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Vexiersalon

Traum:
Es steht Besuch ins Haus. Es sollen noch viele Dinge erledigt werden, ehe alle eintreffen. Gleichzeitig muss Moina beaufsichtigt werden. Meine Geschwister und deren Freunde sind bereits da, haben ihre Hunde mitgebracht. Es sind zwei ähnliche Hunde – Mischung aus Berner Sennenhund und Schäferhund. Der Hund mit dem goldbraunen Fell ist von sehr friedlicher Natur und kinderlieb. Der andere Hund hat ein blassbraunes, sehr kurzes Fell. Auffällig ist ein dunkler Fleck an seiner windhündischen Schnauze. Sein Verhalten ist nicht vorherzusehen. Es kann gut sein, dass er einem unbeobachteten Moment nutzt, um zuzuschnappen. Deshalb bin ich der Ansicht, es sollte immer ein Erwachsener in Moinas Nähe sein, damit sie nicht verletzt wird. Es kümmert allerdings niemanden, so dass ich immer wieder zu Moina ins alte Kinderzimmer schaue.
Und tatsächlich ist Moina dann allein im Zimmer. Der blassbraune Hund beobachtet sie lauernd, wie auf einen geeigneten Augenblick wartend. Moina geht durch eine kleine Luke nach nebenan… Ich folge ihr (an einen Ort, den es real nicht gibt).

Es ist eine kleine Höhle mit runden Gängen und Ausbuchtungen in den Wänden. In der Ferne ist Licht, wie von einer Laterne – es dringt nur indirekt bis zu uns. Der Hund steht auf einem höher gelegenen Vorsprung, lässt Moina nicht aus den Augen. Und wieder bemerke ich den dunklen Fleck im Schnauzenfell. Er wirkt wie auf den Sprung!! Ich befürchte, er wartet nur darauf, Moina völlig überraschend anfallen zu können. Sie soll es nicht vorher ahnen; sie soll davon absolut überwältigt werden. Genervt, verängstigt und aufgebracht, greife ich Moinas Hand und ziehe sie aus der Höhle.

Kurz darauf durchquere ich den Verbindungsraum zwischen altem Bad und Küche. Dort bekomme ich eine Diskussion mit. Der Besitzer des schnapplustigen Hundes unterhält sich mit zwei Leuten aus meiner Familie über meine canophobische Reaktion in der Höhle und meine Bitte, Moina nicht mit dem Hund allein zu lassen. Dadurch ausgelöst, stellte er folgende, allegemein gehaltene Frage in den Raum:

„Kann sich ein Mensch mit Spiegelerfahrungen (Spiegelneuronen) überhaupt ein objektives Urteil bilden?“

Es wird darüber diskutiert, während ich nachdenklich und langsam weitergehe. Ich war ja selbst nie sicher, was meine Wahrnehmungen und Befürchtungen in bestimmten Situationen angeht. Allerdings kommt nun durch die aktuell gestellte Frage noch etwas hinzu: nämlich die Überlegung, dass ich aufgrund der vergangenen Spiegelerfahrungen nie zu einer entzerrten Sicht gelangen könnte. Allein diese Vorstellung ist ausgesprochen ernüchternd.

Zurück im alten Kinderzimmer. Moina läuft noch nackt herum. Ich nehme Unterwäsche und laufe ihr hinterher, um sie anzuziehen. Ein junger Mann ist im Raum. Er ist sehr nett, schaut mir zu, und liegt schon bald entspannt lächelnd auf dem Boden. Gerade als ich mich neben ihn knie, um Moina anzukleiden, greift er mich an beiden Oberarmen und zieht mich sanft auf sich herauf. Sein Blick und diese so zärtliche Geste lösen Glücksgefühle in mir aus. Doch es ist keine Zeit. Der Besuch kommt gleich und ich möchte Moina noch anziehen.

Spiegellabyrinth:
“Als Chidher Grün von mir gegangen war und mit ihm auf unbegreifliche Weise auch jeglicher Schmerz um Eva, wollte ich eben zum Bette treten und ihre Hände küssen, da sah ich, daß ein Mann davor kniete, den Kopf auf ihren Arm gelegt, und erkannte voll Staunen in ihm meinen eignen Körper; ich selbst konnte mich nicht mehr sehen. Wenn ich an mir herunterblickte, war es leere Luft, – aber gleichzeitig war der Mann vor dem Bette aufgestanden und schaute auf seine Füße herab, – so wie ich es an mir zu tun glaubte. – Es war, als sei er mein Schatten, der jede Bewegung machen mußte, die ich ihm befahl. ” aus: Gustav MeyrinkDas grüne GesichtVierzehntes Kapitel

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