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Drei Tote

Traum:
Morgens, ein mildsonniger Frühlingstag. Ich gehe quer über die Grasfläche eines kleinen Parks am Ende der Kirschwaldstraße. Mit dabei eine Tragetüte, die eine Spielzeugbroschüre mit Bestellmöglichkeit enthält. Gleichzeitig habe ich das bereits gelieferte Spielzeug dabei, das wir gleich aussuchen und bestellen werden. Ich gehe auf einen Holztisch zu, an dem befreundete Frauen auf Bänken sitzen. Wir werden gleich besprechen, welches Spielzeug wir für Cleo (meine kleine Schwester) kaufen wollen. Zudem freue ich mich, Cleos Geschenk dabei zu haben und es ihr noch heute Vormittag überreichen zu können.

Kaum am Tisch angekommen, erfahre ich als erstes, dass Kristin gestorben. Ich bin erschrocken und gleichzeitig wird es ganz still in mir… So nahe standen wir uns nicht, dass ich nun trauern würde, aber ich spüre einen sehr traurig stimmenden Verlust.
Nach kurzem Innehalten greife ich in die Tüte, um zu besprechen, was wir Cleo schenken wollen. In mir ist Freude, weil ich schon ein Geschenk für Cleo habe. Da sagt eine der Frauen, und dabei wird es rundum ganz still – die Natur verstummt: „Cleo ist tot. … Sie ist heute Morgen gestorben.“
„… Was…?“ Ich bin bestürzt. Die Freude erlischt wie wenn ein Licht ausgeblasen wird. Warum ist Cleo tot? Es erscheint mir total unwirklich. Die Betroffenheit erschüttert mich… So tief, dass ich mich geradezu emotionslos fühle…
Der Tod kam völlig unauffällig. Morgens lebte sie noch, und wenige Minuten später war sie tot. Einfach so, einfach tot. Stille, Ruhe. Sie ist gegangen, hat sich aufgelöst. Da ist nichts, was an ihrer Stelle wäre. Sie ging ohne ein Wort… Ein Gefühl, nun mit leeren Händen… mit nichts dazustehen.

[Bruch]

Da liege ich in einem kuschelig warmen Bett. Mit dem Kopf am Fußende. Eve und eine Freundin haben sich zu mir ins Bett gelegt. Richtig herum, mit ihren Köpfen auf dem Kissen. Wenngleich es mir verkehrt herum vorkommt, da ich ihre Füße vor der Brust habe. Die Beiden sind, das ist so ihre Eigenart, ein bisschen verrückt. Ihrem Tuscheln kann ich nicht folgen; es bleibt unverständlich. Dann aber holt Eve ein Paar Pantoffeln aus farbenprächtigem Nickistoff hervor, hält diese lachend der Freundin vor die Nase und sagt: „Uah, findste nicht auch, die müffeln etwas?“ Daraufhin springen sie lachend aus dem Bett. Okay, dann will ich auch mal aufstehen. Merkwürdig, ich kann gar keinen unangenehmen Geruch an den Pantoffeln feststellen – sie wurden ja auch kaum getragen…
Als ich in eine angrenzende Küche komme, finde ich ganz überraschend meine Eltern vor. Sie hatten ihren Besuch nicht angekündigt. Ob sie wissen, dass Cleo tot ist? Oder muss ich es ihnen sagen? Nebenbei nehme ich ein sehr leichtes und reines Gefühl im Mundraum wahr. Mit der Zunge spüre ich dann, dass ein Teil meiner Zähne fehlen. Die verbliebenen Zähne sind verhältnismäßig klein und dabei von unregelmäßiger Größe, teils weiß teils golden. Sicherlich kein schöner Anblick, wenngleich die verbliebenen Zähne gesund sind. Aber als ich feststelle, dass diese Zähne alle in Ordnung sind, versöhnt es mich. Ich fühle mich auch wie von etwas befreit, das eh eine Nummer zu groß für mich war. Zudem muss ich niemandem den Zustand meiner Zähne zeigen; ich werde einfach nicht mehr den Mund aufmachen. Vielleicht werde ich das Sprechen völlig aufgeben.
Im Hintergrund höre ich meine Eltern leise miteinander reden. Offenbar haben sie eine Überraschung vor und wollen mir eine Freude machen. Sie überlegen, ob ich schon Zigaretten im Hause habe. Sonst sei die Freude ja nur halb so groß, da sie mir gleich anbieten wollten, dass ich eine rauchen soll. Das ist nämlich die Überraschung für mich: Sie wissen, dass ich geraucht habe und wollen mir nun zeigen, dass sie das voll und ganz akzeptieren. Also, das ist eine echte Überraschung. Sie hatten doch immer etwas dagegen!

Mit einem Male bemerke ich eine graubraune Maus im Raum! Im ersten Moment traue ich meinen Augen kaum! Aber dann huscht sie mehrmals vorüber. Gerade als sie in Richtung Tür läuft, schließt Moina diese. Ich rufe ihr zu, sie solle doch die Tür auflassen, damit die Maus rauslaufen kann – dann sind wir sie schnell los! Aber die Maus denkt gar nicht dran, so einfach zu verschwinden. Läuft hin und her und kreuz und quer. Inzwischen ist aber meine Katze – ein braun gestreifte – herbei gesprungen und hat die Maus bald geschnappt. Nun will die Katze mit der Maus im Maul hinauslaufen, aber Moina ist schon wieder im Begriff die Tür zu schließen. In mir ist beträchtliches Unbehagen, das mich hektisch agieren lässt. So fordere ich Moina gereizt und ungeduldig auf: „Nun lass doch endlich die Tür auf!!“ Die Katze nutzt die Gelegenheit und verschwindet mit einem geschmeidigen Sprung durch die Tür. Ich atme auf… so einfach können die Dinge manchmal sein.

Notiz:
Gestern gab es auch schon drei Tote.

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