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Wilder Harry Potter Kaiser

Traum:
Im älteren Kinderzimmer am langen Tisch; ich sitze auf „meinem Platz“. Die Luft im Raum ist spürbar frisch – Aufbruchsstimmung. Mike und ich wollen noch einen Einkauf erledigen. Volkard (lange nicht gesehen, übrigens) kommt hinzu, beugt sich von hinten über meine Schulter und fragt leise, ob wir ihn mitnehmen würden, da er noch einige Elektronik-Teile besorgen müsse. Aber klar, das passt prima! Wir wollten nämlich eh zum Bioladen-Media-Bening-Fachmarkt in Worpswede.

Mir wird klar, dass wir einige Zeit unterwegs sein werden. In diesem Fall möchte ich Moina auch lieber mitnehmen. Rieke wird mir zwar gleich anbieten, sich um sie zu kümmern. Aber das möchte ich nicht. Rieke kann kaum noch sehen und hören. Zudem könnte sie vergessen, Moina zu beaufsichtigen. Ich nehme Moina hoch, die sofort versucht, sich meinen Armen zu entwinden. Dabei entblößt sich ihr Körper, da das Kleid bis unter ihre Arme hochrutscht. Es gelingt ihr dann tatsächlich, mir zu entwischen.

Szenenwechsel: Ich sitze am langen Tisch; gegenüber meinem üblichen Platz. Die Luft im Raum ist frisch – die meisten sind gegangen. Ich blättere wahllos in einer Zeitschrift (Spiegel?). Zu meiner großen Überraschung ist darin ein längerer Bericht vom Wilden Kaiser zu lesen. Oups?! Ich blättere also zurück, um den Bericht von Anfang an zu lesen. Auf der ersten Seite geht es darum, dass er sein erstes Blog bereits 1996 hatte. Allerdings nur für kurze Zeit. Es folgte dann eine längere Pause, ehe er wieder mit dem Bloggen begann. Links oben ist ein Foto zu sehen. Abgebildet ist eine Gruppe etwa 25jähriger Männer, die alle eine T-Shirt tragen: weiß oder hellgrau, auf dem Rücken bedruckt (ähnlich den Shyno-Shirts).
Bei näherer Betrachtung des Bildes kommt Leben hinein und ich vermute, es zeigt die Männer auf einer Open-Air-Bühne, die – bis auf wenige Spotlights – im Dunkeln liegt. Es wundert mich, den Wilden Kaiser auf der Bühne zu sehen. Er steht in der mittleren Reihe… möglich, dass später ein Auftritt stattfindet.

Ich blättere eine Seite weiter, wo ein längerer Artikel, geschrieben vom Wilden Kaiser, zu lesen ist, in welchem er einige Stationen seines Lebens beschreibt. Mich fasziniert wieder einmal seine klare und sachliche Ausdrucksweise, die den Eindruck von hoher sprachlicher Kompetenz vermittelt. All dies zu lesen, belebt mich irgendwie ungemein.
Naja, aber nun Aufbruch. Volkard ist allerdings inzwischen gegangen, vielleicht dauerte es ihm einfach zu lang.

Mike und ich sitzen dann in der U-Bahn – Mike am Fenster. Wir halten noch an der Konstablerwache. Direkt hinter mir der Einstieg mit geöffneten Türen. Unangenehm, der kühle Windzug im Nacken. Kurz vor der Abfahrt stürmen noch eine Reihe von Männern die Bahn. Ich schaue mich um, zwei springen gerade rein, stürmen an mir vorbei. Die nächsten folgen gleich… in meiner Brust dehnen sich Schmerz und leise Verzweiflung aus… ich bin diesem Ansturm nicht gewachsen. All diese gleichzeitig einstürmenden Energien überfordern mich geradezu. Ich möchte nicht, dass noch mehr einsteigen!!!! Am liebsten möchte ich es laut ausrufen, und die Türen durch mein Wollen zum Schließen zwingen!! Da legt sich eine „himmlische Hand“ auf meine Schulter und ich spüre eine beruhigende Wirkung, die sich noch verstärkt, als ich eine gütige Stimme leise zu mir sprechen höre: „Es ist alles gut.“

Ich spüre Entspannung. Als noch mehr dieser Männer einsteigen, nehme ich das gelassen zur Kenntnis – es ist nun völlig in Ordnung.

