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Abbruchhaus in Indien

Traum vom 4. August 2009

Ich betrachte eine Verwundung knapp über meiner linken Leistenbeuge. Ein etwa fünf Zentimeter langer Spalt. Wie ein Schnitt, über dessen nach innen reichende Schnittfläche dann Haut gewachsen ist. Dort in der Tiefe ein dunkelblauer Bluterguss. Mehr zu erahnen, denn zu sehen.

Als dann Cornelius und der Käpt’n anreisen, um in der Messehalle einen Vortrag über genau diese Art von Blutergüssen zu halten, ist meine Verwundung quasi die Eintrittskarte dazu. Das Erscheinen von Menschen mit einem solchen Bluterguss ist nämlich ausdrücklich erbeten. Es kommt zu keinem näheren Kontakt mit Cornelius und dem Käpt’n. Ich bemühe mich auch nicht darum, da ich befürchte, nicht viel Geistreiches zum Thema beitragen zu können und somit den vermeintlichen Erwartungen nicht zu genügen.

Später. Eine größere Stadt in Indien. Ich lebe mitten in der Stadt in einer sehr einfachen Hütte aus Holzpappe [So sieht es aus]. Einfacher, fest getretener Erdboden. Ein paar alte Schränkchen und Kistchen bilden die Einrichtung. Mir geht es hier gut, es mangelt an nichts. Wegen der brütenden Hitze habe ich sämtliche Fenster locker mit Platanenrinde zugenagelt, damit die Innentemperatur einigermaßen erträglich bleibt. Ich trage ein kurzes, luftiges Sommerkleid und Flip-Flops. Inzwischen habe ich längst bemerkt, dass der Käpt’n auf einem Grundstück nebenan arbeitet. Dort ist ein großes Stück Gartenland, das länger brach gelegen hat. Der Käpt’n ist nun in der Mittagsglut auf dem Acker. Bekleidet mit einem zu einer kurzen Hose gewundenen Leinentuch. Er wirkt sehnig und etwas ausgemergelt; die Hitze scheint ihm aber nichts auszumachen. Ich fühle mich im Schutz meiner Wände wohl; komme gar nicht auf die Idee, mal zum Klönen rüberzugehen. Zwar könnten wir uns über die Gartenarbeit austauschen, aber ich überwinde mich nicht, mich den wahrscheinlich unnötigen, aber doch unguten Gefühlen meiner Befürchtungen auszusetzen, ich könne ihn langweilen oder so.

Mit einem Male bemerke ich zur linken Seite, dass Moina die Platanenrinde zur Seite geschoben hat und nun von draußen hereinschaut. Nanu? Sie schaut mal eben durch ein Fenster in der zweiten Etage?! Obwohl sie so klein ist, ist ihr dies möglich?! Ich ahnte nicht, dass es so kinderleicht ist! Oje, da könnten ja Cornelius und der Käpt’n längst Einblick gewonnen haben, sind womöglich schon in meiner Nähe?

Mike kommt ins Haus und erzählt, der Käpt’n sei gerade dabei Möhren- und eine weitere Sorte Gemüsepflänzchen in den vorbereiteten Gartenboden zu setzen. Mit einem Schlag werde ich von sprudelnder Lebendigkeit erfüllt. Mensch, auf diese Idee, vorgezogene Möhrenpflanzen zu setzen, war ich nicht gekommen! Super! Denn für eine Aussaat ist es im August wohl etwas spät. Da will ich auch gleich los, Pflanzen besorgen, zum Käpt’n rüberlaufen, ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen, über Gartenangelegenheiten quatschen! Ich kann es kaum erwarten, so sehr freue ich mich auf die bevorstehende Bewegung, das Schaffen, den Gedankenaustausch! Ich stürme los…

