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Am Ende einer langen Reise…

Traum:
[...] Eine Reihe von Begegnungen und Ereignissen liegen bereits hinter mir… – die ich leider nicht mehr erinnern kann – auf dieser langen Reise mit Bus und Bahn.

Im Bus mit überwiegend weiblichen Rundreisenden. Vor wenigen Stunden durchfuhren wir schon einmal Worpswede. Da bemerkte ich auch die Worpswederin – sandblond, Mitte Vierzig, schlank – die geistesabwesend und gedankenverloren auf dem Fußweg vor dem Casa Medico stand. Ihr Blick war gesenkt. Ein Zeigefinger lagerte nachdenklich über dem Herz ihrer Oberlippe.
Nun geht die Fahrt wiederholt diese Straße entlang. Kurz vor dem Atelier Hemberg – gegenüber dem Casa Medico – sehe ich die Worpswederin leblos in der Gosse liegen. Eine Passantin steht auf gleicher Höhe, ohne die Leblose bemerkt zu haben – ein dunkelgrüner Busch trennt den Blick dorthin Die Reisende links neben mir fragt, ob die Frau in der Gosse tot sei. Ja, ich denke, sie ist tot. Ein friedliches Gefühl tritt ein, als ich es so in Worte fasse. Von der Toten weiß ich, dass sie eine Obdachlose war. Ja, sie ist tot, denn das ist der ganz natürliche Weg, den auch sie gegangen sein wird. Währenddessen gleitet der Bus langsam an diesem Ort vorüber.

Wieder in einem kollektiven Reisemobil. Mike sitzt vor einem Tisch, auf dem Lampen aufgebaut sind. Von innen beleuchtete Lampen und Teelichthalter aus Salzkristall, Rosenquarz oder weißem Edelstein. Dazu gehören, aus gleichem Material, kleine Würfel, die von einem schwarz bedrucktem Blister-Rand (Marke Leonardo?) geschützt werden. Mike hat ein Los erworben und nun wird es sich zeigen: Er hat Glück, darf Lampe, Teelicht und Würfel wählen. Er entscheidet sich für die Objekte aus weißem Edelstein. Diese Szene wird von meinem starken Wunsch begleitet, er möge sich doch für die Serie aus Rosenquarz entscheiden!

Die Begegnung zwischen Mike und der Losverkäuferin gestaltet sich höflich und freundlich. Ein mitreisender Ausländer – etwa Vierzig, in dunklem Anzug und hellem offenem Oberhemd, dunkle Haare, Brille mit feinem dunklen Rand – beobachtete die ganze Zeit das Geschehen, machte sich auch einige Notizen bezüglich Mikes Verhalten, an welches er sich gerne erinnern möchte. Er spräche noch nicht gut deutsch, erzählt er mir leise, lächelnd. Mikes Höflichkeit möchte er sich während des Lernens unbedingt als Vorbild nehmen.

Zwischendrin hatte ich den Bus für eine Viertelstunde verlassen. Bei meiner Rückkehr finde ich meinen Platz auf der Rückbank besetzt vor. Ein CDU-Politiker in dunklem Anzug sitzt dort, wo eigentlich Moina und ich sitzen würden. Der Bus ist sehr voll. Wir müssen alle zusammenrücken, so überlege ich; weder möchte ich den Politiker verscheuchen, noch möchte ich darauf verzichten, meinen Platz wieder einzunehmen. Auf meine Bitte hin entsteht eine schmale Lücke zwischen Mitreisenden und Politiker, wo ich mich hineingleiten lasse. Der Politiker wirkt überraschend sympathisch. Nur komme ich nicht auf seinen Namen… ist es der Gesundheits- oder Innenminister? Wie war bloß noch sein Name…? Sein Lächeln ist offen, sein Blick durch die Brille – übrigens mit vertraut feinem dunklem Rand – wohlmeinend.

Irgendwann geht die Reise zu Ende… Moina und ich finden uns auf dem Bahnsteig im noch unterirdisch gelegenen Ausgangsbereich wieder. Mir ist, als sei eine große Last von uns genommen. Der Boden über uns zeigt sich einen Meter breit geöffnet, offenbart den blauen klaren Himmel. Im nächsten Augenblick rauscht ein schlanker silbergrauer Metallkörper hinweg. Ist es ein Flugzeug beim Start oder ein ICE? Falls es ein Flugzeug ist, fürchte ich, am Ende könne uns eine Stichflamme aus seinem Bauch treffen. Doch kurz darauf saust das Ende des silbernen ICE über uns hinweg. Die kurz entstandene Anspannung weicht wieder. Gleich darauf nähert sich eine dunkelgrüne Regionalbahn. Diese weicht auf ein Nebengleis aus – noch kurz bevor sie den offenen Bereich über unseren Köpfen erreicht. Eine gute Gelegenheit, aus seitlicher Perspektive einen Blick auf den Zug zu werfen. Da kann ich Moina gleich erklären, was eine Regionalbahn ist.

Dann kehrt anhaltende Stille ein. Um uns herum, auf dem Boden verstreut, liegen unsere Klamotten – es ist nicht viel. Ich sammele alles auf und spüre mehr und mehr Erlösung… Welch ein Glück, wenn man eine lange Reise ganz zu Ende träumen kann. So bleiben keine Feinde mehr. Man hat auf dem Weg allen begegnen können – und mit dem Erkennen gibt es keine mehr. Ein Gefühl umfassender Heilung durchströmt mich.

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