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Traumarbeit – Sanjas Serviettenbrief

—– Original Message —–
From: “Sanja
To: <Traumtempel>
Sent: Wednesday, January 31, 2007 9:22 PM
Subject: Re: [Traumtempel] Chiu Tsung – der Kopf von Co op

Liebe Marianne,

ich erzähle Dir jetzt eine Geschichte:

Es war einmal eine Grossmutter, die es liebte, Seidenservietten zu weben. Und so webte sie Tag für Tag, Monat für Monat…Jahr für Jahr ihre Seidenservietten und bewahrte sie liebevoll in ihrer Kommode auf. Jedesmal, wenn sie sich ihrer Frisierkommode näherte, um sich mit ein paar Tropfen ihres Lieblingsduftes «Tosca» zu beträufeln, öffnete sie die Schublade, um liebevoll über ihre Servietten zu streichen. So bettete sich der Duft tief in das Gewebe der Servietten ein.
Auch schenkte die Grossmutter ihren Träumen sehr viel Bedeutung, doch jedesmal, wenn sie ihren neusten Traum auf Papier bringen wollte, musste sie feststellen, dass kein Papier im Hause war. Jeder Traum war ihr aber so wichtig, dass das Aufschreiben keine Aufschiebung duldete, denn es könnten wichtige Traumdetails verloren gehen. So kam es, dass sie, aufgrund mangelnden Papiers, ihre Träume auf ihren geliebten Servietten verewigte.
Mit den Jahren hatte sich eine prächtige Sammlung an Traumservietten gebildet, die sie dann tief in der Schublade versteckte, damit sie niemand finden konnte.
Keiner von ihren Familienmitgliedern wusste etwas von der Existenz der von ihr liebevoll bezeichneten Traumservietten, und so verweilten die geheimen Servietten auch nach ihrem Abschied, tief in der Kommodenschublade versteckt, jahrelang unbemerkt.
Marianne liebte ihre Grossmutter sehr, und als Kind pflegte sie, sich den ein oder anderen Tropfen «Tosca» von Grossmutters Kommode ab und zu hinter die kleinen Ohren zu träufeln. Daher beschloss sie auch, als Grossmutter sie verliess, die Kommode aufzubewahren.
Sie fand jedoch im Haus weder Platz noch Verwendung für die Kommode, und so kam sie eines Tages auf die Idee, die Kommode in ihrem Büro als Schreibtsich zu verwenden. Jahrelang stand also die Kommode in Mariannes Büro, in der Co op Geschäftsstelle, die Servietten tief in der Schublade versteckt und unentdeckt.
So geschah es denn eines Tages, dass Mariannes Vorgesetzte, auf der Suche nach einem wichtigen Schriftstück und während ihrer kurzen Abwesenheit, tief in die Schublade ihres Kommoden-Schreibtisches griffen. Sie fanden das ordentlich verstaute Schriftstück, jedoch kam beim Herausziehen des Schriftstückes ein geheimnisvoller Stapel beschrifteter Seidenpapier-Servietten zum Vorschein…
So wurde denn Grossmutter´s Geheimnis enthüllt.

Das habe ich jetzt gerade aufgrund Deiner charmanten Geschichte und der bisherigen Deutungen einfach mal «zusammengesponnen» ;-)

© Sanja Aljinovic