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Traum-Arbeit

Traum:
Arbeitsantritt in einem bemerkenswert weitläufigen Restaurant mit Saalbetrieb. Also mal wieder arbeiten… und ich kenne es ja schon – tagaus, tagein die gleichen Vorbereitungen.

Ehe ich alles vergessen habe, will ich schnell noch einige Traumnotizen machen. Ein roter Ringhefter liegt auf dem Tisch. Er enthält alle möglichen Unterlagen zur Unterrichtsvorbereitung für das Fach Englisch. Prima, die unbedruckten Rückseiten lassen sich bestens für meine Notizen nutzen. Schnell krakele ich Stichworte hin:
Chinesische Holzbrücke, Park, zwei alte Elefanten, grüne Masse auf Zunge, übel, ekel, Serviette, Animus, abwenden, Galle, bitter, brennend, Kehle.
Aber da war doch noch ein Traum? Ja:
Eisenbahnbrücke Melchior, altes Bahnhofshaus, Holly-Frau, Schachbrettboden, Wind, Frische, Straße, Eisenbahn nimmt Betrieb auf, Haus unruhig, Umziehen, aber Schwiegertochter kam zuvor. Brücke Tietjens Hütte, Öffnungen zum Abgrund.

Noch während ich schreibe, stürmt Wilma herbei und knallt mir eine große Tube Beinwell-Salbe von Weleda (deutlich sichtbar der anthroposophische Schriftzug) auf die Schreibunterlage. „Diese Salbe habe ich falsch gekauft und möchte sie umtauschen!“
Es ist deutlich spürbar, dass sie sauer auf mich ist, weil ich Traumnotizen mache, anstatt meine Pflicht zu tun und zu arbeiten. Ein leises schlechtes Gewissen schleicht sich bei mir ein, und ich nehme mich eiligst ihrer Bitte an.

Mir wird es innerlich leichter, als ich mich gezielt entscheide, hier erst einmal in Ruhe sauberzumachen. Die alten Treppen liegen voller Kiefernadeln und dazwischen puschelige Birkenblüten, die ich hier jedoch als der Kiefer zugehörig erkenne. Fein, da lohnt sich das Kehren so richtig.

Auf einem Tisch, der abgelegen in einer schummerigen Ecke steht, entdecke ich ein kleines Heftchen. Die Seiten sind mit zwei Heftklammern gehalten, haben einen gedämpft roten oder orangefarbenen Hintergrund. Auf einer der Seiten ist ein Traum von mir gedruckt. Oups!? Na so was?! Das ist der aktuellste Traum. Darunter sind kürzere Absätze zu sehen. Ich schaue genauer hin. Drei russische Buchstaben… Ach ja, nun erinnere ich mich, ein Zitat in den Beitrag kopiert zu haben, und ich wählte die Original-Schrift als Verweis zum Autor. Unter diesem Absatz sind aber doch ein paar Kommentare/Auszüge aus Leserbriefen zu finden, was eher ungewöhnlich ist. Ein Kommentator namens Ramir schreibt:
„Bist du eigentlich immer so blöd wie an der einen Stelle im Traum?“
‚Öööhm… ja?!!’
Auf die im Traum beschriebene Weise blöd zu sein, das stört mich eigentlich wenig. Aber allgemein betrachtet.. da sieht man mal… je mehr Aufmerksamkeit man bekommt, umso häufiger ist man auch nörgelnden Zeitgenossen ausgesetzt.
Es drückt langsam… ich muss ja weiter arbeiten!

Inzwischen sind unzählige Kolleginnen eingetroffen, die all die vielen Tische decken. Alle sind damit beschäftigt, Messer und Gabel auf den Plätzen zu verteilen. Meine Kolleginnen sehen einander übrigens alle ähnlich – oder gar gleich? Sie sind bestimmt fünfzehn Zentimeter größer als ich, schlank und von mauerblumigem Äußeren. Ja, die verrichten ihre Arbeit emsig und pflichtbewusst! Ich bin ja eher ein Drückeberger – aber das wage ich in diesem Augenblick noch nicht einmal zu denken!!

Es sieht hier aus, als würde eine große Gesellschaft erwartet. Das murmelnde Stimmengewirr meiner Kolleginnen und das gedämpfte Geklapper des Bestecks hat etwas angenehm Beruhigendes. Inzwischen sind auch erste Gäste eingetroffen und mischen sich unter die Bediensteten. Diese Gäste tanzen paarweise, und wie ineinander versunken, zu einem langsamen Walzer, dessen Klänge die Räume erfüllen. Auf der Empore, zwischen den Tischen, auf dem Gang zur Küche… überall sind sie verstreut. Bemerkenswert ist die Ähnlichkeit der Paare. Mann und Frau sehen sich jeweils so ähnlich, als seien sie Zwillingspaare. Aber wäre es nicht ungewöhnlich, wenn Bruder und Schwester so verliebt und innig zusammen tanzten? Aber auch hier das Paar direkt vor mir: beide haben diese vollen, feingezeichneten sinnlichen Lippen, die gleiche römische Nase, und große offene Augen. Wie Geschwister! So langsam kommt mir die Idee, dass doch irgendwas an diesem Ort irgendwie anders als gewöhnlich ist… (dass es ein Traum ist?)

Eine meiner Kolleginnen kommt auf mich zu und fragt, welches Frühstück ich in der Pause habe möchte. Oh, hier gibt es sogar ein Frühstück in der Pause! Das hatte ich gar nicht erwartet. Und überhaupt, eine Pause! „Danke, ich möchte gar kein Frühstück“, gebe ich zur Antwort. Ich habe nämlich eine Idee, die mich richtig begeistert: Anstelle des Frühstücks, für das eine halbe Stunde Pause eingeplant ist, werde ich immer meine Träume aufzuschreiben. Das ist die Lösung meines Zeitproblems! So kann ich arbeiten und muss dennoch nicht auf die Traumnotizen verzichten.

Rand-Notiz:
Wegen Risiken und Nebenwirkungen möchte ich bitte meine Traumkraft befragen!

Beinwell – Renaissance einer Heilpflanze

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