Home » Traumtagebuch » Glückseliges Schluchzen der Hausangestellten

Glückseliges Schluchzen der Hausangestellten

Traum:
Ich probiere mich in meinem alten Job in einem Landhaus. Das Klima an diesem Ort ist ausgesprochen entspannt und warmherzig. So wohltuend, dass ich die Tätigkeiten gar nicht als Arbeit empfinde.

An einem der kleinen Tische bittet eine Frau um einen Teelöffel. Unverzüglich reiche ich ihr das Gewünschte. Der Teelöffel ist von einem durchscheinenden Hauch Gold überzogen, Kanten und Löffelmulde sind weich gerundet; er liegt so angenehm in der Hand. Und es ist eine Freude ihn weiterzureichen.

Im Personalbereich treffe ich auf eine alte Schulfreundin: Franzi aus Hessen. Zumindest sieht diese Frau jener Schulfreundin so ähnlich, dass sie es sein könnte. Allerdings sah ich Franzi vor dreißig Jahren das letzte Mal. Ich lege meine Hand auf ihren Oberarm und bereite sie vor: „Gleich, wenn ich zurück bin, möchte ich Dich gerne etwas fragen!“ Sie nickt. Während ich weiterarbeite, überlege ich, dass sie es vielleicht doch nicht ist. Schaut ihre Nasenspitze nicht etwas rundlicher aus, als die von Franzi? Andererseits… als sie sprach, war es stimmig. Eben auch der hessische Dialekt, der nicht zu überhören ist. Franzi hatte auch zwei Leberflecken auf der Wange… Ich bin nicht sicher, ob meine Kollegin diese auch hat; darauf hatte ich nicht geachtet. Sie wären ein Merkmal zur Identifizierung.

Aus irgendeinem Grund gibt es keine Gelegenheit mehr, sie zu fragen. Allerlei kleine Verrichtungen lenken mich immer wieder ab. Vielleicht lasse ich mich auch gerne von ihnen ablenken. Ja, vielleicht wäre mir die Frage doch etwas unangenehm?

'cherie' von Traumzeit Der Abend ist spät, neigt sich dem Feierabend zu. Unser Chef – ein sehr freundlicher und warmherziger Mann mit mittelblonden Locken – zieht sich in seinen Privatraum zurück. Ich stehe draußen am Kaffee Verrückt, und kann ihn durch ein Fenster sehen. Dann wende ich mich meinem Fahrrad zu, das ich oben am Dach aus der Regenrinne holen möchte.

In der Küche. Franzi kommt hinein – sie ist die Tochter des Chefs. In ihrer Begleitung ist ein Bekannter zu dem sie sagt: „Sicherlich ist noch etwas Milch übrig, und mein Vater wird Dir schnell eine Kleinigkeit zubereiten.“ Als wir um die Ecke schauen, steht ihr Vater tatsächlich am Herd und bereitet eine kleine Speise aus den Resten. Jedoch ist diese Speise bereits vergeben. So ist es, und der Bekannte geht nun leer aus.

Ein Viertelstündchen später verrichte ich die letzten Arbeiten für heute. Ich fühle mich so gut, so warm, so feierlich. Der Chef war kurz gegangen. Ich trete an eines der Fenster und halte Ausschau… Ein Blick nach links, da sehe ich den Chef zurückkehren. Er geht eine vorweihnachtliche Straße entlang. Und ja, er ist etwas Besonderes. Sicherlich über zwei Meter groß und seine weichen Locken lassen ihn aus der Masse herausragen. Schnell trete ich vom Fenster zurück, damit er mich nicht bemerkt.

Nicht nur ich, sondern auch die anderen Angestellten schätzen unseren Chef sehr. Einen solch warmherzigen und verständnisvollen Mann, der zudem nachsichtig und großzügig ist, als Chef zu haben, das ist schon ein Geschenk! Wir teilen uns gegenseitig mit, wie sympathisch wir unseren Chef finden. Wir halten jetzt auch die Hausprospekte in den Händen, die der Chef gerade neu gestaltet hat und vorhin zur Ansicht verteilte. Alle Angestellten um mich her schluchzen tief ergriffen, als sie es betrachten. „So ein lieber und guter Chef!“ Der Prospekt in unseren Händen ist in tiefen Farben gestaltet. Große tiefrote Kirschen verteilen sich über das Blatt, verschwimmen in nächtlichem Schwarz. In zierlichen weißen Buchstaben ein paar Anmerkungen zu diesem Haus. Der Prospekt ist zweimal gefaltet; innen könnten die Preise stehen, und weitere Informationen. Alle Angestellten sind tief berührt von der Schönheit dieser Karte, die gleichzeitig so viel Liebe in sich trägt. Das glückselige Schluchzen schwillt an. Und ich schluchze auch; es rollen sogar erste Tränen über die Wangen.

Während ich bis zu diesem Augenblick meinen Gefühlen einfach Ausdruck gab, beginne ich mein Erleben jetzt jedoch zu hinterfragen… Nicht nur die anderen schluchzen, sondern auch ich?? Hmm, all diese Rührseligkeit… Man könnte ja fast glauben, dass sich sämtliche Damen in den Chef verliebt haben?! Wenn es nicht so abwegig wäre – eben weil dann auch ich davon betroffen wäre – dann hätte ich kaum mehr Zweifel an der Richtigkeit meiner Überlegung.

Tags:

4 Antworten zu Glückseliges Schluchzen der Hausangestellten

  1. Ich glaube, das gibt es wirklich nur in Träumen! *mit.schluchzt*

    Lieben Gruß,
    Favonia

  2. REPLY:
    *ein Taschentuch rüberreicht*
    Am Anfang war der Traum…, denke ich mir jetzt mal optimistisch. ;-)

  3. Ich finde es schön, dass du mit deinem “inneren Chef” so zufrieden und so hingerissen bist … Vielleicht kommt aber auch die Hoffnung auf einen angenehmen Chef in der Wirklichkeit zum Ausdruck, aber auch die Möglichkeit eines angenehmen Arbeitsverhältnisses? Viel Glück wünsche ich dir!

  4. REPLY:
    Liebe Dachsfeder, vielen Dank für Deine Anregungen!
    Innerer Chef. Über diese BeDeutung habe ich auch nachgedacht. In der Vergangenheit war ich eher streng und unnachsichtig mit mir. Vielleicht weist der Traum auf ein Veränderung hin, oder fordert zu dieser auf. Es täte mir ja auch gut, wie im Traum spürbar war. Aber das Schluchzen am Ende…. ist das nicht etwas arg kitschig?? :o)