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Zukunftsvision

Traum vom 9. August 2009

Gestern schwebten angesichts des bevorstehenden Umzugs noch drei Fragezeichen über meinem Kopf. Es erschien mir, selbst auf mein Traumleben bezogen, als so abwegig, unbesehen in ein Haus einzuziehen. Was soll denn so was???

Im lichten Dunkel der Nacht gehe ich die Straße entlang, die direkt zum Hauptbahnhof führt. Keine fünfzig Meter vom großen Bahnhofsgebäude entfernt, gelange ich an mein herunter gekommenes Haus am rechten Straßenrand. Es ist eine schöne Aussicht… vor mir die Vorderseite des Bahnhofs; die große Uhr mit den römischen Ziffern, am oberen mittleren Bogen der Vorderseite; von unten her angeleuchtet. Mein Haus liegt weniger im Licht, und dennoch wirkt es – obwohl so verlassen und wie kurz vor dem Abbruch aussehend – einladend auf mich. Es strahlt etwas aus, das mich anspricht, ohne dass ich es benennen könnte und wollte. Das Haus ist seit ewigen Zeiten in meinem Besitz; es liegt, meinem Ortsempfinden nach, am Platze des Einsiedlerwaldes.

Während der letzten Abende war ich in Begleitung eines guten Bekannten hier, habe mich umgesehen und überlegt, wofür ich dieses Haus nutzen könnte. Es gefällt mir. Die Front des Mittelteils steht etwas weiter vor, während die beiden seitlichen Gebäudeteile etwas zurückgezogen wirken. Das ist passend für mich! Der mittlere Gebäudebereich könnte öffentlich genutzt werden. Die beiden zurückgezogenen Seiten könnten einmal privat und einmal als Arbeitsräume genutzt werden. Toll, alles unter einem Dach. Ideal für kreative Projekte! Naja, allerdings sind die Räume in einem total herunter gekommenen Zustand… Der Staub liegt nach den Jahrzehnten ziemlich dick. Die Räume sind leer, bis auf einige Holzteile, die von irgendwelchen Gegenständen übrig blieben. Teils fällt der Putz von den Wänden. Für einen Augenblick tritt eine Person in Erscheinung, die meint: „Du kannst es nicht gut gebrauchen!“

Doch plötzlich füllen sich die Räume mit Leben… Bekannte von mir, von früher… Künstler, Kreative… Ich erkenne Dietmar Schönherr, Vivi Bach, Roselee, … sie alle stehen im Dämmerlicht der Räume und lassen diese auf sich wirken. Und wie ich sie so sehe, bekomme ich plötzlich eine Vision, die mich Feuer und Flamme werden lässt:
Ein Traumtheater für Künstler, die derzeit erfolglos sind; für Kreative, die die Welt mit ihren speziellen Arbeiten nicht will oder die ein Alkohol- oder Drogenproblem haben. Wir würden unseren Träumen eine Bühne geben. Nichts auswendig Gelerntes, sondern Improvisiertes! Begeisterung erfüllt mich, doch gleichzeitig habe ich große Hemmungen, meine aufsteigenden Ideen den Anwesenden mitzuteilen. Mag sein, dass es daran liegt, dass ich zwar diese Vision vor Augen habe, aber natürlich noch kein Konzept. So erzähle ich sehr zurückhaltend ein wenig, lasse auch meine Begeisterung nicht so an die Oberfläche kommen. Ich sage: „Leute, dann müsst ihr aber eure Träume aufschreiben!“

Unsere Träume wären nämlich die Grundlage unserer Arbeit. Ohne Träume gäbe es nichts in Szene zu setzen. Von den Anwesenden kommt keine nennenswerte Resonanz, die mich ermuntern würde. Dennoch steigen Bilder aus dem Innern auf, die mir Zuversicht geben: All das, was wir für ein Traumtheater brauchen, würde uns von Außen zufließen. Es gäbe Menschen, die so begeistert von diesem Projekt sind, dass sie gerne einen Teil dazu beisteuern. So kämen wir an die nötigen Kostüme und Requisiten. Ich müsste mich nicht einmal schwer darum bemühen. Von diesen Möglichkeiten begeistert, frage ich die anderen: „Hey, hat dieses Haus nicht einen idealen Standort für eine solche Sache? Reisende würden während des Weges in die Innenstadt darauf aufmerksam werden. Bei den Pendlern hätte dieses Haus bald einen Namen! Einfach weil die Menschen wegen des Bahnhofs hier vorbei kommen!“ Auch darauf kommt kaum eine positive Reaktion, sondern vielmehr Schweigen…

