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Exotisches Vogelinsekt

Traum:
Mit dem Fahrrad von Mühlheim kommend, habe ich das nur wenige Kilometer entfernte Fischerhude erreicht. Im alten Ort steige ich ab, orientiere mich neu und überlege, in welche Richtung der Weg fortgesetzt werden sollte. Völlig unerwartet bietet sich eine bisher unbekannte Möglichkeit: es gibt zwei unbefestigte Fahrwege, die – anfangs parallel verlaufend, sich später voneinander entfernend – von der Dorfstraße fortführen und bald über Wald und Flur auf direktem Weg dorthin führen, wo ich hinmöchte.

Ankunft bei Keno. Begrüßung in seinem gemütlichen Arbeitszimmer. An den Wänden stehen Bücherschränke – bis unter die Zimmerdecke. Zwei Sessel; einer davon ein Ohrensessel aus weinrotem Leder. Keno hält eine Suppentasse – Serie ‚Wildrose’ von Villeroy & Boch – in den Händen und löffelt Früchtemüsli. In der Nähe der Zimmertür flattert ein exotischer Vogel, oder eher ein Fluginsekt umher. Sein Körper ist meisenzart und zierlich, türkisblaues Gefieder. Die Flügel haben ein weiß-schwarzes Gefieder, so wie auch die Schwanzfedern und ein Büschel auf seinem Köpfchen. Bemerkenswert sind die langen geschwungenen Fühler an der Stirn, ebenfalls schwarz-weiß behaart.

Keno bittet mich in ein Nebenzimmer, um mir etwas zu zeigen. Er geht voraus. Ich folge mit wenigen Schritten Abstand, der sich allerdings noch ausweitet. Um Keno folgen zu können, muss ich einen virtuellen Mann – es ist die Männerzeichnung aus dem 3D-Modellierprogramm Google Sketchup – mittels einem Joystick meinen Weg gehen lassen. Im Flur befindet sich ein etwas unübersichtlicher Fußgängerüberweg. Da der Mann von einer großen Kiste verdeckt wird, die direkt am Zebrastreifen steht, ist er für die Autofahrer nicht sichtbar. Es kostet an diesem Punkt etwas Zeit, ihn gefahrlos die Straße überqueren zu lassen. Zudem muss ich mich erst einmal an die Steuerung mit dem Joystick gewöhnen. Nachdem der Mann um ein paar Ecken gelotst werden konnte, erreichen wir das Nebenzimmer – ein ruhiges Lesezimmer, ähnlich dem Arbeitszimmer. Mit wenigen Worten erkläre ich Keno unsere verzögerte Ankunft, woraufhin sich seine fragende Haltung entspannt. Keno erzählt mir dann von dem Buch, das er gerade zu Ende gelesen hat. Vielleicht war ich etwas unaufmerksam, jedenfalls habe ich nicht den gesamten Buchtitel verstanden. „Roter Drache?“, frage ich, um mich zu vergewissern. Aber im gleichen Augenblick halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass Keno ein solch triviales Buch liest. „Roter Mond?“, frage ich gleich hinterher. Keno korrigiert mich – ohne dass ich den Titel des Buches erinnern könnte.

Keno sagt dann, er würde nun gerne wieder zurückgehen, da er sein Müsli noch nicht aufgegessen habe. Aber ja, na klar! Ich laufe schnell vor, und bin dann eine Weile allein im Arbeitszimmer. Warum hatte ich hier vorhin nicht gleich aufgeräumt? Na, besser jetzt erst damit beginnen als nie! Ich sitze dann vor einem Fenster auf dem Boden und beginne zu räumen. Überrascht sehe ich, dass hier ganz viele meiner Sachen liegen! Eine erfreuliche Entdeckung. So stapele ich die OH-Karten auf einen Haufen, sammele die Tarot-Karten ein, und entdecke, dass sogar mein Netzteil von meinem alten Notebook hier herumliegt. Und das Unterteil einer kleinen blauen Schachtel.

Ich fühle mich hier so wohl, dass ich überlege, noch länger zu bleiben. Allerdings fällt mir ein, dass ich mein Handy nicht mitgenommen habe. Und ich möchte Mike wenigstens mitteilen, dass ich hier bin, damit er mich nicht vermisst. Es ist auch so, dass ich kein Licht am Fahrrad habe. Zu dieser Jahreszeit wird es früh dunkel. Und ich bin nicht sicher, ob ich in Fischerhude den Heimweg finde, da mir dieser Nebenweg bis dato unbekannt war. Vielleicht könnte ich hier bei Keno übernachten? Gerade fällt mir meine alte, modern gestylte Taschenuhr in die Hände. Vage erinnere ich mich, dass diese Uhr niemals ging. Und ich habe ein schlechtes Gefühl damit, wenn ich Mike im Ungewissen darüber lasse, wo ich geblieben bin.

Keno, seine Ziehtochter und Moina kommen ins Zimmer. Keno ist erfreut und überrascht zugleich, als er sieht, dass ich hier zwischenzeitlich Ordnung schaffte. Und er fragt nach seiner Müslischüssel, möchte gerne den Rest essen. Ich reiche ihm diese, gehe dann weiter in den Raum hinein. Die Ziehtochter versucht gerade, den exotischen Insektenvogel auf Moinas Handrücken zu setzen. Während ich näher herangehe, bahnt sich ein Kreischen in meiner Kehle an. Mein Gesicht verzieht sich zu einer zurückschreckenden Miene, als ich die umhertastenden langen Fühler sehe. Die Unsicherheit hinter einem stolperigen Auflachen zu verbergen suchend, sage ich: „Ach, ich bin immer so blöd mit diesen Insekten, möchte immer gleich loskreischen! Tut mir leid. Wenigstens findet Moina noch einen unbefangenen ganz natürlichen Zugang zu diesen ungewöhnlichen Tieren!“ Interessiert und ohne jede Scheu lässt sie sich den unruhigen Vogel auf ihre Hand setzen. Mich schüttelt es innerlich, und es rieselt die Wirbelsäule rauf und runter.

Rand-Notiz:
Vor längerer Zeit im Internet entdeckt:
Roter Mond – die Zeit des Blutes

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