Home » Traumtagebuch » Unreife und Spiegelreflexe

Unreife und Spiegelreflexe

Traum:
Im Halbdunkel an der Niederbornstraße. Zielstrebig fährt ein Auto ein alter, blau angepinselter Ford Capri ein. Die Insassen, ein Paar, schauen zu mir her. Vielleicht aber auch zu Mike, der hinter mir gerade an einer Straßenecke verschwinden dürfte. Ich schaue auf das Autokennzeichen, was sich leider nahezu unkenntlich gibt. Kurz ist mir, als sei darauf OHZ zu lesen und denke: ‘Heimat!’ Und eins plus eins plus eins ergibt nun mal drei: in dem Auto sitzen sicherlich zwei Leute, die uns besuchen wollen. Sie scheinen Mike zu kennen. So winke ich ihnen fröhlich und lachend zu. Mit leisem Schreck wird mir bewusst, dass sie wohl Mike kennen, aber mich kennen sie nicht! Und ich kenne sie nicht! Es ist einfach lächerlich, hier freudig zu winken! Es wird mir peinlich. Der blaue Capri fährt dann noch einmal im Carré der Niederbornstraße, ehe sie aussteigen und wir uns direkt gegenüber stehen. Ich spüre Freude über den Besuch, die gleichzeitig völlig unberechtigt und lächerlich scheint. Es kann keine echte Freude sein. So bleibe ich äußerlich auf Distanz und reiche beiden lächelnd die Hand und sage nüchtern: „Mike ist gleich zurück.“ Daraufhin entsteht eine Stille, die mir etwas unangenehm wird, da sie im Widerspruch zur anfänglichen Freude steht. Aber was soll ich zu den Beiden sagen? Ich weiß gar nicht, wer sie sind.

Später dann ein Zusammensein in größerem Rahmen. In der Mitte des Raumes ein großes Obstbüffet. Rundherum stehen die Gäste und genießen die Früchte. Ich stehen neben dem Paar aus dem blauen Capri und esse ein paar Himbeeren. Der Mann hält eine blaue Plastikschale in der Hand, die ebenfalls Himbeeren enthält. In einer Ecke der Schale liegen all die weißgrünen, unreifen Himbeeren. Und ich finde, es sind doch mehr als man erwarten sollte! Mein Impuls ist, meine zwei oder drei unreifen Himbeeren gleichfalls in seine Schale zu legen, da er eh damit begann, diese gesondert zu sammeln. Dann aber wird mir klar, dass ich ihm damit vermutlich zu nahe treten würde und lasse es sein. Die Beiden schauen auch schon zu mir her… – etwas irritiert über meine Annäherung?

Ich stehe vor einem Gemüsestand unter freiem Himmel. Es ist einige Zeit vergangen, die Beiden aus dem Capri hatte Mike und mir inzwischen zwei Brötchen zum gemeinsamen Frühstück spendiert, so erinnere ich mich. Auf der Ablage vor den Gemüseangebot liegen dünne Tomatenscheiben; allerdings nur noch der Rand davon, der sich übrigens unüblich kleeblattförmig zeigt. Innerhalb des Tomatenrandes liegen einige Maiskörner in ausgetretenem Saft. Mit der Handkante wische ich Tomaten samt Mais in den Handteller, während ich hinter mir die Frau aus dem Capri wahrnehme. Natürlich möchte ich ihr jetzt Tomaten oder anderes Gemüse spendieren. Und – oh! – mir wird jetzt auch klar, dass sie vermutlich darauf wartet, dass ich ihr endlich etwas gebe, da ich zuvor von ihr und ihrem Mann nahm. Da passt es mit den Tomaten doch ganz gut. Wobei… so recht bedacht… dürften die Brötchen teurer gewesen sein, so dass jetzt gar nicht eine entsprechende Gegenleistung meinerseits käme. Ihr Blick ist missmutig und wortlos auf mich gerichtet (Sie sprach bis jetzt noch kein Wort mit mir). Die ganze Zeit schon kann ich sie nicht richtig erkennen – nur schemenhaft. Vielleicht hat sie dunkle, eher kurze Haare. Wohlgeformte Lippen. Ihr Blick ist… – vielleicht nicht ablehnend, aber Wohlwollen drückt der Blick auch nicht aus. Mir wird immer unwohler, denn ich nahm etwas von ihr und gab nichts zurück! Mehr und mehr fühle ich mich innerlich getrieben es wiedergutzumachen. Andererseits hatten sie uns zu den Brötchen eingeladen und ich fühle mich überhaupt nicht in der Pflicht! Im Augenblick weiß ich nicht mehr, was richtig ist. Und ich wünschte, diese Situation ginge bald vorüber. Mike wird ja wohl auch bald zurückkehren.

Am Rande des Buffets – es zeigt sich leer – kommen wir mit alten Bekannten zusammen. Es sind Freunde meines Mannes (real Bekannte aus eigener Vergangenheit). Einige Umarmungen zur Begrüßung. Jene, die ich bereits in die Arme schloss – so auch die Frau des Heizers – habe sich hinter mir aufgestellt. Der Chef-Heizer kommt nun auch, hat seine Spiegelreflexkamera vor der Brust hängen. Ich überlege, dass ich ihn zur Begrüßung nicht in die Arme schließen kann, da das Zoomobjektiv ziemlich herausragend ist, was eine weitere Annäherung unmöglich macht. Er lächelt den Leuten hinter mir zu, zieht die Kamera über den Kopf und reicht sie über meinen Kopf hinweg an seine Frau weiter. Dann nimmt er mich beiläufig in den Arm. Und ich stelle fest, dass auch er zu jenen Menschen gehört, die sich wie ein Brett anfühlen, weil ihnen diese Nähe unangenehm ist. Gleichzeitig aber spüre ich viel Herzlichkeit in seiner Brust, die mich nicht ausschließt.

Tags: