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Zigeunerleben

Traum:
Verborgener Blick aus dem Fenster im ersten Stock, zwischen sonnengelben Chiffonschals hindurch zur Straße hinab. Eine lebhaft befahrene Einbahnstraße, vielleicht Bundesstraße. Dort unten sitzen zwei zigeunernde Schamanen auf der Bordsteinkante. Beide haben lange schwarze Haare, die strähnig über die Schultern fallen. Einer der beiden trägt einen schwarzen Hut. Als er hinauf in meine Richtung schaut, sehe ich, dass er mit dem linken Auge schielt. Ich kann nicht sagen, ob er mich gesehen hat… oder ob nur sein Schielen diesen Eindruck erweckt. Bewegungslos bleibe ich stehen, Moina steht schweigend und abwartend links neben mir. Sie kann nicht hinausschauen, wirkt versunken und nachspürend. Die Zigeuner haben einen kleinen Teller oder Deckel vor sich am Fahrbahnrand stehen und betteln.

Immer wenn ein Auto naht, springt der rechte Zigeuner – er scheint von lichterer Erscheinung als sein schielender dunkler Geselle – auf die Straße und vollführt ein paar tänzelnde Bewegungen. Dabei öffnet sich der Schlitz seines knöchellangen Jeansrockes und die hellen Damensandaletten offenbaren sich. High Heels mit Plateausohle – das kommt überraschend. Mir kommt der Gedanke, er könnte ein Transsexueller sein: Es macht nicht den Eindruck, als ob es eine Verkleidung ist, die einzig und allein dem Zweck dienen soll, Aufsehen zu erregen. Nicht ungefährlich, vor die herannahenden Autos zu springen! Und eigentlich kaum wahrscheinlich, dass an dieser Straße jemand hält um etwas zu geben.

Nochmals überlege ich, ob sie nebenbei auch meine Wohnung beobachten und ob sie vielleicht versuchen werden, in einem unbeobachteten Moment einzudringen? Es gibt keinerlei Anzeichen, die mir etwas darüber erzählen würden.

Am nächsten Tag sehe ich die beiden Zigeuner wieder am Straßenrand sitzen – gleiches Spiel. Und wieder die Überlegung, ob sie planen, in diese Wohnung einzudringen. Ich sollte jedenfalls stets darauf achten, abgeschlossen zu haben. Heute will ich eine Fahrt mit unserem Heißluftballon machen!

Wenige Augenblicke später sitzen Moina und ich schon im Korb und fahren in etwa zwei Meter Höhe eine Straße zwischen altstädtischen Häusern entlang in Richtung Stadtrand. Ich erlebe es als entspannend. Es ist noch menschenstill, als wir ländliches Gebiet erreichen. Zeit um umzukehren. Am liebsten würde ich weiter hin aus fahren, vielleicht auch mehr an Höhe gewinnen. Es wäre auch schön, mitten in der Landschaft Rast zu machen. Aber ich weiß nicht, ob und wie wir den Ballon mit heißer Luft füllen können. Womöglich kämen wir damit nicht zurück. Ich muss unbedingt Mike fragen, wie das geht.

Daheim angekommen, frage ich ihn sofort. Er zeigt sich gleich begeistert und erklärt, dass wir direkt vor Ort heiße Luft in die Ballonhaut blasen könnten – wir selbst mit unserer Atemluft! Das ist toll! Da sind wir sogar vollkommen unabhängig, könnten jederzeit überall hin und landen wo wir wollen und wie lang wir wollen!! Ich freue mich und stelle mir bildhaft vor, wie wir in ländlicher Umgebung rasten.

Rand-Notiz:
'3 shamans' von Traumzeit

Die beiden Zigeuner erinnern stark an die
Schamanenköpfe in heiliger Ruine.

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