißes Mitgefühl…

Später, in einer Pause, sitze ich eher im Abseits. Im Schneidersitz. Das linke Hosenbein meiner Jeans habe ich bis über die Wade hochgeschoben und schreibe mit einem schwarzen Filzstift einen Satz in kleinen Großbuchstaben auf die Haut. Ein Merksatz, oder eine Affirmation. Unter dem ersten Satz wiederhole ich diesen ein zweites Mal. Die Lehrerin bemerkt das und sagt zu mir, das müsse doch gar nicht sein! Aber ja, doch! Zur Sicherheit will ich es mir notieren. Es soll ja nur ein ganz eigener Spickzettel sein, damit ich es nicht vergesse.

Notiz:
Oh wow… das fühlte sich so gut, so zu sprechen. Und dieses Gefühl, einer ganz natürlich innewohnenden Kompetenz. Und so ganz ohne Perfektionsanspruch. Wäre doch zu schön, wenn dieser Traum einen Vorgeschmack auf das gäbe, was im Wachleben vielleicht auch einmal möglich wird.

Vorhergehender Traum zum Thema:
Verzögerte Sprachentwicklung

Am Rande bemerkt:
Während ich die Traumszene mit dem schwarzen Filzstift niederschrieb, holte Moina einen schwarzen Stift und begann, ihre Beine damit zu bemalen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich eine solche Synchronizität erlebe.

Tags: