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Goldregen

Traum vom 6. Dezember 2009

In meinen Händen das Werbeblatt eines Möbelhauses. Auf der Vorderseite abgebildet, eine neues Modell für kleine Wohnräume: eine Couch (Zweisitzer), die sich zum Schlafplatz umfunktionieren lässt. Es ist eine Couch mit edlen Lederpolstern in den Farben Aubergine, Edelgrau und Weinrot. Mir gefällt die Farbzusammenstellung ausnehmend gut. Allerdings finde ich die Couch total blöde. Um die vielen, für doppelten Schlafplatz notwendigen Polster auf möglichst kleinem Raum unterzubringen, ist ein Großteil davon auf einem der beiden Plätze hoch gestapelt; fällt als Sitzplatz also schon aus. Andere Polster sind mehrfach an einer Armlehne angebracht. Total unästhetisch. Wirklich praktisch finde ich es auch nicht.

Dann stehe ich direkt im Loft, vor der Nische mit diesem Verwandlungssofa. Da Vinci, mein Mann, kehrt von einem anstrengenden Tag im Erdhügel heim. Aus diesem Grund habe ich flugs alle schwarzen Lederpolster auf dem Boden der zweiten Nische verteilt, damit wir uns gleich darauf legen können. Doch Da Vinci meint, er wolle gar nicht liegen, sondern sich ausruhen. Nun habe ich ihm diese Möglichkeit genommen. Da er so erschöpft ist, greife ich unterstützend an Nacken und Lendenwirbelsäule, ziehe ihn zu mir auf das Lager, damit er sich ausruhen kann. Er zeigt sich widerwillig, widerstrebend geradezu. Auch begrüßt er mich nicht, schaut mich nicht an, keine zärtliche Geste, kein Kuss, nichts dergleichen. Mich macht es ganz traurig. Liebt er mich denn gar nicht? Da Vinci geht weiter nach rechts (Galerie) und ich kehre zum Eingang zurück. Dort, wo vorhin das Schaustück vom Möbelhaus stand, liegen nun schwarze Lederpolster ausgebreitet. Gesäumt von Männern mit Kameras. Fernsehen. Dort auf den Polstern werden sich junge Akademiker niederlassen und zu einem bestimmten Thema diskutieren. Dies sind die Vorbereitungen. Einer der Kameramänner gibt Zeichen, ich möge das Licht einschalten. Okay. Nach Betätigen des ersten Schalters gehen ein paar Wandleuchten an. Altmodische Dinger wie aus den Siebzigern. Wirkungsvolles Licht schenken sie nicht, so dass ich auch den zweiten Schalter drücke. Daraufhin gehen – zu meiner großen Überraschung – einige Leuchten an, die in der Luft nahe den Wänden schweben: riesige Eiskristalle aus Plastik, von innen beleuchtet. Diese kommen so unerwartet, dass ich sie im ersten Moment geradezu wundervoll finde. Nur leider spenden sie auch keine Helligkeit. Man bräuchte direktes Licht auf das bald folgende Geschehen. Aus unerfindlichen Gründen ist es mir nicht möglich, eine direkte Beleuchtung einzuschalten und der Kameramann winkt genervt ab. War ich bis eben noch voller Begeisterung und Freude, so wird diese ähnlich dem Licht, das ich nun ausschalte, stark herabgedimmt. Betrübt und bedrückt.

Ich sitze in einem Cabrio. Am Steuer eine Blondine mit Barbiebeinen. Sie rast direkt auf einen Tisch am Rande der Straße zu. Straßencafe. An einem Tisch sitzen ihr bekannte Männer. Zack sind wir da, die Blondine bei den Männern am Tisch. Für mich ist das nichts. Was soll ich da. Deshalb kehre ich ihnen allen den Rücken und schreite in Richtung Straße. Dabei werde ich mir meines Körpers stark bewusst. Wie weit ausholend meine Schritte sind, wie lang meine Beine und wie schwungvoll die Hüften geformt. Meine langen blonden Haare flattern hinter mir her. Ich fühle mich jung und elastisch, durchtrainiert, nehme gleichzeitig mein Gesicht wahr, so wie es wirklich ist. Das Gesicht einer bald Fünfzigjährigen, die Haut schlaff, die Gesichtszüge weich. Es macht mir nichts und es ist kein Widerspruch, das Erotische und mein fortgeschrittenes Alter.

Mit der Blondine an der linken Seite zurück im Loft. Dort befindet sich mitten im Raum eine Art Kassenhäuschen. Amy ist dort am Arbeiten und fragt nach der Kreditkarte. Ich gehe hinüber in einen unbelichteten Bereich, sehe die grau melierte Karte dort liegen. Ein iranischer Männername steht darauf und Amy meint, es könne nicht meine Karte sein. Doch doch, es ist meine Karte. Genauer die Karte meines Mannes, auf die er mir Vollmacht gegeben hat. Zwar wundert auch mich, dass es ein iranischer Männername ist, aber vielleicht ist es der Name der Versicherungsagentur, die diese Kreditkarte ausgestellt hat? Es bleibt keine Zeit darüber nachzudenken.

Inzwischen hat das Kamerateam an den Ort, wo ich gerade die Kreditkarte in der dunklen Ecke fand, die schwarzen Lederpolster verlegt, weil das geplante Ereignis nun dort stattfinden wird. Die Vorbereitungen sind weit gediehen. Es regnet unablässig Goldflitter. Eine Frau in den Vierzigern, Typ blonde Geschäftsfrau, steht im Goldregen. Mit geschlossenen Augen, den Kopf in den Nacken gelegt, die Arme ausgebreitet, lässt sie sich die Goldflitter sogar auf den weich geöffneten Lippen zergehen. Sie genießt es wie schmelzenden Schnee auf der Zunge. Es sieht feierlich und echt aus, sie genießt es wirklich. Dennoch finde ich es ziemlich theatralisch, wie sie da steht – auch wenn es nicht ihre Absicht ist. Ihre Haare sind voller Goldflitter. Mir wird angedeutet, ich solle mich ruhig dazu stellen. Aber nein, dieser künstliche Goldregen und wie soll ich es später aus den Haaren waschen? Auch möchte ich nicht so im Mittelpunkt stehen und einen Auftritt haben. Und dennoch berührt mich die Hingabe dieser Frau ganz tief und zart. Sie ist ganz dieser Moment.

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