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Arbeit beim Geweyhten

Traum:
Zu monochromer Stunde auf dem Weg zur Arbeit. Mit eiligen Schritten gehe ich die menschenleere Zeil in Frankfurt entlang. Heute werde ich zum ersten Mal nach unzähligen Jahren wieder meinen alten Beruf ausüben. Da es ewig her ist, bin ich momentan auch nicht gut darauf vorbereitet. So wechsele ich – da mir wirklich angemessene Kleidung fehlt – auf dem Weg mehrmals die Kleidung, die jedoch stets die Farbe Schwarz hat. Mir fehlt eine Ledertasche für das Portemonnaie, so wie das Kellerportemonnaie (Kellnerportemonnaie soll es natürlich heißen) selbst. Und ein weißes Schürzchen habe ich schon gar nicht. Immerhin zog ich solche schwarze Kleidung an, wie ich sie zur damaligen Zeit für derlei Anlässe getragen habe (was real nicht wahr ist). Die schwarze Hose mit Satinstreifen ist mir zu weit geworden; was mich ein wenig überrascht. Dazu trage ich ein schwarzes Oberteil aus Pannesamt. Da ich es über dem Hosenbund trage, kaschiert es die Lockerheit. Kurz sehe ich mich in den dunkel getönten Schaufensterscheiben an der linken Seite des Bürgersteigs. Meine Erscheinung ist spießbürgerlich und zum Gähnen langweilig! Zumindest wenn ich mich wohlwollend betrachte. Ansonsten würde ich sagen: ich sehe einfach unmöglich aus! So kann ich eigentlich nicht zur Arbeit gehen!

Ankunft am Arbeitsplatz. Dieser befindet sich auf einem Platz unter freiem Himmel und gleichzeitig in einem Gebäude. Jackie, mit der ich damals zur Schule ging, ist bereits da, erscheint wie früher! (Real ist sie bereits vor Jahren gestorben…). Und dann erscheint auch mein Chef. Es ist der Geweyhte. Sogleich gehe ich zu ihm und berichte von all den Dingen die mir fehlen. Es ist mir etwas unangenehm, und ich fühle mich unsicher – wer weiß, wie er reagieren wird? Ich bin schlecht vorbereitet und sehe unpassend aus. Er lächelt, schließt mich mit vorsichtigen Bewegungen in die Arme, hält mich sachte und froh. „Aber das ist doch okay so.“, erwidert er sanft und hält mich weiter in den Armen. Ich fühle mich… so unbenennbar wohl und gut. Ich spüre eine stille allumfassende Liebe, die ihn durchdringt und sich durch unsere Nähe auf mich überträgt. Und dennoch wundere ich mich, dass er mich kein bisschen kritisiert, mich noch nicht einmal missbilligend anschaut.

Bald darauf entdecke ich in einem stillliegendem, kaum beleuchteten Raum ein freies Portemonnaie und nehme ich es an mich. Endlich habe ich etwas, mit dem ich anfangen kann! Gleich darauf finde ich auch den Lederbeutel. Ein Schürzchen findet sich jedenfalls nicht. Ich verlasse das Gebäude, komme auf eine Straße und gelange mit wenigen Schritten auf ein riesiges Straßenkreuz mit Hochstraßen. Es ist ein ödes Gelände, zur Zeit kaum befahren, vielleicht gerade erst neu entstanden. Vor mir geht Louisa, eine frühere Arbeitskollegin, und ich eile hinterher; möchte ihr doch etwas erklären! „Wir sind gerade erst nach Frankfurt gezogen! Deshalb habe ich noch kein Wechselgeld!!“, sage ich entschuldigend. So kann sie sicherlich nachvollziehen, warum ich so schlecht ausgerüstet bin. Sie schaut sich zu mir um, reagiert zwar auf meine Worte, aber zeigt nur Gleichgültigkeit und nicht das erhoffte Verständnis. Louisa sagt, sie habe Wechselgeld, und auch ich würde bald etwas haben. Ich müsse schließlich nur die ersten Gäste abwarten. Ein paar Mal kassieren und schon sei Wechselgeld in meinem Portemonnaie! Ach ja, so wird mir erst jetzt bewusst, Jackie und Louisa zogen ja auch einmal hierher nach Frankfurt – sonst würden sie hier ja nicht fest arbeiten – und hatten sicherlich ähnliche Probleme wie ich. Nun ist mir meine aufdrängende Entschuldigung mit einem Male peinlich.

Wieder zurück im Lokal. Es trifft eine Reisegruppe ein, die sich an vier Tischen verteilt. Jackie zückt Kugelschreiber und Block, um sogleich die ersten Bestellungen aufzunehmen. Oh, ich ahne, sie wird schnell sein! Und in den jüngst zurückliegenden Arbeitssituationen war ich immer zu langsam und kam zu spät, um noch eine sinnvolle Arbeit zu beginnen. Dieses Mal soll es anders sein! Schnell greife ich zu einem Block, der im Halbdunkel auf einem alten ovalen Tisch liegt. Mist, der ist schon voll beschrieben! Ich nehme einen anderen vom Tisch. Damit habe ich mehr Glück, der ist unbeschrieben. Damit stürme ich den naheliegendsten Tisch, um die Wünsche der Gäste zu notieren.

