Ziller

Traum:
Kurz verlasse ich das Seminargebäude am Ortsrand und gehe zielstrebig in den Sophie-Bötjer-Weg. Eine schwiegerväterliche Alte ist an meiner Seite. Es ist hier richtig dunkel. Nur ein paar Umrisse zeichnen sich vor dem nachblauen Himmel ab. Ein Müllwagen fuhr gerade in diese Straße ein, und parkt nun quer auf der Straße. Kein Vorbeikommen! Ich schaue von links, und von rechts, aber keine Chance. Wenn ich anfangs noch dachte, das Fahrzeug würde eh bald weiterfahren, so wird mir jetzt klar, dass es nicht so sein wird. Die Fahrer haben den Müllwagen verlassen. Davor steht noch eine Straßenkehrmaschine. Der Straßenkehrer fegt und schaut immer wieder zu mir her. Aufgebracht fordere ich dazu auf, bitte die Straße frei zu machen. Das passiert natürlich nicht – ist ja keiner da. Mit Murren und Meckern kehre ich um. Die Alte folgt mir, und wir machen uns auf den Weg zurück zum Seminargebäude. Als wir jedoch die Hauptstraße erreichen, geht die Alte nach rechts. Ich dachte, wir müssten nach links? Offenbar nehme ich an, dass die Alte es besser weiß, denn ich schlage ihren Weg ein. Da wird es schlagartig hell! Und nun können wir das Seminargebäude in der Ferne sehen. Der Weg nach links ist ja doch richtig, stelle ich verwundert fest.

Als wir zurückkommen horche ich – vom Warteraum aus – gleich zum Nebenzimmer hin, ob Moina noch schläft. Die anderen Seminarteilnehmerinnen sitzen auf Sofas beisammen (eine Szenerie wie aus den 50er Jahren). Die Frauen beobachten mich genau, geben untereinander Bemerkungen dazu ab. Einige zeigen sich hilfsbereit und bieten an, mir Bescheid zu geben, wenn Moina aufwacht.

Ich gehe dann eine Treppe hinauf, und in mein Zimmer hinein. Die Ruhe lässt mich etwas entspannen. Kaum angekommen, klingelt das Telefon. Als ich jedoch abhebe, höre ich nichts. Aufgelegt? Da spielt leise die vertraute Ansage des Anrufbeantworters; ich lege auf. Aus Erfahrung weiß ich, dass ich zu diesem Zeitpunkt keine Verbindung mit dem Anrufer herstellen kann. Bald darauf höre ich eine Männerstimme auf die Box sprechen. Es ist Udo (Ingo). Zwei weitere Männerstimmen sprechen. Offenbar haben sie sich etwas für mich ausgedacht, das sie in Form einer Radiosendung darbringen. Vor allem die unbekannten Männer sprechen wie wahrhaftige Radiosprecher – souverän und mit moderaten Stimmen. Ich höre der Unterhaltung zu und bin überrascht, als sie meine Moderation im Traumtempel loben. Ich muss grinsen, eine witzige Idee, mir dieses Lob in Form einer Radiosendung auf den AB zu sprechen. Naja, wirklich gültig ist deren Lob ja nicht… Seit einiger Zeit bin ich nicht so aktiv am Moderieren. Aber dass es dem Udo gefallen hat, das freut mich. Ich nehme den Telefonhörer hoch (er fühlt sich leicht an, liegt ganz zierlich in den Händen – anthrazit): „Hallo!?!“ Die Stimmen am anderen Ende verstummen… Udo scheint es unangenehm zu sein, dass ich – von ihm unbemerkt – live zugehört habe. Ich teile ihm meine Freude über diese Überraschung mit, worüber er sich freut.

Später, im Halbdunkel auf der Treppe des Elternhauses, sehe ich eine aufgerissene Verpackung. Es war aufgeschnittener Kochschinken drin. Auf dem Etikett stehen drei Männernamen – unter anderem Udo Ziller. Diese Wurstpackung mit dem extra hergestellten Etikett gehörte offenbar mit zur Radiosendung – war Bestandteil der Überraschung. Ich bin ganz verwundert, ein so schönes Geschenk bekommen zu haben, und ganz ohne Anlass.

Zurück im Warteraum des Seminarhauses. Moina ist inzwischen aufgewacht. Ich nehme sie an die Hand und trete ins Treppenhaus. Wir gehen runter. Auf dem ersten Treppenabsatz holt uns Mikes Hund (das Fell hat das Muster vom verstorbenen Kater Bilbo). Es ist ein kleiner Hund, ein Beagle. Da Mike nicht mehr da ist, folgt er uns und schnappt nach meiner Hand. Das darf doch nicht wahr sein! Er zwickt ja richtig zu!!! Das ist ja echt zu komisch… immer dann, wenn ich ausnahmsweise denke, ein Hund würde nicht beißen, dann schnappt er gerade zu! Vielleicht ist er sauer auf mich, weil Mike nicht mehr da ist. Vielleicht gibt es für ihn nun aber keinen Hinderungsgrund mehr, mich zu beißen. Zum Glück trage ich Angorahandschuhe. Dennoch, seine Zähne graben sich durch die Maschen, und wirklich geschützt bin ich dadurch nicht. Ich spüre Empörung darüber aufsteigen, dass sich der Hund so dreist benimmt. Zudem nervt es, nun womöglich diesen bissigen Köter an der Seite zu haben. Nie sicher sein zu können, dass er nicht doch wieder zuschnappt.

Rand-Notiz:
Als ich letztens wegen des Rot-Weiß-Rot-Traumes recherchierte, entdeckte ich das Foto von Felix Ziller. Es fiel mir deswegen auf, weil es einem Foto aus dem alten Album ähnelte, das ich kürzlich betrachtete. Nun also taucht der Name Ziller im Traum auf. Vielleicht soll das ein weiterer Hinweis meiner Traumkraft sein. Nur leider scheine ich ein großes Brett vorm Kopf zu haben.

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