Die Bahn setzt sich in Bewegung. Wir sitzen inzwischen eher in der Mitte der Bahn. Rechts neben mir, am Gang, sitzt Mike. Links neben mir, auf dem Fensterplatz, eine Frau. Am vor mir liegenden Ende des Wagens sitzt die Männergruppe, auf den Bänken zu beiden Seiten verteilt. Sie sind gut gelaunt, vielleicht geht es um eine Abschlussfeier oder ähnliches.

Ich bin total überrascht, als ich den Wilden Kaiser darunter entdecke! Natürlich um einige Jahre jünger als heute – ist klar, schließlich las ich ja vorhin in der Zeitschrift von seiner Vergangenheit. Allerdings bin ich nicht sicher, ob er es wirklich ist. Der Wilde Kaiser sieht doch in Wirklichkeit gar nicht so aus, oder? Er erinnert irgendwie an Harry Potter, auch wenn ich diese Ähnlichkeit so gar nicht sehen will. Vielleicht entsteht der Eindruck durch seine Brille, die allerdings nicht so groß ist, wie die von Harry Potter. Und wie lebendig seine Stimme ist! So eindeutig und dabeii sanft kraftvoll. Am meisten fällt mir sein Mund auf. Nicht wegen seiner Form oder ähnlichem, sondern vielmehr wegen des ungehemmten Ausdrucks. Er macht den Mund nämlich auf!! Nichts scheint ihn zu behindern. Fasziniert schaue ich immer wieder hin, seine klare Artikulation ist bemerkenswert. Mal sitzt er links bei seinen Leuten, dann wieder auf der rechten Seite. Manchmal nimmt ihn auch einer der Männer auf den Schoß. Er wird heute gefeiert! Es ist sein Ehrentag – sein Geburtstag oder ein ähnlicher Anlass. Manchmal aber sitzt der wilde Kaiser ganz still und in sich gekehrt am Fenster und sein Blick wirkt etwas melancholisch, wie er so hinaus schaut.

Ich sage dann zu Mike: Schau mal, der Wilde Kaiser fährt hier mit! Mit fragendem Blick zu Mike überlege ich, dass dies die U12 nach Preungesheim ist. Mir wäre gar nicht bewusst, dass der Wilde Kaiser in unserem Umfeld wohnt?? Mike merkt auf, schenkt dem aber keine Beachtung – vom Wilden Kaiser hat er noch nichts gehört.

Mike und ich spielen dann zum Zeitvertreib Karten. Dabei bemerke ich, dass ich heute keine Hosen trage und bemerke gleichzeitig ein Muttermal an meinem linken Oberschenkel. Aber es ist so warm in der Bahn, dass sich niemand über diese Freizügigkeit wundert.
Es sind eigentlich keine richtigen Karten mit denen wir spielen. Die Texte und Motive wurden in der Galerie Regenbogen einfach auf Papier gedruckt und ausgeschnitten. Wir halten jeder einige Karten in der Hand – wie ein Skatblatt. Es geht nun darum, wer den anderen überbieten kann. Dazu werden drei Zeilen vorgelesen, die – ähnlich einer Textaufgabe – unter den Bildern stehen. Mike bietet eine Rechenaufgabe mit zwei Schafen. Ach jee, zwei Schafe! Auf meiner Karte geht es um zwei Huabibs – das sind zwei braune Hunde (sehen ansonsten aus wie der weiße Hund von der Tarotkarte des Narren). Die beiden Hunde sind kleiner, erreichen bei weitem nicht den Gegenwert der zwei weißen Schafe. Dieses Spiel geht also an Mike. Wir legen die gespielten Karten auf dem Tisch vor uns ab. Dabei sehe ich, dass eine große Karte – eine richtige Karte – auf dem Tisch liegt, auf der eine wunderschöne Margerite abgebildet ist. Erfreut stelle ich fest, dass auch auf meiner selbstgedruckten Karte diese Margerite abgebildet ist! Anfangs kann ich es kaum glauben, aber nachdem ich einzelne Blütenblätter miteinander verglichen habe, stelle ich fest: es ist die gleiche Margerite!! Das ist mit einem Gefühl verbunden, etwas sehr Schönes entdeckt zu haben!

Die Frau neben mir schaut mich an, und zeigt dann auf ihr Spiel, das sie mit einer gegenüber sitzenden Frau spielt. Die Spielkarten ähneln den unseren. Aber es sind richtige schöne Spielkarten. Der Kartenhintergrund erinnert an sonnendurchflutetes Pergament. Dies ist mit ansprechenden Märchenmotiven gestaltet. Die Frauen haben die Karten auf den Tisch gelegt, vier Reihen untereinander: je drei, vier, vier, drei Karten nebeneinander.
Ganz offen liegt eine Karte, die mich an das Märchen Sterntaler denken lässt: ein kleines blondes Kind mit weißem Leibchen ist abgebildet. Das Kind hält sein Leibchen am vorderen Saum hoch und fängt damit die Sterne, die vom Himmel fallen. „Sterntaler (ist der Name des Spiels)?“ frage ich, aber die Frau gibt keine Antwort, lächelt nur. Vielleicht trifft meine Vermutung noch nicht genau den Punkt. Das Spiel ist jedenfalls sehr schön!

Währenddessen feiern die jungen Männer munter weiter. Und wir erreichen die nächste Haltestelle. Die Türen hinter den Männern öffnen sich. Ein Faschingspaar steigt ein – zu erkennen an den Narrenkappen. Kurz überlege ich, ob es die Eltern vom Wilden Kaiser sind, denn die beiden werden offenbar erwartet. Der Faschingsnarr stellt das Geschenk für den Wilden Kaiser ab: zwei mannshohe Schultüten aus mehreckig gefaltetem schwarzen Karton, die untere Spitze mit messingfarbener Folie ummantelt. Ebenso ist der obere Rand von dieser Folie eingefasst, wobei der Rand etwas ornamentartig verziert ist. Die Öffnung selbst ist noch von verzurrtem regenbogenfarbenen Krepppapier verschlossen. Der Faschingsprinz sagt in humorigem Tonfall zum Wilden Kaiser: „Mädchen haben wir ja nicht für Dich.“ Das soll witzig sein, für Heiterkeit sorgen. Aber oje, ich finde das gar nicht lustig. Denn wer weiß schon, ob damit nicht ein wunder Punkt getroffen wird. Das könnte dann peinlich sein?!

Ich schaue mich um, sehe hinter mir zwei reife, eher mütterliche Frauen. Diese verhalten sich still, schauen all dem Geschehen voller Gleichmut und Gelassenheit zu. Auch Mike schaut sich um, hebt dann eine Hand und fährt mit den Fingerspitzen vorsichtig über die Wange jener Frau, die eine bemerkenswert glatte junge Haut hat. Ein paar Mal macht er das, wie tastend. „Es ist unglaublich, welch feine glatte Haut Sie haben…“, flüstert er ihr bewundernd zu. Ich sehe es auch. Die Haut ist glatt und angenehm rosig durchblutet – eine gut genährte Haut. Ein wenig schmerzt es schon, dass Mike ihr Komplimente macht. Die Frau selbst zeigt sich von der Berührung unberührt.

