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Stichologie

Beim Mitternachtsspiel von Dr. Schein wollte ich so gerne dabei sein.

Die Frage:

Was will mir dieser Traum sagen?

Dazu wählte ich den dicken Wälzer Seminare – Traumanalyse von C.G. Jung.


Die erste Stichprobe fiel auf S. 343:

„Das ist in einem gewissen Maß eine Kompensation. Aber die neue Tendenz wird anfangs durch das Faktum unterminiert, dass der Lebemann nicht sympathisch ist, er mag ihn nicht. Das ist der Ekel, den seine weltlichen Erfahrungen in ihm erregten. Obwohl er in dem Traum zu weit nach Süden gefahren ist, scheint er interessanterweise etwas eher Hohes und Legitimes zu suchen, etwas, vor dem er umkehren musste. Er geriet zu weit in den Süden, nicht zu weit in den Norden – der Lebemann ist nicht sein Ideal.

Dr. Deady: Er muss einen Kompromiss schließen. Er muss den Mittelweg finden. Was wäre das bei diesem Mann?“

Diese Frage erlebe ich als hilfreiche Antwort, wenngleich ich sie nicht – noch nicht – beantworten kann.

Für eine ergänzende Anregung suchte ich Antwort in: Genius und Dämon (Strukturbilder schöpferischer Menschen) von Thomas Ring. Und stach auf S. 219 (Kapitel Matthias Claudius) offenbar mit „spitzerer“ Nadel als zuvor:

„Spitzere Pfeile verschoss man von Weimar aus in den „Xenien“, mit welchem auch der Bote bedacht wurde, der einerseits Goethe in „Kunstgespinste und genialische Fratzen“ verirrt sah.
Erst später, unter dem Eindruck fremder Gewaltherrschaft, schwenkte der Grundton dieser für Claudius unerfreulichen Periode um. Der Tod seiner eigenen Tochter Christiane ließ ihn zu früherer Einfachheit und Kraft des Worts, die schon 1775 „Der Tod und das Mädchen“ entstehen ließ, zurückfinden.. Er nahm die nachmals von Edvard Munch bildnerisch gestaltete Stimmung angstgepresster Stuben vorweg:

Ach, es ist so dunkel in des Todes Kammer,
Tönt so traurig, wenn er sich bewegt
Und nun aufhebt seinen schweren Hammer,
Und die Stunde schlägt…

Doch das Tor zur freundlicheren Seite des Daseins war ihm nie für immer verschlossen:

Die Liebe hemmet nichts, sie kennt nicht Tür noch Riegel,
Und dringt durch alles sich;
Sie ist ohn Anbeginn, schlug ewig ihre Flügel
Und schlägt sie ewiglich.

Hier sehe ich des Todes Kammer in dem massiven Holzfass. Das Tor zur freundlicheren Seite des Daseins ist nicht für immer verschlossen, denn das Fass öffnet sich auf halber Höhe und zeigt es: ein Auge. Der Weg der Einfachheit scheint zumindest mir dabei behilflich zu sein, das Lebewesentliche zu erkennen.

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2 Antworten zu Stichologie

  1. Ich danke Ihnen, dass Sie sich haben animieren lassen…

    Werden Sie glauben, dass ich auch den Jung zunächst in der Hand hielt, um ihn zu durchbohren…?
    Allerdings hatte ich dann die Sorge, die ‘Wirklichkeit der Seele’ doch nicht zu treffen…
    Das Bild des Fasses als Todeskammer ist beeindruckend, ebenso wie generell Ihre Beschäftigung mit dem Traum und seinen Deutungen in der Lebenswirklichkeit!
    Den Weg der Einfachheit, den suche ich auch!

  2. REPLY:

    Edit: gelöscht