Dietmar Schönher wirkt nicht sonderlich motiviert. Dabei spüre ich genau, dass diese Lustlosigkeit eher in einem Alkoholproblem begründet liegt. Vielleicht hat er inzwischen mehrfach die Erfahrung von Misserfolg machen müssen, so dass er nicht mehr an Erfolg glauben und sich dafür einsetzen mag? Ich meine, tief im Innern würde er sehr gerne bei dieser Sache mitmachen. Aber ich traue mich nicht, ihn – ich zähle ihn zu den „alten Prominenten“ – zu ermuntern. Gerade ein Mann wie er wird ja sicher wissen, was er will. Meine Güte, welch eine Idee!! Inzwischen bin ich völlig von der Rolle, lasse davon immer noch nicht viel nach außen dringen. In meinem Bauch eine unerklärliche Gewissheit, die mir sagt: das ist das Richtige für mich! Dies, obwohl der Verstand mir längst Einhalt gebieten will, große Zweifel anmeldet und nach der vernünftigen Grundlage fragt. Na gut, ich weiß wirklich nicht, ob es Nachfrage gäbe. Aber die Vision zeigt mir, dass ich es einfach nur tun muss und es sich dann einfach entwickelt.

So versuche ich die ersten Schritte zu planen. Zögerlich und wortkarg kommen auch die ersten Gedanken der Kreativen und Künstler zum Ausdruck. Ich plane ein erstes Zusammentreffen mit allen, die bei dieser Sache gerne mitwirken möchten. Und wieder frage ich mich: Was soll es werden? Wie kann es sein, dass ich glaube, allein unsere Träume und unser Bedürfnis nach kreativem Ausdruck reichen aus, um eine umsetzbare Idee zu gebären?

Im Halbdunkel der Nacht überlege ich konkreter, wie die Räume meines Hauses genutzt werden können. Der Mittelteil bietet sich als Eingangsbereich an. In einem der zurückgelegenen Räume könnte das fruchtbare und lebendige Miteinander stattfinden.

In einem Gastraum stelle ich einen kleinen Tisch zusätzlich vor einige längere Tischreihen. Auf diesen kleinen Tisch stelle ich einen kristallinen Aschenbecher und überlege, dass hier nur zwei Personen Platz finden. Was aber, wenn die planmässige Versammlung zu Ende geht und sie dann noch bleiben möchten? Fänden diese beiden Personen dann noch einen Platz zwischen den Übrigen? Es könnte ein Problem geben. Aber ich möchte es darauf ankommen lassen. Irgendwie müssen wir ja anfangen.

In der Nacht hinter dem Haus der Älteren. Ein langer Tisch steht so luftig und sonnig mit vielen Künstlern drumherum. Wunderbar, wie viele gekommen sind! Ich bin so froh. Amy ist dabei, Roselee – der ich mein ‚e’ schenkte, woraufhin ich von Eingeweihten nur noch Mariann genannt wurde – und noch andere Vertraute aus der Zeit vor etwa dreizehn Jahren. Ach… ich erinnere mich, dass damals eine Frau mit von der Partie war, die heute fehlt… Sie ist gestorben, oder? Ach, sie brachte immer so eine Lebendigkeit und Zuversicht mit ein. Wirklich schade, dass sie nicht mehr bei uns sein kann. Es war so ansteckend, dass der Funke immer auf mich übersprang.
Amy meint voller Zweifel: „Na, da hätte ich Dich ja gerne mal erlebt…“

Doch, es ist schon so. Damals war ich in vielerlei Hinsicht unbefangener, einfach deshalb, weil ich bestimmte Erfahrungen noch nicht gemacht hatte. Heute bin ich nicht mehr so schnell zu begeistern. Mir fehlt ja derzeit auch noch das Konzept. Erst einmal muss ich alle unter einen Hut bringen, Aufgaben verteilen, die ganze Sache ins Rollen bringen. Eine gewisse Struktur als Grundlage, aber viel Freiraum zum Improvisieren sollte bleiben, damit sich die kreativen Energien frei entfalten können.

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