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Scheuende Pferde in Armenien

Traum:
Mondhelle Nacht in Armenien. Mike lenkt den offenen Wagen einen unbefestigten Fahrweg entlang. Wir überholen gerade ein zweites Pferdegespann auf der rechten Seite. Eines der Pferde – eine goldbraune Stute – beginnt zu scheuen. Sie fühlt sich bedroht durch den nahen Überholvorgang. Ihr Blick wild flackernd vor Angst. Wir müssen mehr Abstand halten, sonst müssen wir notgedrungen weiter nach rechts ausweichen, wodurch wir in die Stallungen gezwungen würden, die den Straßenrand säumen. Mike dehnt den Abstand aus – kaum merklich, aber dennoch fahren wir nun auf die Holzpfeiler der Stallung zu. Mit offenen Augen und die Luft anhaltend durchfahren wir diese Situation. Und finden uns in einer fast identischen Situation wieder. Wir überholen ein Pferdegespann. Vier Pferde, oder auch mehr, sind vor den Kutschwagen gespannt, der hüpfend den Weg entlang holpert. Wieder ist es ein goldbraunes Pferd , vermutlich eine Stute, das zu scheuen beginnt, als wir überholen. Noch deutlicher als beim ersten Male erkenne ich die derzeit leeren Stallungen zur rechten Seite. Am linken Fahrwegrand erhebt sich ein Berghang im schemenhaften Dunkel. Dort oben rastet eine armenische Familie – Eltern mit kleinen Kindern – in landesüblicher Tracht, bescheiden, fast ärmlich, und sichtlich lange getragen. Sie teilen das Brot miteinander. Und ich zeige zu ihnen, um Mike darauf aufmerksam zu machen. Es ist so, als machte es diese Familie richtig. So, als sei das der Weg, diese etwas unglückliche Situation mit den Pferden zu verhindern. Ich erlebe es als ausgesprochen unangenehm, die Pferde durch den Überholvorgang in Gefühle der Bedrängnis und Not zu bringen. Würde es so gerne anders machen. Und dennoch… genau die Pferdegespanne sind es doch, die uns von den Armeniern trennen.

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