Home » Traumarbeit, Traumtagebuch » Traumarbeit – Chiu Tsung 1

Traumarbeit – Chiu Tsung 1

Erste Antwort:

—– Original Message —–
From: “Traumzeit
To: <Traumtempel>
Sent: Saturday, January 27, 2007 9:02 PM
Subject: Re: [Traumtempel] Chiu Tsung – der Kopf von Co op

> Gibt es “Serviettenbriefe” tatsächlich oder ist es eine Wortschöpfung
> von dir? Erinnerst du den Inhalt dieser 5 Briefe?

Ja, Serviettenbriefe gibt es. Die ersten tauchten in einer der geheimsten Untergrundszenen von Paris auf. Das war etwa während der Jugendzeit meiner Großmama. Das Originelle daran war, dass diese Serviettenbriefe stets mit einem Hauch von Tosca beduftet wurden, was weniger für einen angenehmen Duft sorgen sollte. In erster Linie sollte es nämlich gewährleisten, dass die Geheimtinte – mit der diese Servietten beschrieben wurden! – während des tagelangen Transportes mit der Postkutsche auch wirklich unsichtbar blieb! Der Nachteil früherer Geheimtinten war ja, dass sie unter Sonnen- oder anderweitiger Hitzeeinwirkung dazu neigten, ihr Geheimnis vorzeitig preiszugeben. Das Eau de Toilette Tosca enthielt eine Substanz, die genau dieses verhinderte.

Ja, und warum Servietten anstelle von Briefpapier verwendet wurden, brauche ich jetzt kaum mehr zu verraten. Bist bestimmt schon von allein darauf gekommen: Unbeschriebene Blätter versendet niemand. Und für den Fall, dass ein argwöhnischer Schnüffler das Briefgeheimnis brach, sich beim Anblick eines unbeschriebenen Blattes sofort einen Reim darauf machen und ein Zündholz(!) entfachen würde, musste man vorsorgen, um wirklich sicher zu gehen. Du musst dazu wissen, dass es zu damaliger Zeit sowieso der letzte Schrei unter den blutjungen Frauen war, sich Seidenservietten zuzusenden. Von daher unauffällige weiße Servietten. Allerdings wurde diese Variante mit den Geheimbotschaften nur in bestimmten esoterischen Zirkeln praktiziert. (Deswegen weiß heute auch kaum noch jemand davon.) Diese esoterischen Gruppierungen wurden nie sooo bekannt – es gab, außerhalb von Paris, überhaupt nur wenige Mitglieder im nördlichen Teil Deutschlands. Leider waren sie so geheim, dass mit meiner Großmama eine der letzten wahren Esoterikerinnen verstorben ist. Tja, so ist das.

Interessant, dass nicht alle dieser Serviettenbriefe vernichtet wurden – wie ich es erwartet hätte. Im Traum tauchen schließlich noch ein paar davon auf. Ich vermute einfach mal, dass die Zeit die Geheimtinte inzwischen sichtbar machte. Wobei eine zwischenzeitliche Hitzeeinwirkung natürlich auch nicht auszuschließen ist. Ach, hätte ich gewusst, dass diese Briefe der Öffentlichkeit zugänglich wurden, ich hätte sie sofort an mich genommen und in meine Schatulle gelegt, und natürlich wieder am geheimen Ort – dieser liegt beim Hexenwald in Worpswede – vergraben. So wären die Briefe bald eins mit dem feuchten Moor geworden, und somit dahin zurückgekehrt, von wo sie ursprünglich kamen.

Wenn Du noch Fragen hast – gerne! :-))

Ach so, den Inhalt der Briefe erinnere ich leider nicht! Es waren vier oder fünf Zeilen. Nur an die Anrede kann ich mich erinnern: “Liebe Charka!” Wobei ich nicht ganz sicher bin, ob ich es wirklich richtig schreibe.

Liebe Grüße