Da kommt eine Nachricht durch die Lautsprecher:
„Ein schicksalhafter Unfall ereignete sich für zwei Frauen auf dem Parkplatz Bürgerweide/Bremen.“
Ein Riesenschreck durchfährt mich: Moina!!!! Wo ist Moina? Wir haben sie gar nicht mitgenommen! Und nun sind wir sicherlich schon drei Stunden unterwegs… Ich kriege Panik, wir müssen sie ganz schnell finden!!!

Notizen:
Den Wilden Kaiser kenne ich nur von einem Foto aus dem Internet, auf dem ich allerdings keine Ähnlichkeit mit Harry Potter vermutet hätte. Ich habe Harry Potter weder gelesen noch gesehen. Aber ich lese ja auch im „Spiegel“. Also, Frage: Was hat der Wilde Kaiser, das ich nicht habe? Sagt der Traum: sprachliche Kompetenz.
Und nicht zu vergessen, was der Spiegel kürzlich fragte: „Gibt es Sie wirklich?“
Meine Antwort: Es gibt mich nicht – zumindest nicht in der Form, wie ich mich sehe.

Shyno fände ich für mich ganz erstrebenswert: ohne Schüchternheit würde ich reden wie ein Wasserfall (ist das wirklich erstrebenswert???) – ungehemmter Ausdruck also (die Blockade manifestiert sich körperlich als Halsschmerz).

Die Flower-Power Margerite erinnert an das Mantra Om mani padme hum.

Es gibt keine U12 nach Preungesheim, da fährt die U5. Beim Aufwachen war mir klar: die U12 fährt in mein 12. Haus (astrolog.). Saturn legt die Schienen.

Huabibs… keine Ahnung, noch nie gehört – assoziiere ich mit Habakuk und Hibbelig – auch noch nicht gelesen. Habe ich überhaupt jemals etwas gelesen??

Witzig ist ja auch die Umkehrung: Ein Prinz ist der Vater des Kaisers.

Der Narr ist hier im Spiel: Narrenkappe, und der verdoppelte eingefärbte Hund des Narren. Zwei Frauen beim Spielen, zwei Frauen hinter mir, zwei Margeriten, zwei ähnliche Spiele, zwei Schafe, zwei Frauen vom Unfall betroffen, zwei Schultüten, das Faschingspaar, Mike und ich, zwei Männer steigen gemeinsam zu, … was vergessen? Ein Hinweis auf die Polarität? Auf die zwei Seelen in meiner Brust? Zwei-fel? Zwei Hunde sind eigentlich auch zweiFel(le).

Erst einmal genug für heute.

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16 Antworten zu Wilder Harry Potter Kaiser

  1. zuckerwattewolkenmond

    Es ist schon etwas seltsames mit unserer Selbstwahrnehmung und unseren Träumen. Irgendwie ist mir das zwar blöd das zu schreiben, wenn es der Kaiser vielleicht liest, aber andererseits ist es auch nur mein persönlicher Eindruck und soll keine Wertung sein, sondern nur ein Eindruck des individuellen Geschmacks – ich persönlich finde deine Traumbeschreibungen enorm sprachlich kompetent und deine Ausdrucksweise überhaupt insgesamt kompetenter, um bei diesem Wort zu bleiben, als die des Kaisers. Andererseits erlebe ich das bei mir ebenfalls oft, dass meine Selbstwahrnehmung irgendwie verzerrt ist und ich mich ganz anders wahrnehme, als mir von außen dann signalisiert wird. Ich habe festgestellt, dass alles vergleichen nichts bringt, weil Menschen einfach nicht vergleichbar sind, und trotzdem kann man es nicht lassen. ;o)

