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Kurz vor der Wohnungsübergabe

Traum:
In der Küche der verstorbenen Anna liegt ein Haufen Sperrmüll herum. Wie kürzlich auf meiner ehemaligen Terrasse sind es auch hier zerschlagene Altmöbel und ausrangierter Hausrat. All dies hat mit meiner Haushaltsauflösung zu tun – es gibt noch viel zu tun.

In all dem Chaos erscheint Herr Mann, ein Kunde aus dem Naturkostladen. Er wünscht von mir die Speisekarte, damit er seinen Einkauf bestellen kann. Es ist unmöglich, in diesem Durcheinander die Speisekarte herauszusuchen. Das ist auch gar nicht notwendig. „Sagen Sie mir doch einfach, was sie haben möchten, dann kann ich sofort Auskunft geben, ob es vorrätig ist“, fordere ich den Kunden auf. „Haben Sie Bananen?“ „Ja!“ „Und Gouda?“ „Ja, okay.“ „Bavaria Blue?“ „Ja, auch.“ Ich werde es nachher für Herrn Mann bereitstellen. Bavaria Blue… dieser Blauschimmelkäse ist etwas, das ich häufig verkaufte (was real nicht so war… – gibt es überhaupt Bavaria Blue??).

Hans, mein ehemaliger Nachbar, huscht durch die Küche. Er wirkt ziemlich abwesend. Und es mutet etwas eigentümlich an, wie sich sein Antlitz seit unserer letzten Begegnung verändert hat. Haut und Haare wirken heller, wie von feinem Kalkstaub überzogen, und überhaupt sieht er blass aus.
„Ich bin immer noch da – ich werde aufräumen!“, rufe ich ihm munter zu, aber er scheint es noch nicht einmal zu registrieren.

Als ich einen Blick aus dem Dachfenster meiner bisherigen Wohnung werfe, sehe ich meinen Vater außen am Erker des sonnengelben Esszimmers arbeiten. Er steht auf der nass glänzenden Regenrinne und fegt mit einem Besen die Teerpappe rein. Es ist offensichtlich, dass die Rinne nicht lange standhalten wird; sie hängt bereits unter seinen Füßen durch. Warum macht er das? Soo sauber muss die Wohnung doch gar nicht übergeben werden?! Als ich kurz darauf den Hausmeister treffe, weise ich ihn auf den gefährlichen Standpunkt meines Vaters hin, aber er zeigt sich unerwartet gleichmütig. Ich höre draußen ein Rumpeln… Ob mein Vater gerade vom Dach gestürzt ist? Ich horche… Der Hausmeister glaubt nicht, dass irgendwas Schlimmes geschehen ist. Da ich keine Klagelaute höre, hat er damit wohl Recht.

Der Hausmeister regt an, schon mal den Keller zu checken, ob dieser für die Übergabe fertig vorbereitet ist. Eine gute Idee; ich eile ihm hinterher. Der Keller zeigt sich als recht großzügiger Raum mit sonnengelben Wänden, glänzendem Parkett und dunklen Holztüren. Bemerkenswert ist, dass wirklich alles von einer Schicht frischen Klarlacks überzogen ist. Als wir über das Parkett laufen, spüre ich, wie die Schuhsohlen im noch feuchten Lack kurz anhaften. Auch bei der Berührung mit Türen und Wänden habe ich dieses leicht klebrige Gefühl. Vielleicht ist es zu früh, in den Keller zu gehen. Sollte die Schicht nicht völlig trocknen, ehe man die Räume betritt? Da dem Hausmeister aber kein Zögern anzumerken ist – und er ist für die Renovierung hier verantwortlich – gehe ich weiter bis zu dem Zähler und Schaltkasten. Ich checke Zählerstand und Schalterstellungen – alles okay hier.

Einige Schritte in Richtung Fenster. Dabei gehe ich direkt am Hausmeister vorbei, der mitten im Raum steht und mich verliebt lächelnd anschaut. „Wenn Du nicht erst 46 wärest, dann…“ (dann würde er mir den Hof machen). Oh, na so was… das ist eine unerwartete Gefühlspreisgabe, die mir sehr schmeichelt. Dann stehe ich vor einer Bodenöffnung auf einem angerosteten Bodendeckel. Daneben stand bisher meine Waschmaschine. Die beiden Schalter für Strom und Wasser müssen noch auf Aus gestellt werden. Eine wackelige Angelegenheit ist es jedes Mal, wenn ich die Schalter betätigen will. Denn diese befinden sich weiter unten in der Kellerbodenöffnung. Und ich muss mich weit vor und tief nach unten vorbeugen, wenn ich sie erreichen will. Dabei darf ich mein Gleichgewicht nicht verlieren, da ich sonst ins vermeintlich Bodenlose falle. Zum Glück zeigt sich der Schacht erleuchtet, die kleinen Schalter sind gut zu sehen. Und nun habe ich sie zum letzten Mal ausgeschaltet. Fertig – Aufatmen!

Alles Käse(?):
Herr Theobald Kümmelkorn, in Firma Kümmelkorn Nachfolger, Käse en détail, stand in seinem Laden und wickelte kleine Käsegebilde emsig in bedrucktes Papier ein. Es war eine alte… Weiterlesen: Träume – Manfred Kyber

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2 Antworten zu Kurz vor der Wohnungsübergabe

  1. zuckerwattewolkenmond

    Aber sicher gibt es Bavaria Blue. Ich liebe Blauschimmel-Käse. ;o)

  2. REPLY:
    Danke!
    Die Liebe zum Blauschimmel muss ich allerdings noch… üben! ;-)