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Skaap Skee – Ghee trinkender Handwerker in Künstlerkneipe

Traum vom 5. September 2009

Ich sitze in der kleinen Künstlerkneipe, mit dem Rücken zum angrenzenden Theaterraum. Rechts von mir befindet sich der leicht geschwungene Tresen einer kleinen Bar.

Als ein Gast eintritt und ein Milchshake oder ein Vanillesofteis wünscht, werde ich aus meinen fernen Gedanken gerissen, denn der Barkeeper – es ist KP, der völlig anders als real aussieht und auftritt – springt sofort hinaus, hinüber zum Fastfood-Restaurant und kehrt mit der Grundlage zurück; nämlich eben jener Milli-Vanilli-Substanz, aus der sich so ein Softdrink schütteln lässt. Der Barkeeper bewegt den Shaker kräftig aus dem Handgelenk und… Oh, der Deckel war nicht ganz drauf und es sprüht etwas von dem Drink hoch. Der Barkeeper schaut daraufhin mit weit aufgerissenen Augen und einem derart dämlichen Gesichtsausdruck dem unbeabsichtigt Entsprühten nach, dass ich mich für ihn schäme – wie kann man nur so dümmlich schauen, ohne auch nur ansatzweise zu reagieren? Endlich überreicht der Barkeeper das gewünschte Getränk dem jungen Mann, der sich dann auf eine Bank vor einem Tisch setzt, der mir direkt gegenüber steht.

Der junge Mann ist seiner Arbeitskleidung nach ein Handwerker, der gerade Feierabend und Hunger hat. Er führt nun den Becher an seine Lippen. Vorsichtig nippt er an seiner heißen Milch. Heiß? Nanu? Sollte das nicht kühl sein? Ein wenig verstört mich auch, dass ich den Wegwerfbecher durchschauen kann – hm, warum sehe ich denn den Inhalt?? Das sieht ja wie flüssige Butter aus! Ganz klar, dass das heiß ist. Langsam nimmt er einen kleinen Schluck… Ghee, das ist doch Ghee!? Der Mann nickt. Es ist ziemlich ungewöhnlich, einen Ghee trinkenden Handwerker in dieser Künstlerkneipe zu sehen.

Links von mir an der Wand, ein wenig höher als die Tischplatte, bemerke ich zwei Lämpchen, die abwechselnd aufleuchten – Rot, Grün, Rot, Grün, … Jetzt ist Grün? Oder doch Rot? Nein, Grün! Ich könnte mal zum Theaterbereich hinüber gehen. Dort unter den Zuschauern befindet sich auch Mike. Die Veranstaltung auf der Bühne hat längst begonnen. Als ich mich umdrehe und dorthin schaue – ich sehe nur einen Teil der Bühne, der Rest ist mir durch die Kneipenwand verwehrt – bietet sich ein ziemlich skurriler Anblick:

Eine kleine schmale Frau, ganz bleich ihr Körper, mit altmodischer Luftpolsterbadekappe, vollführt Akrobatisches. Ihre dunkel geschminkten Augen in dem weißen Gesicht haben etwas Tragisches. Ihr linker Arm mündet in nahtlosem Übergang in einem glänzenden Edelstahlrohr, das sich an seinem Ende zu einer Spitze verjüngt, die wiederum mit dem Münzschloss eines Einkaufswagens eine Einheit bildet. Der Einkaufswagen rollt und kippelt gekonnt unter ihren Bewegungen. Es gibt noch andere, ähnliche Akteure und noch ähnliche Requisiten wie das Metallgitter des Einkaufswagens. Ich sehe Speichenräder rollen. Eine sehenswerte Sache. Da gehe ich gleich mal hin! Höre nun aber, wie eine Männerstimme rechts von mir propagiert: „Du musst investieren!! Das machen auch große Unternehmen!“

Mein Blick geht nach links, an den Teil der Wand, der als Werbefläche eines bekannten Unternehmens (keine Ahnung, nie gehört) dient. Der Hintergrund ist Müllabfuhrorange, die Schriftzüge und das Logo in Metallverarbeitungsblau gehalten. Der Schriftzug ist leicht nach rechts gekippt, wirkt flüssig und gleichmäßig – sympathisch. Der übliche Slogan und der Name des Unternehmens ‘Skee Skaap’. Aha. So vergewissere ich mich, alles richtig verstanden zu haben und rufe der Männerstimme zu: „Wie beispielsweise Skee!“ „Ja, wie Skaap!“ kommt zur Antwort. Die meinte ich doch damit. „Okay meinetwegen – wie Skaap Skee!“ Stimmt ja, und das wird mir eigentlich erst jetzt im ganzen Ausmaß klar, dass große Unternehmen in dieser Hinsicht Vorbildcharakter haben könnten. Vielleicht sollte ich darüber nachdenken; mir kommt es mit einem Mal so logisch vor. Ich MUSS investieren! Auch wenn der Mann dies ablehnt.

