Home » Traumtagebuch » Schlüsselqualifikation

Schlüsselqualifikation

Traum:
Herr Snyder überreicht mir den Schlüssel für die neue Wohnung. Es ist ein großer Messingschlüssel mit einem Griff aus filigranen Schnörkeln die sich zu einem abstrakten Herz verweben. Anschließend hängen wir gemeinsam eine weiße Zimmertür in ihren Rahmen. Während wir das Bandoberteil über den Bolzen gleiten lassen, bemerke ich, dass eine Hälfte des Türbandes mit weicher blauer Plastikfolie ummantelt ist. Es lenkt meinen Blick immer wieder dorthin, nur kann ich diese Auffälligkeit nicht einordnen; es beunruhigt mich auf lästige Weise.

Später sitze ich mit einigen Frauen zusammen an einem niedrigen weißen Couchtisch. Ein Haufen geformter Schnipsel ist darauf ausgebreitet. Als nächstes steht vermutlich die Verarbeitung an, über die wir gerade meditieren. Ich halte einen abgegriffenen, großen und schmalen Pappreif in den Händen. Ein Rest Kreppklebeband ist noch drauf. Damit könnten die einzelnen Schnipsel verbunden werden. Vermutlich brauche ich nur ein Stück Klebeband von der Rolle lösen, und schon bleiben die ersten Schnipsel ungewollt daran kleben – in irgendeiner Unordnung.

Weit hinten, am anderen Ende des Raumes, öffnet sich die Tür. Der Worpsweder Millionär tritt ein, stellt sich dann zu uns. Sein Blick fällt auf einige Loseblätter, die neben den Schnipseln liegen. Es sind bebilderte Artikel über Worpswede. Voller Mitgefühl fragt er: „Na, hast Du nun doch Heimweh nach Worpswede?“ Ich erkläre ihm, dass es nicht meine Blätter seien, sondern diese Moina gehören. „Sie schaut sie sich gerne an.“ Er teilt mir dann in wissenschaftlichen Worten seine Ansicht darüber mit. Erwähnt dabei auch den Begriff ‚Sozialkompetenz’. Das ist es! Jetzt verstehe ich, warum er Millionär – im Sinne von ‚Professor’ – werden konnte: er hätte ebenso gut von Kompetenz sprechen können. Aber er präzisiert es: Sozialkompetenz. Und das, ohne darüber nachdenken zu müssen! Sowohl sein Abstraktionsvermögen als auch sein Differenzierungsvermögen befähigten ihn dazu Millionär zu werden! Ich habe den Eindruck, hiermit etwas ganz Wesentliches verstanden zu haben.

Gleichzeitig fällt mein Blick auf seine Schuhe und Socken. Es sind orthopädische Spezialschuhe aus braunem Leder. Sie sehen sehr fest aus. Die Socken sind nebelblau, leicht meliert. Die Hosenbeine kurz; vielleicht hat der Millionär gerade die Hände in den Hosentaschen und zieht daran. Jedenfalls sind die Socken gut zu erkennen. Ich höre seine Stimme. Und langsam wird mir bewusst, dass er mir heute viel sympathischer ist, als es bisher der Fall war. Es mag sicher auch an seiner Stimme liegen, die von Wärme und Herzlichkeit getragen wird.

Plötzlich läuft Moina an mir vorüber. An ihrem Gesichtsausdruck ist zu sehen, dass sie irgendwas hat. Ich bemerke den kleinen Jungen erst, als Moina an ihm vorüberläuft. Er schaut Moina an, und beginnt daraufhin erbärmlich zu weinen. Ein eigenartiges Kind… es bringt Moinas Gefühle, ihren Kummer und Schmerz zum Ausdruck? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Moina wirklich so traurig ist. Nun schwillt sein Weinen herzzerreißend an. Betroffen und voller Sorge eile ich Moina hinterher, um herauszufinden, was sie hat.

Moinas Weinen weckt mich.

Tags: