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Unerwartete Prüfung

Traum:
In einem stillen Klassenzimmer. Zwei Studenten sitzen an einer Schreibarbeit. Der wilde Kaiser weiter vorne und mehr im Licht. Ein früherer Schulkamerad – Peter, der Sohn eines US-Soldaten – sitzt weiter hinten im Halbdunkel.

Dem wilden Kaiser kann ich über die Schulter schauen. Mir fällt seine Schrift ins Auge. Naja, so irgendwie… ähnelt seine Schrift der meinen – finde ich. Vor allem die auffälligen Schlingen beim Buchstaben G. Ich teile ihm meine Gedanken mit. „Nein“, sagt der wilde Kaiser, „ich finde nicht, dass wir eine ähnliche Schrift haben.“
'Nächtebuch' von TraumzeitHmm… etwas unangenehm ist es mir jetzt schon. Ich wollte ihm ja gar nicht zu nahe treten.
Naja, und je länger ich die Schrift betrachte, umso mehr muss ich dem wilden Kaiser recht geben. Irgendwie unterscheiden sich unsere Schriftbilder ja doch. Seine Schrift wirkt ein wenig aufgeräumter als meine. Und die Gs… die schreibe ich gar nicht so schön rund wie er. Peter schreibt währenddessen unbeirrt und fließend weiter an seiner Arbeit.

Im Haupt-Klassenraum. Heute wird eine wichtige Deutscharbeit geschrieben – ähnlich einer Jahres- oder Diplomarbeit. Das kommt unvorbereitet!! Natürlich weiß ich, dass in Abständen diese Arbeiten geschrieben werden. Man sollte immer darauf vorbereitet sein, der gelernte Stoff muss einfach sitzen, präsent sein.

So stehe ich inmitten der u-förmig aufgebauten Tische als Mike sich an meine linke Seite stellt. Er hält alle Unterrichtsmaterialien in der Hand. Mike braucht sich ja auch nie vorzubereiten. Mit dem immensen Wissen ist er sowieso auf alles vorbereitet. Und Deutsch… das ist alles nur noch eine Frage der Formulierungen und des Stils. Mehr nicht. Er hat es leicht.

Alle sitzen hier und schreiben emsig. Ich sitze noch nicht einmal an meinem Platz. Verstohlen schaue ich einer Studentin aufs Papier, denn ich kann mich noch nicht einmal erinnern, wie weit die Abstände zwischen Datum und Titel, und zwischen Titel und Textkörper sein müssen. Aha, wie ich sehe, entspricht der Abstand drei Kästchen.
Keine Ahnung, was ich gleich schreiben soll. In meinem Kopf gähnt weite Leere. Wir sollen eine Zusammenfassung des Gelernten schreiben. Nur… was haben wir gelernt? Ich kann mich an nichts erinnern. Okay, eine Einleitung werde ich schreiben können. Da fällt mir schon irgendwas ein. Aber für den entscheidenden Hauptteil muss ich mir irgendwas aus den Fingern saugen und darauf hoffen, dass ich zufällig das Geforderte treffe.

In einem weiteren Klassenzimmer. Ziemlich dunkel ist es hier. Peter sitzt hier und schreibt. Langsam bekomme ich ein mulmiges Gefühl in der Magengrube, es bahnt sich leise Verzweiflung an. „Ich kann es nicht“, sage ich leise zu ihm. „Du weißt ja auch noch, dass ich nie etwas konnte!! Ich schrieb immer schlechte Arbeiten. Immer!!!“ Und resigniert füge ich hinzu: „Es wird nie anders sein.“

Peter blickt auf, in seinen Augen bemerke ich Mitgefühl. Er sagt voller Wärme: „Aber es ist doch völlig in Ordnung, wenn Du nichts weißt.“
Es tröstet und beruhigt mich, wie er das so sagt. Die Spannung fällt ein wenig ab. Und wenn er es doch auch so sagt… Ich brauche nicht kämpfen!
Im Haupt-Klassenraum frage ich Mike, ob er die Arbeit heute noch fertig stellen wird, oder ob er sich auch morgen noch Zeit dafür nehmen wird. „Nein nein“, sagt Mike voller gleichmütiger Gewissheit, „ich werde das heute fertig schreiben.“
Ja, das will ich auch tun. Es ist besser, als diese unangenehme Sache noch mit in den neuen Tag hinüber zu nehmen.

Fahren am späten Nachmittag überhaupt noch Busse zurück nach Hause? Mike schaut in die Zeitung, die wir zusätzlich zu den Unterrichtsunterlagen und Aufgabenstellungen erhielten, und wirft einen Blick auf den Busfahrplan. Eine Tabelle zeigt, dass während der Prüfungsphase mehr Busse als üblich eingesetzt werden. Um die Entscheidung leichter zu machen, gibt es auch eine Übersicht, aus der ersichtlich ist, zu welcher Zeit die Busse am stärksten frequentiert werden. Am Nachmittag, um 16:15 Uhr, nehmen 97% der Schüler den Bus. Da ist der Bus immer proppevoll. Wir sollten einen der anderen Busse nehmen, auf die sich die restlichen 25% der Schüler verteilen. Um 16:15 Uhr fährt der letzte Bus. Es gibt allerdings noch ein paar Busse, die später fahren.

