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Trauergesang

Traum vom 8. August 2009

Eine Hitze ist das die ganze Zeit!
Doch mit einem Male komme ich zu mir und mir ist, vor allem im Bereich der Schultern und Schulterblätter, richtig kalt. Dabei friere ich kein bisschen, spüre nur den fast beißenden Schmerz der fächelnden Kühle, die meine Haut durchdrungen hat.

Dann stehe ich am Bahnhof. Ländliche Gegend; vertraut, ohne den Ort benennen zu können. Hier fahre ich öfter ab, wenn auch in unregelmäßigen Abständen. Eine Fahrt durch die Weite der Hammewiesen bis vielleicht zum Teufelsmoor.

Während ich mein Rad am Fahrradständer präpariere, wechsele ich ein paar Worte mit dem Zauberer. Auch seine Freundin, die Puppenspielerin ist da, erledigt was hinter meinem Rücken. Ich stecke ein kleines dunkles Kunststoffrund – es erinnert an einen abzureißenden Verschluss von Tütenmilch – an sein am Lenker befestigtes Gegenstück; Druckknopfverschluss. Der Zauberer fragt, ob er helfen könne. „Ja, gerne!“ Wir unterhalten uns über die Strecke. Er staunt, wie viele Kilometer ich regelmäßig mit dem Rad zurücklege. Ah ja, das ist für mich nichts Besonderes. Mit der Zeit wurde es einfach zur Gewohnheit und es kostet mich keine Anstrengung, mal eben eine Strecke von siebzehn Kilometer zurückzulegen.

Am Rande des Bahnhofs steht so etwas wie ein Flohmarkttisch. Ins Auge fällt mir eine zurückgelassene Hülle aus Stoffen. Vermutlich die abgelegten Gewänder eines Muslimen. Links von mir stehen zwei jüngere Muslime mit langen bauschigen Rauschebärten vor dem Tisch und singen ein zutiefst trauriges Lied. Es wird immer trauriger. Nun ist es ganz klar: Die Stoffhüllen sind die Überreste eines Freundes der beiden Männer. Sie kommen wohl gerade aus der Moschee. Das Lied ist herzzerreißend und berührend. Ich kann nicht anders, als darin einzustimmen, wenn auch etwas zurückhaltend, um nicht aufdringlich zu sein. Und mit dem Singen beginne ich zu weinen – es weint mich von Innen heraus. Eine ganz sonderbare Trauer erfüllt mich; sie wird nur vom Mitgefühl gespeist, ohne eigene Beteiligung. Was, wenn die beiden Muslime mein Weinen bemerken? Ob sie es für berechnende Schauspielerei hielten? Sehr bewegt halte ich mit der Stimme zurück.

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