Daraufhin verbringe ich ein paar herrliche Stunden in einem Vergnügungspark. Das ist ein Gebiet mit reichlich Hügeln und sanften Erhebungen, das von vielen schmalen Wegen durchzogen ist, die mit einem Crossrad genommen werden können. Eine spielerisch abenteuerliche Angelegenheit.

In der Nacht komme ich nach langer Reise vor dem Haus der Älteren an. Der Vorplatz liegt in sonderbar warmen Nachtlicht. Der ganze Platz ist vollgestellt. Zwei Fahrräder, eines bekannten Paares, sind dort abgestellt – es ist viel Gepäck daran festgezurrt. Die Mitkömmlinge sind schon im Haus. Ich gehe zur behinderten Anna in die Küche, zeige ihr mittels einem Zeitungsausschnitt, wo ich war. Dieser wunderbare Vergnügungspark. Gemeinsam mit ihr lese ich den Artikel, in dem auch der Name des Ortes erwähnt wird: Öberer

Begeistert erkläre ich: „Dort waren wir!“ Anna schaut mich verwundert an und fragt erstaunt: „Wo ist das denn?“ Offenbar ist ihr dieser Ort völlig unbekannt. Ja, und jetzt, wo sie es so sagt… Mir kommt der Ortsname auch ganz fremd vor. Ich habe nie zuvor davon gehört. Wirklich sonderbar. Ein wenig schmälert es nun meine Freude am Berichten, auch wenn es wirklich schön dort war.

Anna ist gerade schwer beschäftigt. Die Küche ist von feuchter Wärme erfüllt. Der Küchentisch steht voller Gläser ohne Verschluss. Einmachhaut und Gummiringe liegen bereit. Teils ist Zeitungspapier zum Schutz des Mobiliars ausgebreitet. Ich knie mich hin – links von mir steht der alte Großvater-Pfeifenstuhl, rechts der Küchentisch, und eine Armlänge entfernt befindet sich die Küchentiertür. Direkt vor mir drücke ich eine Kugel sehr weicher, hautfarbener Knetmasse platt; zu einer Scheibe. Mit den Fingern ziehe ich einen Teil der Masse wieder hoch. Hey, das sieht aus wie Augenlider. Ich dehne die Masse noch etwas und lege die so entstandenen Liddeckel zu geschlossenen Augen ab. Zufällig hat sich die Masse genau an der richtigen Stelle zu leichten Augenringen und ein paar Krähenfüßen geformt. Toll, wie einfach es ist, etwas zu gestalten! Dieses Zwischenergebnis erregt auch die Aufmerksamkeit eines jungen Paares, das mit einem Male in der Küche – links von mir – steht. Sie rufen sich zu: „Schau mal!“

Nun aber endlich eine Etage höher zu den Älteren. In der Küche. Waah, was für ein Chaos! Das habe ich hier alles abgestellt. Die Älteren sind zwei Räume weiter – im Bad. Ich höre sie leise sprechen. Über mich. Über mein Chaos. Als ich nun aus dem Erdgeschoss von Schwesterlichem gerufen werde, rufe ich laut zurück: „Ja, ich komme!“ Nun dürften die Älteren bemerkt haben, dass ich in der Küche bin, dass ich sie gehört habe. Das macht mir alles nichts aus. Als die Ältere die Küche betritt, drücke ich gerade einen blauen Knetefladen zusammen, drücke einige weiße und rote Kneteködelchen dazu – als Zeichen dafür, dass ich vorhabe, das gesamte Chaos zu beseitigen. Doch zuvor muss ich noch wieder runter ins Erdgeschoss!

Wieder auf dem Vorplatz. Immer noch dieses fast feierlich anmutende, aber so vergangen still erscheinende Licht der Nacht. Mein Standpunkt befindet sich im Gegensatz zum Ankunftsstandpunkt – ist also um 180° gedreht. Ändert aber nicht viel. Einzig das zwischenzeitlich eines der beiden Fahrräder unter seiner Packlast zusammengebrochen ist. Ich hebe es nicht auf, denn ich kenne seine Ordnung nicht. Außerdem muss ich mich um den Wust eigener Dinge kümmern. Holzkisten, Kästen, Schreibkram. Oupsala… vor meinen Füßen liegt ein zweifach gefalteter 5-Euro-Schein. Hah, ein Geschenk des Himmels? Vergnügt hebe ich ihn auf. Kurz ein schlechtes Gewissen, wegen der womöglich mir nicht zustehenden Bereicherung, aber dann ist das auch vorbei. Wohin mit dem Geldschein? Ach, ich schiebe ihn mir einfach in den Hosenbund. Was für eine schöne Sommernacht.

Traumpfad:
Das Ambiente in der Kneipe lässt mich an die Music Hall Worpswede denken, obwohl das überhaupt nicht vergleichbar ist.

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