  2. REPLY:
    Ich glaube auch nicht, dass ich mehr sprachliche Kompetenz besitze. Ich glaube aber auch nicht, dass ich weniger besitze. Jeder hat seine eigene Ausdrucksweise, die Stärken und Schwächen hat. Im Übrigen hasse ich diese direkten Vergleiche. Ich will kein Podium haben, wo keines beabsichtigt war, nur damit ich meinen Platz finden und mir irgendeine Medaille umhängen oder mich öffentlich zu den Verlierern zählen kann (damit der Tendenz Genüge getan ist). Und das war, glaube ich, auch nicht der Sinn dieses Traums oder dieses Traumprotokolls. Schade. Ich wollte eigentlich etwas ganz Anderes zu deinem Eintrag schreiben, und das werde ich auch tun, nur eben nicht hier. LG, WilderKaiser

    Der Finger, der auf den Mond zeigt, ist nicht der Mond selbst. (Zen)

  3. zuckerwattewolkenmond

    REPLY:
    Wer hat hier irgendwas von Verlierern gesagt? Ich wußte, ich hätte das nicht schreiben sollen. Ich weiß nicht, ob du bis zum Schluß gelesen hast, aber ich schrieb, dass sich Menschen nicht miteinander vergleichen lassen. Darüber sind wir wohl einer Meinung. Und dass sich über individuellen Geschmack nicht streiten lässt, ist wohl ebenfalls eindeutig. Aber nur weil ich z.B. Dan Brown nicht gerne lese, heißt das ja noch lange nicht, dass ich ihn für einen Verlierer halte.Wobei das nicht heißen soll, dass ich bei dir nicht gerne gelesen habe, aber sprachlich habe ich mich immer mehr von den Beiträgen von Traumzeit angesprochen gefühlt. Entschuldigung.

  4. REPLY:
    Ja, ist ja o.k., Zucker. Ich muss ja nicht hier spielen.

  5. zuckerwattewolkenmond

    REPLY:
    Booaaaah…….man, es tut mir leid, dass ich das geschrieben habe, ich habe zweimal überlegt, aber ich hatte den Eindruck, dass Traumzeit irgendwie an ihrer “sprachlichen Kompetenz” zweifelt. Vielleicht war der Eindruck auch falsch, aber das is ja nu auch egal.

    @Traumzeit: Um es nochmal anders zu formulieren – ich finde, dass du eine sehr farbige und sinnliche sprachliche Ausdrucksweise hast, weshalb ich gerne deine Traumbeiträge lese. *Fettnäpfchen hüpf*

  6. REPLY:
    Entschuldige. Ich bin zur Zeit ziemlich schnell auf 180 und leicht eingeschnappt. Ich nehme also alles zurück, o.k.? Keine Fettnäpfchen mehr. LG, WilderKaiser

  7. zuckerwattewolkenmond

    REPLY:
    Ist schon gut. Ich hätte meinen Kommentar gleich anders formulieren sollen, statt ihn auf den Traum aufzubauen.
    Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass ich von den Anwesenden hier die geringste sprachliche Kompetenz aufweise. *gg*

  8. REPLY:
    es ist ja richtig lebendig hier!

    Zucker, Du sprichst etwas an, was der Traum gar nicht so konkret benennt: Zwei-fel an der sprachlichen Kompetenz.
    Dort, wo Bewunderung ist, liegen Projektionen nahe: entweder ich sehe etwas, das ich noch nicht entwickeln konnte, oder es geht um eine eigene Fähigkeit/Macke, die ich nicht erkennen kann/will.
    Nun wird die Bewunderung im Traum auch von Faszination begleitet. Klausbernd Vollmar schrieb mal in einer Mailingliste, dass Faszination auch immer mit Angst einhergehe. Also wohl eher unbewusster Angst. Ich frage mich allerdings heute noch, ob diese Aussage wirklich allgemeingültig aufgefasst werden sollte. Egal, aus irgendeinem Grund fiel mir das ja nun ein. Und es wird eine gewisse Angst mitspielen. Darauf will ich an dieser Stelle nicht ausführlicher eingehen.

    Ihr könnte euch vielleicht denken, dass auch ich Vergleiche nicht mag. Gerade in dieser Hinsicht sind sie überflüssig wie ein Kropf. Aber… na na, will jemand behaupten, das Traum-Ich vergleiche etwas? Okay, ich gebe zu, im Traum vergleiche ich mehrmals, auch wenn es nicht konkret Ausdruck findet:
    Die Kartenspiele: die beiden Frauen haben ein richtig tolles Spiel. Richtige Spielkarten! Nicht so selbstgemachten Kram wie meine selbstgemachten auf einfachem Druckerpapier. Zwar erkenne ich die Margerite, die sowohl auf einer richtig guten Karte als auch auf meiner Papierkarte zu sehen ist. Aber die auf der richtigen Karte ist größer und natürlich schöner. Muss ja gar nicht erwähnt werden! ;-)

    Nun stelle ich immer wieder diese Vergleiche an, obwohl ich das nicht mag und will. Vorzugsweise vergleiche ich mich natürlich mit jenen, die etwas besser können, das ich auch gern gut könnte. [Ironie] Der Spaßfaktor ist da einfach viel größer! Und es ist die einfachste Art, für eine gewisse Stimmung im Innern zu sorgen. Man gönnt sich ja sonst nichts.[/Ironie]. Tja, warum mache ich das? Weil alles andere gefährlich für mich wäre. Ich könnte ja auch mal Klartext reden, oder nicht?

    Beim Schreiben habe ich zunehmend das Gefühl, als würde ich mit kräftig angezogener Handbremse formulieren. Es liegt auf der Zunge, formt sich zu Worten, der Zensor im Nacken zwickt und zwackt, ich schlucke es zurück. Aber es will doch hinaus – all die schönen geistreichen Sticheleien, die mein Zensor auf das Niveau einer Pommesbude drückt! Na ehrlich, dessen müsste ich mich schämen, also lieber dran verschlucken? Hin und her, dann geht gar nichts mehr. Der dicke Brocken hängt im Hals und entzündet sich. Ich fühle mich krank, weil ich einen Teil von mir unterdrücke, der im Moment offenkundig sehr nach Ausdruck verlangt. Zusätzlich hindert mich das Wissen darum, dass gerade jene Anteile, die ich lange unterdrückte, dann sehr ungestüm zu Tage treten, wenn sie erst einmal losgelassen. Das ist dann erst einmal übertrieben und könnte für manch peinliche Situation sorgen.
    Oh Leute, muss ich durch diese Peinlichkeit erst durch, ehe ich ein gesundes Maß finden kann?
    Zucker, an dieser Stelle aber noch schnell die Rückmeldung, dass ich mich natürlich über Deinen wohlwollenden Kommentar sehr gefreut habe. Auch wenn ich Bauklötze gestaunt und mir mehrmals die Augen gerieben habe, ob ich das wirklich richtig lese und richtig verstehe.

    Lieber Wilder Kaiser, Du sprichst die Möglichkeit an, sich irgendeine Medaille umzuhängen oder sich öffentlich zu den Verlierern zählen zu können/“müssen“. Ich mag übrigens beides nicht. Auf einem Podium schon gar nicht. (Oder liegt da bei mir noch etwas im Dunkeln, was ich mir diesbezüglich noch ansehen sollte? Schließlich spielt eine Bühne im Dunkeln eine gewisse Rolle im Traum…)

    Was ist es, was mich an diesen Vergleichen bewegt? Zum Schluss des Traumes bewundert Mike die wundervolle Haut der reifen Frau hinter uns. Es löst Schmerz in mir aus. Ich akzeptiere seine Bewunderung, ich stimme auch zu, weil er wirklich recht hat. Ich neide es der Frau noch nicht einmal, aber dennoch ist ein starkes Gefühl im Spiel: Schmerz! Wo Schmerz ist, da könnte auch eine Wunde sein. Der Vergleich findet in dieser Traumszene auch nicht direkt statt, aber er ist darin enthalten. Denn Mike bewundert diese Frau – nicht mich! Wenn ich auch bis zu dem Augenblick nichts vermisste, aber als Mike der anderen Frau Bewunderung schenkt, wird mir der Mangel bewusst. Bemerkenswert ist dabei auch, wie unberührt sich die Frau zeigt: weder Mikes von Herzen kommende Bewunderung noch seine zarten Berührungen lösen etwas aus. Sie registriert gelassen.

    Liebe Zucker, lieber Kaiser, ich hoffe, euch geht es gut? Ich hatte schon Befürchtungen, als ich euch las. Und wusste nicht: soll ich lachen oder weinen? Oder… um meinem alten Muster zu folgen: in Zukunft lieber schweigen. Ach nein, da fällt mir ein: ich muss ja gar nicht die Verantwortung für euch übernehmen! Ich freue mich über euch – ihr sprecht Klartext! :-)

    Ah, ich lese gerade, ihr habt euch wieder vertragen! Wie schön! Alles ist gut!
    Seid ihr eigentlich auch so „harmoniesüchtig“ wie ich?

  9. REPLY:
    Achja, das mit den Medaillen war nur Quatsch mit Sauce (Klopse mit grüner Sauce, in Frankfurt, oder?). Ich muss ja immer alles gleich übertreiben, zuspitzen, mal so richtig auf den Putz hauen. Warum auch immer. Also nochmals: tut mir leid. *zerknirscht*

  10. REPLY:
    Ist doch gut, übertreiben und zuspitzen, auf den Putz hauen.
    Reibung erzeugt Wärme.
    Ich würde Dich jetzt gerne entknirschen – nur… wie geht das? ;-)

  11. REPLY:
    Entknirschen – *lach*. Danke, jetzt geht´s mir schon besser.

  12. zuckerwattewolkenmond

    REPLY:
    Hi Traumzeit,
    du kannst dir sicher sein, ich meine was ich schreibe. Ich gehöre leider zu den Leuten, die zu kritisch sind, sich selbst und anderen gegenüber, obwohl ich theoretisch der Meinung bin, dass Lob viel mehr bringt als Kritik. Nur bei der praktischen Umsetzung hapert es immer noch bei mir, aber ich arbeite dran. Das hat allerdings auch den Vorteil, dass etwaige positive Bemerkungen immer vollkommen ehrlich gemeint sind. Und bei diesem Traum hatte ich einfach den Eindruck, ich müsste dir mal eine positive Rückmeldung geben (die nu leider etwas trampelig ausgefallen ist).
    Ansonsten leide ich unter akuter Konfliktangst und brauche ständige Harmonie um mich herum. Etwaige Streits lassen mich ebenso verstummen. Erst beim Bloggen habe ich den Mut den gefunden, in solchen Auseinandersetzungen durchzuhalten und auch mehr oder weniger zu sagen, was ich sagen will.
    Deshalb glaubt mir das hier mit der Konfliktangst wohl auch keiner. *gg*

    PS: Das war jetzt aber wirklich der allerletzte Kommentar ehe noch mehr passiert. *sich die Fäustlinge überzieht*

  13. REPLY:
    Ähm, Du meinst Boxhandschuhe? Es geht jetzt erst richtig los hier? *gg*
    Na, wenn ich Dich so lese, dann gilt jetzt auch Dir meine Bewunderung! :-))

  14. REPLY:
    Gehst jetzt boxen oder was? Es fällt mir schwer, mir dich mit Fäustlingen vorzustellen (Stichwort: Konfliktangst). :-))

  15. zuckerwattewolkenmond

    REPLY:
    Nein, keine Boxhandschuhe, sondern normale Fausthandschuhe, damit ich nicht noch mehr Mist in der Gegend herumtippe. Das mach sich mit Fäustlingen äußerst schlecht. ;o)

  16. REPLY:
    Nein, Zucker, du tippst keinen Mist in der Gegend herum. Du mußt auch keine Fäustlinge anziehen und darfst ganz normal mit deinen Fingern weitertippen. Alles klar? :-)