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Im Mandala-Dom

Traum:
Nach längerer Reise. Ankunft im neuen Zuhause. Es ist ein Zimmer in einem größeren Gebäude. Eine einfache Kammer – Fußboden aus dunkelroten Natursteinen, ein schlichter Holzhocker, ein Tischchen, ein Schrank.

Noch während ich meine Sachen ablege, eilt die Vormieterin herbei. Es gibt ein paar Dinge in diesem Raum, dir ihr viel bedeuten, aber nicht zu ihrem persönlichen Besitz zählen. Dinge, die zu diesem Raum gehören. Ein letztes Mal möchte sie es noch einmal berühren… sich berühren lassen. Nachdem die Frau einen kleinen Schuh aus Messing vom Nachttischchen nahm, und noch einmal seiner Energie nachspürte, hockt sie sich nun vor dem kleinen Tisch hin, auf dem eine alte Messingschale steht. Die Schale hat einen breiten flachen Rand mit eingraviertem Strichlinien – kreuz und quer. Die Frau legt die Arme um den Schalenrand, und ihre Wange auf den Rand. Mit geschlossenen Augen lässt sie sich von den Schwingungen der Schale durchströmen. „Haben Sie die Energien dieser Gegenstände schon wahrgenommen?“, fragt sie sanft. „Nein…“, antworte ich zögernd. So, wie ich es momentan verstehe und wahrnehme, könnte es sich um eine Art gesegnete Gegenstände handeln. Und wenn sie es sagt… Sie deutet unbeschreiblich kraftvolle Schwingungen an, die diesen energetisch aufgeladenen Objekten innewohnen. Ich erzähle ihr, dass ich empfänglich dafür sei und es gewiss spüren werde, wenn ich mich erst darauf einlasse.

Als die Frau fort ist, schaue ich mich weiter um. Und erkenne erst jetzt die Lage meines Zimmers. Der Raum erstreckt sich viele Meter weit zu einer Mitte hin, verjüngt sich dabei uhrglasförmig, dehnt sich im weiteren Verlauf wieder aus. So ist gegenüber ein weiterer Raum dieser Art zu sehen. Mein Raum ist in orangerot gehalten, der gegenüberliegende in kardinalblau. Die Farben entstanden durch die Zuordnung der Himmelsrichtungen: Kardinalblau für den Westen, Orangerot für den Osten. Es gibt noch zwei weitere dieser gegenüberliegenden Raumpaare, ebenso geformt und je in einer bestimmten Farbe gehalten: Gelb, Grün, Blau und Violett. Der jeweilige Achsenmittelpunkt jeden Raumpaares findet in einer Mitte zusammen, von wo der Zutritt in alle Räume – sie liegen strahlenförmig angeordnet – möglich ist.

Anfangs ist mir etwas unbehaglich, ich dachte ja, ich könne hier mehr für mich sein. Nun aber sehe ich dort hinten – jenseits des Zentrums – die lautlosen Schemen der Kirchendiener. Sie könnten jederzeit und ganz selbstverständlich meinen Raum betreten. Mein Blick schweift umher… die Zimmerdecke wölbt sich von der Außenwand zur Mitte viele, viele Meter weit nach oben zu einer Kuppel. Ein Gewölbe, das von leisem Raunen erfüllt ist. Fast möchte ich es für eine Kathedrale halten, wenn auch der Prunk fehlt. Gleichzeitig ein abwegiger Gedanke, da ich nicht in heiligen Hallen wohne.

Mandala Dom - SkizzeNahe dem zentralen Bereich, also nahe dem Achsenmittelpunkt, kann ich überall Spalten in den Wänden sehen, die einen Blick in Kammern gewähren, die zwischen den Achsen-Räumen gelegen sind. Zu diesen Zwischen-Räumen gelangt man nur von außen. Alle sechs Achsenräume, und auch die sechs Zwischenräume haben eine Eingangstür an der Außenwand. Der Grundriss des Gebäudes dürfte zwölf Segmente aufweisen. Die Zwischen-Räume sind etwas kleiner, da sie sich von der Mitte abgrenzen, vielleicht wäre das etwas für mich… zum Zurückziehen. Mal sehen, ob sich da später mal was machen lässt.

Inzwischen wird mir klar, dass der Grundriss dieser Räume einem Mandala gleicht. Und ich spüre nach… Die für einen Wohnraum gewöhnliche Höhe der Außenwand, die sich erst zur Mitte hin in sanftem Schwung zu einer Kuppel ausdehnt, vermittelt das Gefühl, mich in einem sehr tragfähigen Grundstock aufzuhalten. Die Kuppel vermittelt ein Gefühl von Leichtigkeit und Weite… vielleicht soll diese noch ausgebaut werden. Damit hätte ich keine Bedenken, die Basis dürfte das tragen.

Szenenwechsel:
Unter freiem Spätsommerhimmel stehen Tische. L-förmig angeordnet, etwa fünf Frauen sitzen daran. Unter anderem auch die Vormieterin, die übrigens meiner früheren Therapeutin vage ähnelt. Ich stehe innen im L. Jede der Frauen hat bereits eine Glasschale oder ein Dessertglas vor sich stehen, die ich kurz zuvor mit roten Waldbeeren und Vanille-Joghurtcreme füllte. Nun träufele ich mit einem Esslöffel noch einen orangefarbenen Saft über jedes Dessert. Das sieht appetitlich aus, und es ist zudem gesund. Es ist Sanddorn- oder Schlehensaft. Die Vormieterin merkt an, dies komme ihr gelegen, sie brauche dringend Vitamin C.

Szenenwechsel:
Wieder zurück am Mandala-Dom – später Abend oder Nacht. Direkt neben dem Gebäude führen Treppen in einen unterirdischen Bereich. Heller Kerzenschein strömt durch den Gang nach oben, erhellt den Vorplatz… feierlich. Unten am Treppenabsatz sehe ich den Geweyhten stehen: ein dunkler Schemen im Licht. Er schaut nach oben, wartet auf meine Ankunft – wir sind verabredet. Es fühlt sich ganz selbstverständlich an, wie ein alltäglicher Gang nach dem Tageswerk.

Doch jetzt treffe ich hier oben am Treppenabsatz einen lieben Freund. Er trägt ein rot-schwarzes Holzfällerhemd aus Wolle. Gemeinsam mit ihm gehe ich die Treppe hinunter – ein wenig ausgelassen und vergnügt. Unten angekommen, umarme ich meinen Freund zu Begrüßung, spüre den warmen Hemdenstoff so angenehm unter den Fingern, streichele seine Schultern, während wir uns leise wiegen und aneinander schmiegen. Mein Freund ist bemerkenswert groß. Meine Arme umschließen auf bequemer Höhe seine Taille, mein Kopf lehnt unten an seiner Brust. Der Geweyhte steht hinter meinem Freund, schaut unserer Begrüßung zu und verdreht gespielt genervt die Augen. ‚Dass sie immer so kapriziös sein muss…! Ja, ich weiß, dass ich mit ihm verabredet bin und wir unseren allabendlichen Weg vor uns haben. Aber da es nicht drängt, zögere ich diese Umarmung hinaus. Sie ist von so viel Heiterkeit und Leichtigkeit getragen. Die Begrüßung des Geweyhten wird zwar ähnlich herzlich sein, jedoch nicht so verspielt, sondern mehr von Respekt und Ernst getragen.

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