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Seinen eigenen Kopf haben

Traum:
In der Mitte ein kleiner rechteckiger freier Raum – der aber keine Rolle spielen wird; nur bei der Ortsbeschreibung hilfreich sein soll. Um diesen Raum – vielleicht ist es auch kein Raum, sondern einfach nur Nichts – führt ein breiter Gang herum. An der linken Längsseite (von oben betrachtet) befindet sich eine Glaswand mit Glastür. In diesem Bereich sind einige vierzigjährige Arbeiter am werkeln. Sie sind alle sehr schlank, freundlich, haben dunkle glatte Haare und tragen einen blauen Overall mit einem aufgenähten weißen Schild auf dem Rücken. Mit einem dieser schlaksigen Arbeiter habe ich gerade eine… naja, man könnte sagen, ich habe damit eine Liebelei begonnen. Wobei es das vielleicht nicht trifft… – es bedeutet mir schon etwas. Er nimmt mich immer wieder in die Arme und wir schäkern lachend, und einander nah. Ich fühle mich wohl, mit seinem Lächeln und seinem innigen Blick. Doch irgendwann müssen wie ein jeder unsere Arbeit tun, uns voneinander lösen und unseren Weg gehen. Wir werden zueinander zurückkehren, immer wieder, das ist klar. So ist es dann auch. Und irgendwann gelange ich bei meinem Rechteck-Weg wieder an die Glaswand. Der schlaksige Arbeiter, und vielleicht auch ich, haben Schlüssel, um die Tür zu öffnen. Der Arbeiter hat mich längst bemerkt, die Tür geöffnet und eilt auf mich zu, mit offenen Armen. Am liebsten würde ich ausweichen, in diesem Moment, denn ich möchte doch auch meine Arbeit mal zu Ende bringen! Doch er möchte jede Gelegenheit nutzen, kommt offenkundig gar nicht auf die Idee es einmal zu unterlassen und einfach die Arbeit fortzusetzen. Es schmerzt mich ein wenig, als ich ihm nun auszuweichen versuche… Denn da ist die Sehnsucht, die spürbare, die anziehende. Enttäuschte ich den Mann jetzt, dann enttäuschte ich auch mich.

Der Moment ist vorüber und ich betrete ein kleines Zimmer auf dem Rechteck-Weg. Dort auf einem Tischchen steht eine würfelförmige durchsichtige Schachtel (etwa 15x15cm), in dem ein kleiner Kopf eingepackt ist. Der Kopf ist quicklebendig, bewegt sich, dreht quirlig mit den Augen und scheint zu plappern. Das Aussehen ist schwierig zu beschreiben: weder Kinder- noch Frauenkopf, eher eine Mischung aus beiden und mit nostalgischer Komponente. Tja, was soll ich damit machen? Es ist lebendig, also kann ich es nicht einfach ignorieren. Ich nehme den Kunststoffkarton hoch, so dass der untere Teil – der Halsstumpf also – auf meiner Handinnenfläche zu stehen kommt. Dabei spüre ich die Körperwärme und das Gewicht des Kopfes. Es ist ein etwas ulkiges Gefühl in der Hand, denn durch die Kopfbewegungen wackelt das Kistchen auf der Hand wie eine dieser Zauberbohnen aus der Kindheit. Vielleicht kommt ja bald jemand und ich kann besprechen, wie es mit diesem Kopf weitergehen soll.

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