Nun suche ich mir einen Platz zum Schreiben. Dort, vor den Fenstern. Das war schon immer mein heimischer Platz. Ich beuge und strecke mich über den Tisch, um an die Ringe zu kommen, die unten an den Zugschnüren der Rollos hängen. Die hellen Rollos sind hinabgezogen. Der indirekt hereinfallende Sonnenschein gibt ein angenehm mildes Licht. Aber zum Arbeiten ist helleres Tageslicht angebracht. Eine dunkelhaarige Mitschülerin ist an meiner Seite, will eines der Rollos hochlassen. Ich gebe zu bedenken, dass sie die Zugschnüre zum Schluss nicht einfach loslassen darf, sondern diese um die Fenstergriffe schlingen muss. Ansonsten schnappen sie ganz nach oben und man kann sie nicht mehr erreichen. Unsere Arme reichen nicht so weit. Wir sollten doch besser direkt an die Fenster gehen. So geschehen. Aus dem Fenster, erster Stock, kann ich nach unten zum Eingangsbereich sehen. Als dunkle Schemen sind dort meine frühere Chefin und eine Frau im Gespräch zu sehen.

Im Halbdunkel des Klassenzimmers, wo ich Peter beim zweiten Mal traf: Dort, wo eigentlich die Schultafel steht, befindet sich ein Getränketresen. Angelique ist da. Sie wundert sich über meine Rückkehr an den Arbeitsplatz. Ja, ich wundere mich auch. „Ich will es noch einmal versuchen. Ich fange ganz neu und von vorne an!“, erkläre ich. Angelique nickt und meint: „Das finde ich gut.“ In dieser schlichten Aussage schwingt Überzeugung mit. Gut.

Im Kinderzimmer nebenan kümmert sich die Mitmutter um den kleinen Leon. Er ist fast eingeschlafen. Aber die Mitmutter hebt immer wieder die Bettdecke und legt ihre Hand stürmisch auf den Kinderkörper – voller überschwänglicher Liebe. Jedes Mal wird der Kleine wieder wach. Wenn sie so weitermacht, wird er keinen Schlaf finden. Ich versuche sie davon abzuhalten: „Lass das doch sein! Du weckst ihn immer wieder!“ Und im Rücken spüre ich den Meister sitzen, der die Situation still betrachtet.

Dann ist Abflug. Es geht schnell. Mike, Moina und ich sitzen im Flugzeug. Es startet immer hier von diesem Hotel aus. Die Fluglinie pendelt mehrmals täglich zwischen dem Hotel und Afrika hin und her. Mich wundert es ehrlich, dass immer dieses eine Hotel angeflogen wird. Vor allem in Anbetracht der Größe Afrikas!
Außer uns sitzt niemand in dem kleinen Passagierflieger, der steil und gezielt aufsteigt. Der Start ist immer im Kreiselflug, erinnere ich mich. Das kenne ich, aber heute erscheint es mir als besonders stark kreiselnd. Es ist atemberaubend! Ich erinnere mich, dass es hilft, sich auf die Atmung zu konzentrieren. Zumal ich gerade bemerke, dass ich nur noch ruckartig Luft hole. Als ich das ändere ist alles nur noch halb so wild. Ich blicke nach unten… wir haben noch nicht viel Höhe gewonnen, fliegen immer noch eine Straße entlang. Dann aber macht das Flugzeug einen 90° Schlenker nach rechts und wir beginnen straight zu steigen. Aha, damit verlassen wir auch die Linie des Afrikafliegers! Unter uns liegt ein asphaltierter Feldweg. Er wird immer dünner und kleiner: wir gewinnen zunehmend an Höhe. Ich bin echt froh, wenn dieser turbulente Start hinter uns liegt und wir ruhige Reisegeschwindigkeit erreicht haben.

Ich werde die Arbeit schreiben und das Beste daraus machen. Ich weiß nicht, um welches Thema es geht, aber immer wieder kommt mir „Hund“ in den Sinn. Sollte mir wirklich kein Licht hinsichtlich des Themas aufgehen, so werde ich über das schreiben, was mir einfällt. Das ist immer noch besser, als gar nichts zu tun.

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2 Antworten zu Unerwartete Prüfung

  1. Weißt du, was ich jetzt äußerst interessant finde? Immer, wenn du von mir geträumt hast und darüber schreibst, scheine ich das intuitiv zu spüren und klicke genau diesen Beitrag an. Das ist schon verblüffend. LG, WilderKaiser PS: Ja, früher bildete ich mir was ein auf mein sauberes, regelmäßiges Schriftbild….:-))

  2. REPLY:
    Jetzt bin ich aber erst einmal platt. Vor allem hatte ich ja eben gerade erst geschrieben!

    Vor dem Traum hatte ich übrigens Deinen kleinen Beitrag gelesen, zu dem soo viele Kommentare kamen! Ich hatte auch was dazu schreiben wollen, aber dann wollte ich doch nicht so viel von mir preisgeben. Naja, vielleicht hatte mich so eine Art Prüfungsangst erfasst. ;-)
    Sauberes, regelmäßiges Schriftbild? Tja, da kann ich wirklich nicht mithalten. *grins*