In den Messehallen. Ich laufe durch ein Labyrinth aus breiten menschenleeren Korridoren. Erreiche schließlich einen Raum, der wohl von mir angestrebt wurde, denn ich trete ganz selbstverständlich dort ein. Ein Vertreter wartet bereits auf mich. Auf dem Tisch sein Angebot:
Sonnenblumenkernvollkorntoast und Dinkelvollkornmehl.
Moina, sie steht rechts neben mir, zeigt auf ein aufgeschnittenes Brot, auf die Sonnenblumenkerne, und meint: „Das sieht ja aus wie Würmer.“ Der Vertreter setzt mit gezierten Worten an, ihr zu erklären, worum es sich in Wirklichkeit handelt. Doch Moina kommt ihm zuvor und bittet um Bestätigung: „Das sind Sonnenblumenkerne, gell?“ Na, ich wusste doch, dass sie es weiß. Mmmhm, jedenfalls sieht das Brot total lecker aus, und auch der Anblick des Mehles ist appetitlich. Das Dinkelvollkornmehl nehme ich auf alle Fälle. Vielleicht auch das Vollkorntoast? Ich möchte es ordern, aber der Vertreter lässt mich nicht zu Wort kommen, sondern beginnt mit ausschweifenden Worten die Vorzüge seiner beiden Produkte anzupreisen. Mensch, ich will was kaufen und er hält mich davon ab! Dann endlich eine Chance: „Ich hätte gerne das Dinkelvollkornmehl!“ „Okay“ antwortet er „kommen Sie mit!!“

Wir laufen hinaus auf einen breiten Korridor. Ich eile, der Vertreter jedoch bewegt sich auf allen Vieren vorwärts, dabei eine kleinen, leeren Kartondeckel und ein kleines fahrzeugähnliches Spielzeug vor sich her treibend. Dieses Spielzeug darf er nur mit Kinn oder Stirn vorantreiben und es geht dementsprechend langsam. Das langsame Vorankommen macht mich ganz ungeduldig. So gebe ich dem Spielzeug einen gezielten Tritt mit der Schuhspitze. Darauf saust es voran! Na endlich! Endlich kommen wir mal weiter! Offenbar sogar so weit, dass auch der Vertreter auf die Beine kommt. Nebeneinander hereilend, unterhalten wir uns über den Vortrag von Cornelius und dem Käpt’n. Der Vertreter und ich hatten, unabhängig voneinander, eine Ungereimtheit wahrgenommen, die wir nun kritisch beleuchten. Ich fühle mich nicht so wohl damit, da ja keiner der beiden zugegen ist, und unsere Wahrnehmungen korrigieren oder seine Absicht erläutern könnte. Weil es so unfair von mir ist, verspüre ich einen starken Druck im Kopf, die Schultern sind angespannt und ich halte sozusagen die Luft an. Nach einigen Sätzen verschlägt es mir dann auch die Sprache. Da begegnet uns eine Frau in einem babyrosa Etuikleid aus Leinen. Sie hat schwarze glatte Haare, eine flache Brust – vielleicht liegt es auch nur am Schnitt des schmal anliegenden Kleides – und hübsche Beine. Offenbar fängt sie ein paar Fetzen unserer kritischen Bemerkungen auf, heftet sich daraufhin an unsere Fersen, steckt den Kopf zwischen uns und fragt autoritär: „Ihr sprecht von Cornelius und dem Käpt’n?“ „Neeeein“ antworte ich mit überzeugtem Brustton „wie kommen Sie denn darauf?? Wir haben doch keinen Namen genannt?! Es kann sich um jeden x-beliebigen Menschen handeln!“ Ich weiß, dass das so nicht stimmt, aber ich glaube mir trotzdem, so ein kleines bisschen. Sie ist eine Vertraute der beiden Männer. Da kann ich nur hoffen, dass sie nichts von dieser Unterhaltung erwähnt, denn die beiden würden den Zusammenhang mit ihrem Vortrag sicher erkennen und damit wäre ich dann doch noch bloßgestellt.

