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Pferdemann und Cola-Lokus

Traum:
Therapiestunde. Das Sprechzimmer liegt im Halbdunkel – nur spärlich dringt Tageslicht durch die grünen Büsche, draußen vor dem Fenster. Rick sitzt vor dem Schreibtisch, meine Therapeutin rechts neben mir auf der Pritsche. Wir sind im Gespräch, während Rick, der mich heute begleitet, schweigt.

Einblendung:
Sonniger Herbsttag. Ein langes gerades Straßenband, sanft ansteigend, mündet am Horizont in einen weißen Türrahmen. Mittendrin steht der große Pferdemann. Er ist von aufrechter Statur, nur zu diesem Zeitpunkt leicht gebeugt, da er größer als der Rahmen ist. Aufrecht, mit festem Stand auf zwei ausgesprochen großen Hufen. In der Taille gehen die beiden Hinterläufe – das Fell ist goldenbraun – in einen sehr muskulösen menschlichen Oberkörper über. Ein urtümlicher Mann mit groben Gesichtszügen und dunklem borstigem Haar. Sein Tun ist außerordentlich kraftvoll! Heute war er damit beschäftigt, seinen großen Acker am rechten Straßenrand – er liegt noch vor dem Türrahmen – zu bewirtschaften. Ein sattes goldgelbes Ährenfeld wogt leise im Wind.

Er steht im Türrahmen, sein Hund tobt ausgelassen um ihn herum: ein kraftvolles Tier mit dem Fell eines Golden Retriever. Gleich hinter dem Türrahmen kreuzt eine Straße. Der Pferdemann wird sich nach rechts wenden, und dort um das nächste Ackerland kümmern. Rick und ich werden bald den Türrahmen erreichen, und der Hund macht mir Sorge. Vielleicht ist er angriffslustig, und wenn wir uns im Türrahmen begegnen, dann wird es eng, was uns vielleicht zur Falle werden könnte. Deshalb bitte ich Rick um Vorsicht!

Wieder im Gespräch mit der Therapeutin:
Sie hört interessiert zu, merkt nun mit forschendem Blick auf, so als sei ihr etwas aufgefallen. Oder als sei ihr mit einem Male klar geworden, wo der Kasus Knacktus liegen was der Pferdfuß sein könnte. Wissend fragt sie: „Gibt es irgendwas in diesem Zimmer hier, das Sie an Rick erinnert?“ Ich schaue mich um… oh ja, ganz spontan könnte ich vieles benennen. Ja… eigentlich ist es alles hier, das gesamte Zimmer. Ich spreche es nicht aus, um Rick nicht vor den Kopf zu stoßen. „Kommen Sie bitte mit!“, fordert die Therapeutin auf, die mein Zögern offenbar richtig verstand.

Kaum im Nebenzimmer angelangt, ermahnt sie mit verhaltener Stimme, aber dennoch eindringlich: „Sie dürfen das auf keinen Fall wieder tun: ihn zur Vorsicht gemahnen!!“ Oh, das ist etwas, worauf ich nie gekommen wäre…
Dann beantworte ich ihre Frage: „Alles im Raum erinnert mich! Um das zu ändern, müssten wir das ganze Zimmer komplett leerräumen.“ Die Therapeutin nickt… so in etwa hatte sie sich das schon gedacht. Nun ja, mir ist ganz klar, das dies nicht umzusetzen ist, nur um den weiteren Therapieverlauf zu begünstigen.

Inzwischen ist eine weitere Patientin eingetroffen und nimmt wartend Platz hier im Nebenzimmer. Ich war eh im Begriff aufzustehen, wenngleich mir nicht ganz klar ist, wie es hier jetzt weitergeht. Die Therapeutin hat den Raum nämlich verlassen, aber ohne mich in das Sprechzimmer zurückzubitten oder mich zu verabschieden. Zwar registriert sie meine Anwesenheit, aber ohne sich mir erneut zuzuwenden. Vielleicht ist die Sitzung zu Ende? Aber hätte sie sich dann nicht von mir verabschiedet? Jedenfalls wäre es jetzt eine gute Gelegenheit die Toilette aufzusuchen. Nebenbei bemerkte ich nämlich, dass eine Toilette im Zimmer steht: ein Colaautomat im typischen Coca-Cola Style. Ähnlich einem Getränkeschacht hängt vorne dran ein kleines Becken. Hm, nun ist ja die nächste Patientin schon hier. Es wäre nicht sehr rücksichtsvoll, wenn sie das Plätschern mit anhören müsste. Hmm hmm… Wenn ich nur wüsste, ob die Therapeutin sich nochmals Zeit für mich nehmen wird!?!

Artgenossen:
Das archaische Pferd und sein Herr
Kentauren
Pferdefleisch, englisch

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