Zwei Männer am Tisch möchten ein Gericht mit Käse essen. Leider kann ich sie nicht ganz klar verstehen und muss mehrmals nachfragen, welches Käsegericht es genau sein soll. Ich empfange nur schwammige Informationen. Irgendwann ist es mir zu peinlich, noch einmal nachzufragen und überlege mir, ein Gericht in der Küche zu bestellen und dann darauf zu vertrauen, dass es das Gewünschte ist. Also: Greyerzer und Brot. Zwei andere Gäste am Tisch möchten schwarzen Tee trinken, und zwei Personen am Kopfende wünschen etwas ganz anderes, das ich nicht erinnern kann.

Bald darauf kehre ich mit den gewünschten Gerichten an den Tisch zurück und verteile alles. Den Beiden am Kopfende serviere ich zwei Hardanger-Deckchen, welche die Köche frisch nach der Bestellung extra fertigten. Die Gäste zeigen sich ziemlich enttäuscht über das Resultat. Dem Deckchen in Altrosé lässt sich die Eile der Köche ansehen, denn ein Teil des gestickten Mittelbereichs wurde ausgelassen. So kann ich die Enttäuschung nachempfinden. Dennoch sehe ich etwas, worauf ich das Paar noch hinweisen möchte: „Schauen Sie doch mal das Garn an, mit dem die Köche stickten!“ Es ist mercerisiertes Stickgarn, das von Diamantsplittern durchsetzt ist, wodurch es sich bemerkenswert strukturiert und stabil anfühlt, und gleichzeitig nahezu unscheinbar elegant wirkt. Die Verarbeitung geschah sicherlich in notwendiger Eile und führte zu einem mangelhaften Ergebnis, aber die Arbeitsmaterialien an sich sind von hoher Qualität. Das zweite Deckchen ist aus naturweißem Stoff und zum Teil in bunten Farben bestickt. Es wirkt etwas fröhlicher und griffiger. So lasse ich die beiden Gäste – die inzwischen nachdenklich wurden – mit den Deckchen allein.

Und serviere dem Paar vor den Fenstern den bestellten Flachbildmonitor. Gemeinsam mit ihnen sitze ich nun auf dem Boden. Der Flachbildschirm steht vor den großen Fenstern die einen Panoramablick auf nördlich gelegenes Küstenland gewähren. Die Fensterscheiben sind voller Regentropfen. Ich bin dabei, den Flachbildschirm mit einem Fön zu bearbeiten. Das gehört zum Service dazu. Der Monitor war von innen feucht geworden. Erst nahm ich einen kleinen Fön, der ziemlich turbomässig arbeitete, aber bei dem sich die Hitze nicht gut regulieren ließ. Mit diesem Fön jetzt – einem größeren Modell – verteilt sich die warme Luft besser. Offenbar war ich aber zu nahe am Bildschirm, denn es zeigen sich einige Stellen, die zu schmelzen begannen. Oje, hoffentlich ist das noch zu retten. Schnell ziehe ich den Fön zurück, woraufhin sich die dunklen Schmelzstellen langsam wieder auflösen – Glück gehabt!! Inzwischen ist auch die restliche innewohnende Feuchtigkeit verdunstet. Na, das hat gut geklappt!

Daraufhin frage ich die beiden Gäste noch einmal wegen des Käses. Aber auch jetzt bekomme ich keine klare Antwort. Vielleicht wollten sie geschmolzenen Käse, vielleicht auch Frischkäse. Aber vielleicht ist auch der Greyerzer recht.

An der Essensausgabe treffe ich wieder auf den Geweyhten. Ich schildere ihm mein Problem mit dem unklaren Verstehen. Wieder schließt er mich sanft in die Arme und meint ganz liebevoll: „Dann denke Dir einfach aus was gemeint sein könnte! Das ist dann schon das Richtige!“ Mich wundert seine Großzügigkeit sehr. Offenbar ist er immer noch zufrieden und einverstanden mit mir, so wie ich bin. Und Vertrauen scheint er auch zu mir zu haben. All das könnte mir Mut machen, wenn es nicht beim Wundern bliebe.

Kurz darauf gehe ich auf einen Mann zu, der ebenfalls in diesen Räumen präsent ist (seine Funktion ist unbekannt oder hält der Traum nicht für nennenswert) und alles Geschehen einfach nur betrachtet. Ich erzähle ihm, dass ich mich doch sehr darüber wundere, wie liebevoll der Geweyhte mit mir umgehe. Da erklärt er lächelnd: „ Der Geweyhte ist so froh über Deine Rückkehr!! Verstehst Du?!“ Es sei seine große Freude über meine Präsenz, die ihn über alle Fehler und Mängel hinwegsehen lasse, so als gäbe es diese gar nicht. So kann ich das nun alles besser nachvollziehen, aber seine Freude, nur wegen mir, verwundert mich nach wie vor.

Rand-Notiz:

Bis vor wenigen Träumen war „der Geweyhte“ nur ein Pseudonym für eine reale Person. Während der letzten Träume changierte diese Traumgestalt zu einer eigenständigen Person.

Die Hardanger-Stickerei scheint mir durch die Stichproben bei Dr. Schein ausgelöst worden zu sein.

Für heute reicht es – bin müde und gleich – > heia popeia. Vielleicht morgen Ergänzung.

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