Szenenwechsel. In den Räumen des Elektrotechnikers. Eine Tür führt hinab, wie in einen Keller, ohne dass dieser unterirdisch läge. Ich weiß, dass sich der Elektrotechniker, der gleichzeitig Cornelius ist, dorthin zurückgezogen hat. Zwar liegen dort seine Arbeitsräume, aber er nutzt dort auch eine Couch für den Mittagsschlaf, so weiß ich inzwischen. Ich will die Tür schließen, damit ich nicht störe. Doch die Tür schlägt, und das ist unerklärlich, mit einem lauten Knall zu. Wie peinlich! Ich wollte ihn doch nicht wecken! Prompt ist er zur Stelle und findet das alles gar nicht schlimm. Er schaut mich freundlich lächelnd an, total entspannt. Er möchte mir etwas zeigen; in dieser indischen Stadt, die auch mein Wohnort ist.

Auf dem Weg dorthin kommen wir an einem rechteckigen Schwimmbecken vorbei. Ein öffentliches Schwimmbad. Im Wasser überwiegend männliche Jugendliche, aber auch Mädchen und einige Erwachsene. Ich schenke dem kaum Beachtung. Cornelius und ich stellen uns dann nur wenige Meter davon entfernt auf den unteren Absatz einer nach oben führenden Alutreppe. Das Gespräch kommt dann auf die Vertraute im rosa Etuikleid. Ich erzähle, wie diese Frau aussah und Cornelius ergänzt: „Sie trug eine schwarze Krawatte zum Kleid.“ Das irritiert mich… „Nein, eine schwarze Krawatte trug sie nicht. Aber schwarze Haare und schwarze Pumps.“ Vielleicht meint er das? Er lehnt mit dem Rücken zur Hauswand, ich seitlich an das Geländer gelehnt. Da kommt Mike angesaust. Auf einem kleinen Surfboard – Mischung aus Surfbrett und Skateboard. Mit Schwung landet er gekonnt auf dem Geländer, reicht Cornelius einen Gegenstand – eine vereinbarte Übergabe, so wirkt es auf mich – und bekommt darauf ganz spontan einen Samenerguss. Da er ja noch Schwung hatte, gleitet er elegant das Geländer wieder hinunter, um hinüber in das Schwimmbecken zu gelangen. Dort will er abtauchen und sich abspülen. Bei der Wärme wird das sonst so unangenehm klebrig. Ich versuche ihn kurz am Surfboard festzuhalten, denn mir fallen die vielen Menschen im Schwimmbecken ein. Einen Augenblick habe ich die große Befürchtung, sein ins Wasser strömender Samen könne einen Großteil der Badenden schwängern! Und das, wo doch so viele Kinder im Wasser sind, die ja mit einer Schwangerschaft noch überfordert wären.

Es gelingt mir nicht, ihn aufzuhalten. Cornelius, der das alles beobachtet hat, meint zu mir: „Hättest Du das nicht verhindern können?“ „Nein, jedenfalls nicht, ohne noch mehr Nachdruck auszuüben, wie eben geschehen.“ Natürlich hätte ich ihn stärker festhalten können. Doch dann schränkte ich ihn in seiner Freiheit ein, da es einem Verbot gleichkäme, und das geht dann doch zu weit. Ich erkläre dies Cornelius: „Mike und ich sind oft nicht einer Meinung. Wir sind sehr gegensätzlich. Das macht ihn aber gerade interessant für mich. Es ist mir wertvoll. Weißt Du, ich langweile mich sonst auch sehr schnell.“ Cornelius nickt nachdenklich…

Traumpfade:
Eigentlich hatte ich vor wenigen Tagen nach dem passenden Haus zu Dr. Scheins Kloschüssel gesucht. Aber, so wie auch im Traum, war mir alles zu langweilig, was mir einfiel, und so traute ich mich dann nicht raus aus meinem (Blog-)Haus.
Link: Die Zeit, die alte Bügelfrau, macht alles wieder schlicht.

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